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JinkoSolar konsolidiert, BYD stagniert, Amazon bricht aus, Steinhoff bricht ein

Der Handelstag - Bericht zum 06.07.2021

NTG24 - JinkoSolar konsolidiert, BYD stagniert, Amazon bricht aus, Steinhoff bricht ein

 

Im Umfeld enttäuschender internationaler Konjunkturdaten legten die internationalen Aktienmärkte heute durchweg den Rückwärtsgang ein. Konnte sich der Nikkei 225-Index wenigstens noch um 0,2 % befestigen, verzeichneten alle übrigen Weltleitbörsen Verluste, so z.B. der DAX um - 1,0 % und der S&P 500-Index aktuell um - 0,5 %. Auslöser der Kursabschläge waren vor allem der massiv rückläufige ZEW-Wirtschaftsstimmungsindikator für die Eurozone im Juni (61,2 nach 81,3) wie auch die gleichzeitige Abschwächung des US-Einkaufsmanager-Indexes (60,1 nach 64,0).

Im Segment der weltführenden Photovoltaik-Spezialisten legt die Aktie von JINKOSOLAR (US47759T1007) heute an ihrer Primärbörse, der US-amerikanischen NYSE, zwar um + 7,0 % auf rd. 54 USD zu, allerdings greift dieser Sprung charttechnisch bislang noch zu kurz, um die seit 29.06. etablierte, abwärts gerichtete Konsolidierungsflagge erfolgreich zu überwinden.

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Werbebanner ClaudemusDie Aktie des größten asiatischen Solarparkbetreibers profitierte heute stark von der Nachricht, dass ihre Stromerzeugungs-Tochter Jinko Power mit der lokalen Regierung in Hefei, der Hauptstadt des Kantons Feidong, vor einigen Tagen ein Mega-Abkommen zur künftigen Erzeugung und Lieferung von immerhin 2 GW an alternativem Strom abgeschlossen hat, das über neu zu errichtende Solarkapazitäten von 1,5 GW sowie Windkraftanlagen über eine Erzeugungsleistung von 500 MW realisiert werden soll.

Der gesamte Auftragswert beläuft sich auf rd. 12 Mrd. RMB (= knapp 1,9 Mrd. USD), was damit zwar rd. einem Drittel des gesamten Vorjahresumsatzes von JinkoSolar entspricht, deren phasenweise Projektumsetzung sich aber beginnend in 2022 auf mehrere Jahre erstrecken wird.

Auch wenn dieser Abschluss natürlich sehr positiv zu werten ist, befindet sich die Aktie von JinkoSolar damit derzeit noch immer in der kurzfristigen Chartkonsolidierung von ihrem Erholungshöchststand bei 58 USD.

Von einem Einstieg in die mit einem KGV (2023e) von nur rd. 9 fraglos günstig bewertete Aktie raten wir daher unter Timing-Gesichtspunkten vorerst noch ab, da erst ein Überschreiten von rd. 59 USD den Weg zu höheren Kursen ebnen würde und bis dahin auch noch sogar ein erneuter Test der mit rd. 43 USD deutlich tiefer liegenden Unterstützung nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.

 

Chart: JINKOSOLAR (in US-Dollar)

 

 

Eine Fortsetzung ihrer nun schon seit 21.06. währenden, gänzlichen Kursstagnation verzeichnete heute auch die Aktie des asienweit führenden, chinesischen Solarstrombatterie- und Elektrofahrzeug-Herstellers BYD CO. LTD. (CNE100000296), wobei sich in dieser aktuellen charttechnischen Hängepartie nach dem vorangegangenen fulminanten Erholungsausbruch von 140 bis auf 240 HKD im heutigen Hongkonger Tageshandel sogar eine Kursabschwächung um - 3,6 % einstellte.

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Werbebanner ISIN-WatchlistFundamentalanalytisch kam die heutige Kurseinbuße umso überraschender, als BYD heute für den Juni in China einen rekordhohen Absatzanstieg ihrer Elektrofahrzeuge gegenüber dem Vorjahr um nicht weniger als + 207 % auf 40.116 Stück vermeldete. Im gesamten ersten Halbjahr verzeichnete BYD dagegen nur einen Gesamtabsatzanstieg ihrer Fahrzeuge um + 56 % gegenüber dem Vorjahr, was dabei auch auf einen rd. 15%igen Produktions- und Absatzrückgang ihrer konventionell benzinbetriebenen Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen war (allein im Juni rd. 20 % ihres gesamten Fahrzeuggeschäfts ausmachend).

Negativ könnte vom Markt heute auch aufgenommen worden sein, dass im Juni der Absatz von teilelektronischen Plugin-Hybridfahrzeugen bei BYD zum ersten Mal seit Monaten wieder den Absatz vollelektronischer Fahrzeuge übertroffen hat.

