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Silber und Palladium nutzen die Dollarpause unterschiedlich

Nach den US-Inflationsdaten hellt sich die Stimmung für Edelmetalle auf, doch Silber bleibt stärker an Zinsen und Liquidität gebunden, während Palladium zwischen Erholung und Autonachfrage schwankt

NTG24 - Silber und Palladium nutzen die Dollarpause unterschiedlich

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Der Donnerstag brachte keinen Befreiungsschlag, aber eine spürbare Entspannung in einem zuvor angespannten Edelmetallhandel. Nach den US-Inflationsdaten gab der Dollar einen Teil seiner jüngsten Stärke ab, während die Renditen nicht weiter nach oben drückten. Davon profitierten Silber und Palladium gemeinsam, ohne dass beide Märkte dieselbe Geschichte erzählten.

Silber (TVC:SILVER) reagierte besonders sensibel auf die kleine Verschiebung bei Dollar und Zinserwartungen. Palladium (TVC:PALLADIUM) wurde ebenfalls fester gehandelt, blieb aber stärker von der Frage geprägt, wie tragfähig die Nachfrage aus der Automobilindustrie nach der jüngsten Preiserholung wirklich ist.

Auslöser war weniger ein einzelner Datenpunkt als die Marktreaktion darauf. Das US Bureau of Economic Analysis meldete für Mai einen Anstieg der persönlichen Einkommen und Konsumausgaben um jeweils 0,7 Prozent. Zugleich lag der PCE-Preisindex im Jahresvergleich bei 4,1 Prozent. Diese Zahl blieb hoch genug, um die Zinssorgen nicht verschwinden zu lassen, fiel aber nicht so überraschend aus, dass der Markt sofort eine noch aggressivere Fed einpreisen musste.

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Dadurch entstand ein schmaler Zwischenraum für Edelmetalle: Der Inflationsdruck blieb grundsätzlich unterstützend, während der unmittelbar belastende Effekt eines weiter steigenden Dollars nachließ. Reuters berichtete, dass der Dollar nach dem Datenpaket von einem 13-Monats-Hoch zurückkam; parallel sanken die am Markt eingepreisten Wahrscheinlichkeiten für weitere Zinsschritte leicht. Für Silber war diese Entlastung besonders wichtig, weil der Markt in den vergangenen Tagen stärker unter Positionsabbau und Finanzierungskosten gelitten hatte.

 

Silber erholt sich, aber der Terminmarkt bremst die Euphorie

 

Im Spotmarkt zeigte sich die Erholung klarer als am COMEX-Future. Reuters nannte den Silberpreis am Donnerstag um 11:12 Uhr New Yorker Zeit bei 57,65 US-Dollar je Feinunze und damit 0,4 Prozent höher. Später zeigte Kitco im 24-Stunden-Chart einen Silber-Geldkurs von 58,58 US-Dollar und einen Briefkurs von 58,83 US-Dollar; die dort ausgewiesene Tagesspanne reichte von 56,24 bis 59,12 US-Dollar.

Am Terminmarkt war das Bild uneinheitlicher. Die CME Group zeigte den Juli-Silber-Future zwischenzeitlich bei 57,450 US-Dollar und damit 1,10 Prozent im Minus. Diese Abweichung ist kein Widerspruch zur festeren Spotnotierung, sondern ein Hinweis auf unterschiedliche Referenzen, Zeitpunkte und Kontraktlogiken. Gerade bei Silber kann der Future-Markt wegen hoher Hebelung schneller auf Risikolimits, Margindruck oder technische Stopps reagieren als der physische beziehungsweise unmittelbar quotierte Spotmarkt.

