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Das Vertrauen in Hongkong sinkt

Gold und das Vertrauen in Hongkong

 

Nach Wochen voller Demonstrationen in Hongkong gegen das Auslieferungsgesetz an China haben sich die Wogen nur an der Oberfläche etwas geglättet. Denn die stärksten politischen Unruhen seit der Übergabe der britischen Kronkolonie an China im Jahr 1997 haben zu zunehmenden Absetzbewegungen geführt, die fatale Folgen für den Finanzplatz Hongkong haben können. Denn am Montag senkte Moody’s den Ausblick für Hongkong auf negativ und begründete dies mit den Risiken für die institutionelle Stabilität, die aus der stärkeren Integration an Festland-China resultieren. Zuvor hatte bereits Fitch Ratings Hongkong heruntergestuft.

 

Erste Absetzbewegungen

 

Die Reaktion auf die spannungsgeladene Situation geht weiter. Zum einen orientieren sich die Einwohner Hongkongs in verstärktem Maße ins billige Malaysia und das kulturell nahe Taiwan. Zum anderen nimmt auch die Unsicherheit bei Investoren zu, die das Offshore-Finanzzentrum Hongkong am Leben erhalten. Der Tourismus nach Hongkong ist eingebrochen und die Immobiliengeschäfte von Ausreisewilligen ziehen an, wie Immobilienmakler neben Malaysia und Taiwan auch aus Australien berichten. Was die Abwanderung für den Immobilienmarkt in Hongkong bedeutet, ist derzeit offen.

Immer klarer aber ist die Reaktion aus dem Ausland in Bezug auf den Finanzplatz Hongkong. Dieser hat nach dem Aufmarsch chinesischen Militärs an der Grenze zu Hongkong und den Drohungen aus Peking einen dramatischen Vertrauensverlust erlitten.

Am besten lässt sich dies an der zunehmenden Verlagerung der Goldbestände in Hongkong ablesen. Denn des einen Freud ist des anderen Leid. In diesem Falle sind die Gewinner das als sicher eingestufte Singapur und die Schweiz. Denn Gold wird regelmäßig zwischen Singapur und Hongkong hin und her transportiert, je nach lokalen Preisen.

 

Hongkong

Bildnachweis: © Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson

 

Allerdings war bei den Protesten in Hongkong auch der internationale Flughafen Ziel der Proteste. Dieser betreibt dort aber eines der größten Goldtresore Hongkongs. Dass dies die Nervosität der Investoren nach oben trieb, ist deshalb keine Überraschung.

Inzwischen empfehlen sogar erste Bullion-Verkäufer ihren Kunden, ihr Gold aus Hongkong abzutransportieren. Dazu gehören auch Festland-Chinesen, für die bislang Hongkong eine elegante Möglichkeit war, ihr Gold so nah wie (juristisch) fern zu lagern. Will man in Asien bleiben, ist Singapur erste Wahl. Als Diversifizierung bietet sich des Weiteren die Schweiz an.

Fazit: Die Risiken für den Finanzplatz Hongkong nehmen zu. Das sinkende Vertrauen in die institutionelle Stabilität Hongkongs zehrt am kompetitiven Vorteil, den das Offshore-Zentrum bis jetzt genossen hat. Der Abfluss von Kapital und physischem Gold dürfte früher oder später auch den Druck auf den Hongkong-Dollar erhöhen.

 

17.09.2019 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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