Die Aktie klammert sich charttechnisch nun immer klarer unterhalb des Widerstands von 240 HKD von dem seit Juni 2020 nun etablierten breiten Konsolidierungsdreieck fest.

Bis diese Marke von 240 HKD nicht nachhaltig überwunden wird, raten wir daher auch weiterhin von einem Engagement in der optisch mit einem KGV (2023e) von rd. 67 sehr ambitioniert bewerteten Aktie ab.

 

Chart: BYD CO. LTD. (in Hongkong-Dollar)

 

 

Der von vielen Anlegern sicher bereits seit langem sehnlich erwartete Ausbruch aus ihrer schon seit August 2020 währenden, breit angelegten Konsolidierungsformation gelang dagegen heute mit einem Kurssprung um + 4,8 % auf 3679 USD nun endlich auch der Aktie von AMAZON.COM (US0231351067).

Fundamentaler Hintergrund dieses heutigen kräftigen Kursanstiegs dürfte vor allem der nun psychologisch immer stärker wirksam werdende Effekt gewesen sein, dass am Montag Jeff Bezos nun endgültig von seinem Posten als Amazon-Vorstandschef zurückgetreten ist und mit Übergabe des Amts an seinen Nachfolger Andy Jassy (ehemaliger Geschäftsführer der Cloud-Einheit AWS) nach Meinung vieler Experten somit Amazon nun künftig den Weg in eine völlig neue Ära bereiten könnte.

Außerdem dürfte die Aktie von Amazon zudem Auftrieb dadurch erhalten haben, dass das US-Verteidigungsministerium heute endgültig das 2019 ins Leben gerufene und mit einem Auftragsvolumen von 10 Mrd. USD ausgestattete Projekt „JEDI“ zur IT-Modernisierung des Pentagon „begraben“ hat, nachdem Amazon nach der ursprünglichen Auftragsvergabe an Microsoft und Abweisung seines damaligen Gegenangebots gegen diese Entscheidung des Pentagon sofort vor Gericht gezogen war und sich in diesem bis heute anhaltenden Gerichtsprozess gänzlich unversöhnlich mit Microsoft ohne jede Aussicht auf ein bevorstehendes abschließendes Urteil bekriegt hat.

Das Pentagon hat daher heute wohl auch aus diesem Grund, jedoch mit der offiziellen Erklärung, das ehemalige JEDI-Programm genüge mittlerweile nicht mehr den zeitgemäßen IT-Anforderungen und müsse daher nun neu aufgelegt werden, dieses nun zu den Akten gelegt.

An der nun neu erfolgenden, betraglich bislang jedoch nicht präzisierten Ausschreibung dieses Programms unter dem Titel „Joint Warfighter Cloud Capability“ (dessen Namenswahl für uns nichts anderes als einen bewussten Fingerzeig des Pentagon an Microsoft wie Amazon gleichermaßen darstellt) können sich daher nun unter anderem sowohl Microsoft wie auch Amazon unter völlig gleichen und fairen Ausgangsvoraussetzungen wieder komplett neu beteiligen, so das Pentagon in seiner heutigen Erklärung.

Microsoft begrüßte diese Entscheidung des Pentagon auch bereits schon in einer ersten Reaktion, von Amazon wurde hierzu bislang noch kein Statement abgegeben.

Nach diesen heutigen fundamentalen Entwicklungen rund um Amazon und dem hiermit folgerichtig einhergegangenen charttechnischen Aktienausbruch stufen wir den mit einem völlig vertretbaren KGV (2023e) von rd. 37 bewerteten Titel im Vorfeld der kommenden Quartalszahlenvorlage am 29.07. daher ab sofort nun wieder als kaufenswert ein.

 

Chart: AMAZON.COM (in US-Dollar)

 

 

Und schließlich verzeichnete heute auch noch die Aktie von STEINHOFF (NL0011375019) einen erneuten Kurscrash um – 14 % und verletzte im Tagesverlauf mit 8 Cents sogar kurzzeitig das am 02.07. markierte Tief von 8,2 Cents, womit nun eine weitere akute Rückschlagsgefahr auf die zuletzt bis 18.01. etablierte nächste Unterstützungszone bei nur noch 6 Cents besteht.

Hintergrund des auch heute weiter fortgesetzten Aktienkurseinbruchs war die seit Tagen zunehmend ausgeweitete Skepsis unter den Aktionären des Konzerns, das Vorhaben von Steinhoff, die derzeit noch anhängigen globalen Prozessklagen über rd. 10 Mrd. Euro mittels eines Vergleichs von rd. 900 Mio. Euro beizulegen, könnte scheitern. Für diese akute Verunsicherung ist vor allem ein am Freitag, d. 02.07. ergangener Bescheid der Obersten Gerichtshofs von West Cape / Südafrika verantwortlich, nach dem Teile des von Steinhoff eingereichten Vergleichsvorschlags jeglicher rechtlichen Grundlage entbehrten.

 

06.07.2021 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 

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