Fundamental bleibt die Lage ebenfalls zweigeteilt. Das Silver Institute erwartet für 2026 zwar ein sechstes strukturelles Marktdefizit in Folge und beziffert dieses auf 67 Millionen Unzen. Gleichzeitig soll die industrielle Verarbeitung um 2 Prozent auf rund 650 Millionen Unzen sinken, unter anderem wegen Materialeinsparungen und Substitution in der Photovoltaik. Der Donnerstagshandel passte genau in diese Spannung: Knappheit und Investmentinteresse stützen die größere Erzählung, während Zinsen, Dollar und Industrienachfrage den kurzfristigen Preis weiter anfällig halten.

 

Palladium gewinnt, doch die Erholung bleibt weniger breit unterlegt

 

Palladium profitierte ebenfalls von der verbesserten Edelmetallstimmung. Reuters meldete den Spotpreis um 11:12 Uhr New Yorker Zeit bei 1.177,73 US-Dollar je Feinunze und damit 1,0 Prozent höher. Kitco zeigte später einen Geldkurs von 1.166,00 US-Dollar und einen Briefkurs von 1.206,00 US-Dollar; die ausgewiesene Tagesspanne lag zwischen 1.136,00 und 1.223,00 US-Dollar. Die Spanne unterstreicht, dass Palladium zwar zulegte, aber weiterhin mit deutlich dünnerer Liquidität und größeren Geld-Brief-Abständen als Silber handelt.

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Auch der Terminmarkt zeigt eine eigene Preisstruktur. Die CME wies den September-Palladium-Future zwischenzeitlich bei 1.289,10 US-Dollar aus. Dieser Future-Preis darf nicht als identischer Spotpreis gelesen werden. Kontraktmonat, Lieferlogik und Liquidität unterscheiden sich deutlich vom Kassamarkt. Gerade bei Palladium sind solche Unterschiede stärker zu beachten, weil einzelne Orders, Absicherungsgeschäfte oder Rollbewegungen relativ große Ausschläge erzeugen können.

 

 

 

Der zentrale Unterschied zu Silber liegt in der Nachfragebasis. Palladium ist stärker auf Benzin-Katalysatoren konzentriert und damit unmittelbar an den Verlauf der Verbrenner- und Hybridproduktion gebunden. Johnson Matthey erwartet im PGM-Marktbericht 2026, dass Palladium nach jahrelangen Defiziten in einen kleinen Überschuss wechseln könnte. Begründet wird dies unter anderem mit einer sinkenden Automobilnachfrage, während die industrielle Verwendung weniger dynamisch bleibt.

Das macht die heutige Erholung weniger eindeutig als der Prozentgewinn zunächst aussieht. Ein schwächerer Dollar und freundlichere Edelmetallstimmung helfen kurzfristig. Auf mittlere Sicht muss Palladium aber beweisen, dass der Markt nicht nur auf Makroentlastung reagiert, sondern auch eine belastbare Nachfrage aus der realen Verwendung findet. Solange die Autonachfrage unsicher bleibt und Substitutionsthemen im PGM-Komplex nachwirken, wird jeder Preisanstieg stärker auf seine Tragfähigkeit geprüft.

Die geldpolitische Kulisse bleibt dabei der gemeinsame Taktgeber. Die Federal Reserve hatte den Zielkorridor für die Fed Funds Rate in der vergangenen Woche bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Dass der PCE-Index nun zwar hoch, aber weitgehend im Rahmen der Erwartungen ausfiel, nahm den Märkten etwas unmittelbare Nervosität. Es beseitigte jedoch nicht die Frage, ob die US-Notenbank später im Jahr erneut reagieren muss.

Für Silber bedeutet das: Die Erholung bleibt glaubwürdiger, solange der Dollar nicht wieder auf neue Hochs zieht und der Future-Markt nicht erneut unter Druck gerät. Für Palladium liegt die Messlatte anders. Dort reicht ein freundlicher Edelmetalltag nicht aus, um die strukturellen Zweifel an der Nachfrage vollständig zu überdecken. Der Donnerstag lieferte damit eine gemeinsame Gegenbewegung, aber keine gemeinsame Entwarnung.

Stand: Donnerstagabend, 25.06.2026, europäische Abendphase. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

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25.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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