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Palladium verliert den Halt der Autoprämie

Der Preis fällt stärker als Platin, weil Dollarstärke, Terminmarktdruck und Zweifel an der Benziner-Nachfrage zugleich auf einen enger gewordenen Markt treffen

NTG24 - Palladium verliert den Halt der Autoprämie

 

Der Mittwoch traf Palladium an einer empfindlichen Stelle. Während der gesamte Edelmetallkomplex unter dem festen Dollar und den höheren US-Zinserwartungen litt, kam bei Palladium ein eigener Belastungsfaktor hinzu: Die Nachfrageerzählung aus dem Autokatalysatorgeschäft wirkt nicht mehr so tragfähig wie in früheren Knappheitsphasen. Der Rückgang war deshalb nicht nur Teil einer allgemeinen Edelmetallkorrektur, sondern auch ein Misstrauensvotum gegenüber der kurzfristigen industriellen Preisstütze.

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Im Spotmarkt gab Palladium (TVC:PALLADIUM) deutlich nach. Reuters meldete für den frühen US-Handel einen Rückgang um 5,2 Prozent auf 1.173,23 US-Dollar je Feinunze. Damit fiel Palladium stärker als Platin, das im gleichen Marktbericht 4,0 Prozent auf 1.586,55 US-Dollar verlor. Die relative Schwäche ist wichtig, weil sie zeigt, dass der Markt nicht nur Edelmetallrisiko verkaufte, sondern Palladium zusätzlich für seine spezifischen Nachfrageunsicherheiten bestrafte.

 

Der Terminmarkt verschärft den Spotdruck

 

Die späteren Kursanzeigen bestätigten die Richtung, auch wenn Preisbegriff und Zeitpunkt voneinander abweichen. Kitco zeigte im weiteren Handel einen Palladium-Geldkurs von 1.145,00 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 70,00 US-Dollar beziehungsweise 5,76 Prozent. Die dort ausgewiesene Tagesspanne reichte von 1.144,00 bis 1.264,00 US-Dollar. Das ist ein Geldkurs im Spotumfeld und kein Future, kein Londoner Referenzpreis und kein offizielles Settlement.

Am Terminmarkt war der Druck ebenfalls sichtbar. Die Kontraktübersicht von TradingView wies für den Juli-Palladium-Future PAN2026 einen Preis von 1.171,50 US-Dollar und ein Minus von 4,94 Prozent aus; der September-Kontrakt PAU2026 lag bei 1.168,50 US-Dollar und verlor 6,06 Prozent. Diese Future-Werte sind nicht mit dem Kassapreis gleichzusetzen. Sie zeigen aber, dass die finanzielle Schicht des Marktes den Rückgang nicht nur nachvollzog, sondern ihn über die Kurve hinweg bestätigte.

Für Palladium ist diese Trennung besonders wichtig. Der Markt ist kleiner und weniger liquide als Gold oder Silber. Schon moderate Positionsanpassungen können deshalb größere Ausschläge erzeugen, vor allem wenn mehrere Auslöser gleichzeitig auftreten. Ein fester Dollar verteuert das Metall außerhalb des US-Währungsraums. Höhere Zinserwartungen erhöhen die Finanzierungskosten. Und wenn zusätzlich die industrielle Nachfrage infrage steht, fehlt dem Terminmarkt der schnelle Gegenimpuls.

 

 

 

Der Dollar nimmt Palladium die Ausweichroute

 

Der makroökonomische Teil der Bewegung war eindeutig. Der Dollarindex stieg laut Reuters auf 101,62 und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2025. Zugleich preisten die Märkte nach dem jüngsten Fed-Ton wieder höhere Wahrscheinlichkeiten für Zinsschritte ein. Die Federal Reserve hatte den Zielkorridor zwar bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, aber weiterhin auf erhöhte Inflation verwiesen. Für ein zyklisches Edelmetall ist diese Kombination doppelt schwierig: Kapital wird teurer, und die globale Nachfrage wird über den Wechselkurs zusätzlich belastet.

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Anders als Gold kann Palladium in solchen Phasen kaum auf eine breite Reserve- oder Sicherheitsnachfrage verweisen. Der Preis lebt stärker von Autokatalysatoren, industrieller Verwendung, Recycling und kurzfristiger Verfügbarkeit. Genau deshalb fällt der Dollarimpuls hier auf einen dünneren Schutzboden. Wenn Investoren den gesamten Edelmetallkomplex reduzieren, steht Palladium schneller ohne strategische Käufergruppe da.

 

Johnson Matthey verschiebt die Knappheitserzählung

 

Der fundamentale Hintergrund lieferte dem Markt am Mittwoch kein klares Gegengewicht. Johnson Matthey geht in seinem aktuellen PGM-Marktbericht davon aus, dass Palladium nach einer Defizitphase von 2012 bis 2025 im laufenden Jahr in einen kleinen Überschuss drehen könnte. Die Nachfrage soll demnach um neun Prozent sinken, unter anderem wegen negativer ETF-Investmentflüsse im ersten Quartal und einer rückläufigen Produktion von Benzinfahrzeugen. Gleichzeitig dürfte sich das Recycling aus Autokatalysatoren kräftig erholen, weil hohe PGM-Preise mehr Altmaterial in die Sammel- und Verarbeitungskette bringen.

Das ist für die Preisbildung ein entscheidender Unterschied zu Platin. Dort bleibt die Defizitthese trotz Nachfragezweifeln stärker präsent. Bei Palladium dagegen nimmt der Markt eine mögliche Entspannung der Bilanz vorweg. Selbst wenn die russische Minenproduktion laut Johnson Matthey deutlich zurückgeht und auf den niedrigsten Stand seit mindestens zwei Jahrzehnten fallen soll, reicht dieser Angebotsfaktor derzeit nicht aus, um die Sorge vor geringerer Autonachfrage und mehr Recycling zu überdecken.

Charttechnisch wird der Bereich um 1.150 US-Dollar damit zur ersten Belastungszone. Der Kitco-Geldkurs lag nur knapp oberhalb des Tagestiefs, während die Juli- und September-Futures ebenfalls unter 1.180 US-Dollar notierten. Eine Stabilisierung müsste deshalb nicht nur den Spotpreis zurück über 1.180 US-Dollar führen, sondern auch zeigen, dass die Terminmarktkurve den Verkaufsdruck nicht weiter verlängert. Unterhalb von 1.140 US-Dollar würde der Markt dagegen erneut testen, wie viel physische Nachfrage tatsächlich auf niedrigere Preise reagiert.

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Der Mittwoch hat Palladium nicht wegen einer einzelnen Zahl unter Druck gesetzt. Der Preis fiel, weil mehrere Ebenen gleichzeitig gegen das Metall arbeiteten: Dollar, Fed, Autonachfrage, ETF-Flüsse und Recycling. Damit bleibt Palladium das empfindlichste Metall im PGM-Komplex. Es kann sich kräftig erholen, wenn Short-Positionen gedeckt werden oder die Autodaten überraschen. Doch solange die Überschussdebatte glaubwürdig bleibt, wird jede Erholung zunächst an der Nachfragefrage gemessen.

Stand: Mittwochabend, 24.06.2026, europäische Abendphase. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag in den verwendeten Quellen noch nicht belastbar vor.

 

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24.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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