JPMorgan punktet mit guten Zahlen, Ericsson leidet unter steigenden Kosten, Evotec schockt mit Gewinnwarnung und Hapag-Lloyd wird mutiger
Der Start in die neue Berichtssaison erfolgt mit gemischten Gefühlen
Es wird nicht langweilig an der Börse, was nicht nur am anhaltenden Chaos in der Geopolitik und nagenden Zweifeln am KI-Wachstum liegt. Für Spannung sorgen jetzt auch wieder Quartalszahlen, von denen in den kommenden Wochen einige eintrudeln werden. Zu Beginn gab es einige positive Ergebnisse, aber auch manche dicke Enttäuschung zu sehen.
Wie immer geben sich die US-Banken zuerst die Ehre. Am Dienstag legte JPMorgan (US46625H1005) die Ergebnisse für das zweite Quartal vor und konnte damit bei den Anlegern punkten. Insbesondere das Investmentbanking entwickelte sich hervorragend mit einem Plus von 30 Prozent bei den Umsätzen. Zudem verdiente der Konzern Milliarden mit Börsengängen.
Unter dem Strich stieg der Gewinn von 14,99 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahr auf nun 21,2 Milliarden Dollar, womit die Erwartungen klar übertroffen werden konnten. Die Anteilseigner bedankten sich dafür artig mit einem Kursplus von 2,5 Prozent und zeitweise konnte bei 344,73 Dollar schon ein frisches 52-Wochen-Hoch markiert werden. Zu Handelsschluss blieben noch 342,89 Dollar auf dem Ticker stehen, was sich noch immer mehr als sehen lassen kann. Der Erfolgskurs scheint sich fortzusetzen und die Aktionäre können zufrieden sein.
Ericsson verzeichnet hohe Kosten
In Schweden ließ der Netzausrüster Ericsson (SE0000108656) ebenfalls mitteilen, mehr als erwartet verdient zu haben. Allerdings mussten dennoch Einbußen verzeichnet werden und der bereinigte Betriebsgewinn ging um sieben Prozent auf umgerechnet etwa 590 Millionen Euro zurück. Noch schmerzhafter war ein Rückgang der Umsätze um sechs Prozent auf umgerechnet nicht ganz 4,8 Millionen Euro, womit die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt werden konnten.
Zu leiden hat Ericsson unter teils deutlich höheren Kosten. Konzernchef Börje Ekholm versprach für die Zukunft bereits Besserung, unter anderem in Form von Preisanpassungen. Die Anteilseigner ließen sich dadurch aber nicht beruhigen. Mit dem Aktienkurs ging es heftig um 12,6 Prozent auf 98,54 Schwedische Kronen in Richtung Süden, womit die psychologische Linie bei 100 Kronen zum ersten Mal seit Februar wieder unterschritten wurde. Befürchtet wird an den Märkten, dass die Kosten noch weiter zulegen könnte und Gegenmaßnahmen dies nicht vollständig kompensieren werden.
Evotec rudert zurück
Noch deutlich weiter in die Tiefe ging es für Evotec (DE0005664809), nachdem das Unternehmen infolge schwacher Quartalsergebnisse eine Gewinnwarnung herausgab. Statt 700 bis 780 Millionen Euro werden im laufenden Jahr nur noch Umsätze in Höhe von 570 bis 610 Millionen Euro erwartet. Beim Ebitda soll es Verluste von 70 bis 105 Millionen Euro zu sehen geben. Die Gewinnwarnung erfolgt auf Basis vorläufiger Zahlen.
Zuvor rechnete Evotec noch mit einem kleinen Plus von 40 Millionen Euro, scheint sich dabei aber ordentlich verschätzt zu haben. Das hat die Börsianer auf dem falschen Fuß erwischt. Die Aktie stürzte kurz nach Handelsbeginn um rund 30 Prozent ein und konnte sich im Anschluss mehr schlecht als recht davon erholen. Per Handelsschluss standen 3,75 Euro auf der Anzeigetafel und der Tagesverlust belief sich auf 24,1 Prozent. Eher müde Erholungsversuche aus dem Juni werden damit vollständig kassiert und der Abwärtstrend verfestigt sich.
Hapag-Lloyd mit guten Neuigkeiten
Den umgekehrten Weg schlug die Aktie von Hapag-Lloyd (DE000HLAG475) ein. Dort ging es gestern um respektable 6,1 Prozent auf 127,10 Euro aufwärts. Das Transport- und Logistikunternehmen berichtete über starke Entwicklungen, angetrieben von einem Trend zu höheren Frachraten bei gleichzeitig hoher Nachfrage. Das reicht aus, um die Prognose für das Geschäftsjahr nach oben zu korrigieren. Das operative Ergebnis soll nun bei 2,7 bis 3,7 Milliarden Dollar statt der zuvor erwarteten 1,1 bis 3,1 Milliarden Dollar liegen. Beim Ebit werden 0,1 bis 1,1 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.
Selbst im ungünstigsten Fall rechnet Hapag-Lloyd nun nicht mit Verlusten, was vorher noch ganz anders aussah. Getrübt wird die gute Stimmung allerdings durch die neuen Eskalationen im Nahen Osten, welche den Schiffverkehr im Persischen Golf wieder nahezu zum Erliegen gebracht haben. Genau das könnte die Kosten wieder in die Höhe treiben. Unternehmen und Anleger scheinen dahingehend aber noch entspannt zu bleiben.
Auf und ab
Insgesamt zeigten die Märkte sich am Dienstag in einer recht soliden Verfassung und wieder etwas niedrigere Inflationsdaten aus den USA steigerten die angeschlagene Stimmung etwas. Zinssorgen treten für den Moment in den Hintergrund und größere Korrekturen blieben die Ausnahme. Gleichwohl hat sich aber schon jetzt gezeigt, dass die Entwicklungen im zweiten Quartal sowohl Gewinner als auch Verlierer kennen. Daraus könnte sich für die weitere Berichtssaison eine hohe Volatilität ergeben.
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15.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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