Stripe und Advent interessieren sich für PayPal und wollen einen saftigen Aufschlag zahlen, was den Aktienkurs in die Höhe katapultiert
Eine Reaktion von PayPal steht noch aus
Schlecht lief es in der jüngeren Vergangenheit für PayPal nicht unbedingt. Allerdings machte sich in den letzten Jahren die deutlich härtere Konkurrenz bemerkbar und dazu gesellte sich dann auch noch eine hartnäckige Konsumschwäche. An die Wachstumsraten aus den Anfangsjahren kann der Konzern schon lange nicht mehr anschließen, weshalb sich nicht wenige Anleger von der Aktie längst verabschiedet haben.
Während der Corona-Jahre schrieb PayPal (US70450Y1038) an der Börse noch fleißig Rekorde und die Aktie notierte zeitweise oberhalb von 300 US-Dollar. Davon ist jedoch nicht mehr viel übriggeblieben. In den letzten Monaten bewegten die Kurse sich zwischen 40 und 50 Dollar seitwärts. Während die Börsianer immer mehr das Interesse verloren, riefen günstige Kurse nun Investoren auf den Plan, die sich eine Übernahme vorstellen könnten. Am Dienstag berichtete die Nachrichtenagentur Reuters über ein Übernahmeangebot des Zahlungsabwicklers Stripe in Kooperation mit dem Finanzinvestor Advent.
Geboten werden 60,50 Dollar je Anteilsschein, woraus sich verglichen mit den letzten Schlusskursen ein netter Aufschlag ergibt. Dennoch wäre die Fusion mit Blick auf historische Kurse noch vergleichsweise günstig. Insgesamt wird PayPal auf 53 Milliarden Dollar bewertet und die Finanzierung scheint weitgehend gesichert zu sein. Die Anleger reagierten hocherfreut. Die PayPal-Aktie näherte sich der Offerte rasend schnell an, indem der Kurs gestern um 17,2 Prozent auf 55,52 Dollar zulegte.
PayPal hält sich bedeckt
Die Börsianer gehen also schon mal davon aus, dass Stripe und Advent sich mit ihrem Angebot durchsetzen können. Vielleicht hofft der eine oder andere sogar darauf, dass es noch einen weiteren Aufschlag geben könnte. Doch PayPal selbst äußerte sich bisher noch nicht weiter zu dem Thema. Es bleibt noch abzuwarten, wie das Management zu einer möglichen Übernahme stehen mag.
Eigentlich verordnete der noch recht frische CEO Enrique Lores im Frühjahr eine Umstrukturierung mit zahlreichen Sparmaßnahmen, welche PayPal wieder zurück auf Wachstumskurs befördern sollte. Die Anleger ließen sich davon bislang noch nicht überzeugen. Die Pläne des Managements unterscheiden sich aber mutmaßlich doch etwas von einer Übernahme. Zudem stellt sich bei Transaktionen mit einem solchen Volumen immer auch die Frage, was die Wettbewerbshüter zu sagen haben könnten.
Es bleibt momentan noch das Risiko, dass die Übernahme letztlich nicht über die Bühne gehen wird und die PayPal-Aktie sich dann wieder recht schnell den bisherigen Tiefständen annähern wird. Da dies auch die Anleger selbst wissen dürften, ist eine nachhaltige Rallye lange nicht in Stein gemeißelt. Denn nach einer langen Durststrecke könnte auch der eine oder andere den Kurssprung nutzen, um schnell Gewinne einzustreichen.
Günstige Gelegenheit
Aus Sicht von Stripe ist der Zeitpunkt für das Übernahmeangebot weise ausgewählt. PayPal gilt an der Börse schon seit Längerem als unterbewertet, trotz einigen eher mauen Quartalen. Eine Fusion anzustreben, bevor die Aktie sich in eine Erholung begibt, ist daher eine günstige Gelegenheit. Allerdings stellt sich dabei umso mehr die Frage, ob die Verantwortlichen von PayPal in der Eigenständigkeit für die Zukunft nicht vielleicht noch bessere Chancen erkennen könnten.
Wer nun auf einen Einstieg setzt und schon auf die noch immer vorhandene Differenz zur Offerte schielt, der geht letztlich ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. PayPal selbst soll übrigens in jedem Fall erhalten bleiben. Im Falle einer Übernahme sollen die Anteile an Stripe und Advent aufgeteilt werden. Der Erhalt der Marke ist strategisch sinnvoll und derartige Pläne können dem Management die Entscheidung etwas einfacher machen. Für den Moment gibt es aber nicht mehr zu tun, als eine offizielle Reaktion von PayPal abzuwarten.
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16.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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