OMV schwingt sich in die Höhe, TUI hat es deutlich schwerer, Volkswagen spricht über Alternativen zu Werksschließungen und Bayer beschafft sich frisches Geld
Wer dem Frieden nicht traute, dürfte sich bestätigt fühlen
Groß war die Freude an der Börse, als die USA und Iran eine Absichtserklärung vorstellten, welche unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus vorsah. Ein Frieden in der Region schein bereits greifbar zu sein. Am Wochenende folgte dann jedoch eine Eskalation auf die nächste. Iran kündigte eine erneute Schließung der Straße von Hormus an, die USA behaupten das Gegenteil. Absehbar sind erneut steigende Ölpreise.
Für die meisten Aktien sind das keine guten Nachrichten, doch natürlich gibt es auch wieder Profiteure. Dazu gehört etwa der österreichische Ölkonzern OMV (AT0000743059), der in der letzten Woche bereits sichtlich von wieder steigenden Ölpreisen profitieren konnte. Passen dazu präsentierte der Konzern ein Trading Update zum zweiten Quartal. Die Produktion hat unter dem Irankonflikt zwar gelitten, zum Teil deutlich.
Höhere Margen machen das aber recht entspannt wieder wett, sodass die Aktionäre in Kauflaune verfielen. Es ging mit 60,10 Euro ins Wochenende und damit rund zehn Prozent höher als noch Ende Juni. Sollten die Ölpreise weiter zulegen, dürfte es noch weiter in Richtung Norden gehen. Allerdings ist momentan nur auf wenig Verlass und ein wenig ist noch die Hoffnung vorhanden, dass die Konfliktparteien im Nahen Osten sich doch zusammenraufen mögen.
TUI: Ungewisse Aussichten
Sehr darauf hoffen dürften die Anteilseigner von TUI (TUAG50TUAG50). Für den Reiseveranstalter sind hohe Ölpreise Gift fürs Geschäft. Nicht nur steigen die Kosten rasant an, was sich nicht mal eben vollständig an die Kundschaft weiterreichen lässt, welche nicht selten Monate im Voraus bucht und bezahlt. Darüber hinaus schwebt auch das Szenario von Engpässen bei der Kerosinversorgung über der Aktie.
Die Erholung von Ende Juni hat sich bei der TUI-Aktie bereits wieder in Luft aufgelöst. Am Freitag standen zu Handelsschluss nur überschaubare 7,15 Euro auf dem Ticker. Das ist noch nicht katastrophal, lässt aber Anzeichen für einen nachhaltigen Erholungstrend eher vermissen. Dabei scheint es der Branche insgesamt nicht schlecht zu gehen. Die Nachfrage bewegt sich Experten zufolge im Reisesegment auf hohem Niveau. Das hilft an der Börse aber wenig, wenn geringe Gewinne befürchtet werden.
Hoffnungsschimmer bei Volkswagen?
Ganz ohne Irankrieg und die dadurch resultierenden Konsequenzen hat sich Volkswagen (DE0007664039) in eine tiefe Krise manövriert. Höhere Ölpreise verstärkten jene nur noch. Besonders in den letzten Tagen waren die Verantwortlichen gefühlt ausschließlich mit Krisenmanagement beschäftigt. Das bedeutet in diesem Fall vor allem das Sinnieren über rigorose Sparpläne. Die Gerüchteküche brodelt und in Deutschland stehen Insidern zufolge wohl gleich vier Werke auf der Kippe.
Gegenüber der „Bild am Sonntag“ sprach CEO Oliver Blume jedoch nun von „intelligenteren Lösungen“. Vielleicht auch, um den Betriebsrat etwas zu beruhigen, konzentrierte der VW-Chef sich stärker auf Einsparmaßnahmen, welche schon jetzt nachhaltige Effekte zeigen würden. Dass im Grundsatz gespart werden muss, dagegen wehrt sich im Management aber längst niemand mehr. Für die Anleger bedeutet das letztlich fehlende Wachstumssignale, was die Volkswagen-Aktie weiter in die Tiefe bis auf 70,98 Euro zum Wochenende beförderte.
Finanzspritze für Bayer
Bayer (DE000BAY0017) hat das Gröbste in seiner langjährigen Krise vielleicht überstanden. Regelrecht gefeiert wurde vor Kurzem, dass der US Supreme Court in Sachen Glyphosat im Sinne des Konzerns entschied. Allerdings ändert das nichts daran, dass Bayer noch immer ein veritables Schuldenproblem hat, das über Nacht auch kaum kleiner werden dürfte. Immerhin konnte sich das Unternehmen nun aber drei Milliarden Euro durch einen frischen Deal mit der Beteiligungsgesellschaft Apollo sichern.
Letztere erhält im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in welche das Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva fließt. Gemeint sind damit spezielle Arten von Verhütungsmitteln, darunter Spiralen und Verhütungsstäbchen. Die Aktie reagierte zunächst freundlich, gab Kursgewinne vom Freitagmorgen aber recht schnell wieder aus der Hand. Per Handelsschluss standen 50,12 Euro auf der Anzeigetafel; der Tagesverlust belief sich auf 1,1 Prozent.
Nervöse Zeiten
Die Stimmung an der Börse bröckelt derzeit an mehreren Fronten, sei es bei KI-Aktien oder der noch immer schwer kriselnden Autobranche. Dass nun auch noch der Irankonflikt neu aufzuflammen scheint, dürfte die Lage nicht besser machen. Es bleibt bei einer enorm hohen Volatilität und die vergangene Woche zeigte eindrucksvoll, wie schnell auf Kursrekorde die nächste Korrektur folgen kann.
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13.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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