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Silber wird nach der Fed zur Liquiditätsfrage

Der Preis fällt deutlich stärker als der Spotmarkt zunächst erkennen lässt – hinter dem Rückschlag stehen ein fester Dollar, hektische Futures-Positionen und neue Zweifel an der industriellen Belastbarkeit

NTG24 - Silber wird nach der Fed zur Liquiditätsfrage

 

Nicht der tiefste Kurs des Tages war das auffälligste Signal, sondern die Geschwindigkeit des Rückgangs. Kaum hatte die US-Notenbank ihre Tür für eine weitere Straffung offengelassen, verschwanden im Terminmarkt jene Käufer, die noch am Vortag auf eine Fortsetzung der Erholung gesetzt hatten. Der Rückzug verlief nicht geordnet, sondern in mehreren schnellen Wellen.

In Silber (TVC:SILVER) trafen dabei zwei Belastungen aufeinander. Der festere Dollar verteuerte das Metall außerhalb des US-Währungsraums. Gleichzeitig verlor die Konjunkturkomponente an Überzeugung, obwohl fallende Ölpreise den Inflationsdruck grundsätzlich etwas lindern könnten. Die Entspannung zwischen den USA und Iran half dem Silberpreis daher kaum.

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Werbebanner EMH PM TradeFür den Handel war weniger die politische Nachricht selbst wichtig als ihre geldpolitische Übersetzung. Sinkende Energiepreise nehmen zwar einen Teil der Inflationsgefahr aus dem Markt. Die Federal Reserve signalisierte am Mittwoch jedoch, dass sie sich damit noch nicht zufriedengibt. Wer Silber zuvor als Hebel auf sinkende Zinsen gekauft hatte, bekam deshalb einen Grund, die Position rasch zu verkleinern.

 

Drei Kursanzeigen, eine klare Richtung

 

Die verschiedenen Preisquellen zeigen ungewöhnlich große prozentuale Abweichungen, bestätigen aber dieselbe Bewegung. Reuters nannte den Spotpreis um 10:30 Uhr New Yorker Zeit bei 66,75 US-Dollar je Feinunze und 1,8 Prozent im Minus. Die CME Group wies den Juli-Future zuvor bei 66,885 US-Dollar und einem Abschlag von 5,49 Prozent aus. Später zeigte Kitco einen Geldkurs um 66,04 US-Dollar; die dort ausgewiesene Tagesspanne reichte von 65,79 bis 69,97 US-Dollar.

Diese Werte dürfen nicht miteinander vermischt werden: Spotpreis, Future und jeweiliger Vortagesbezug sind nicht identisch. Belastbar ist jedoch die gemeinsame Aussage. Der Bereich knapp unter 70 US-Dollar wurde innerhalb weniger Stunden preisgegeben, während sich die Nachfrage erst in der Mitte der 60er-Zone wieder stärker bemerkbar machte.

 

 

 

Die Fed traf nicht den physischen Markt, sondern den Hebel

 

Der geldpolitische Beschluss änderte zunächst keinen einzigen Silberbarren im Lager. Trotzdem bewegte er den Preis sofort. Die Federal Reserve beließ den Zielkorridor für den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Belastend wirkte die Aussicht, dass ein erheblicher Teil des Ausschusses noch 2026 eine weitere Anhebung für angemessen hält. Am Terminmarkt wurde daraus eine Neubewertung der Finanzierungskosten: Ein Standardkontrakt über 5.000 Feinunzen reagiert auf wenige Dollar Preisbewegung bereits mit großen nominalen Gewinnen oder Verlusten. In einer solchen Situation reichen engere Risikolimits, zusätzliche Sicherheiten oder das Erreichen technischer Stopps, um Verkäufe zu beschleunigen.

Der Spotmarkt wirkte im Vergleich ruhiger, weil dort andere Akteure und Referenzen dominieren. Die starke Future-Bewegung ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass industrielle Verbraucher oder physische Investoren in gleichem Umfang ausgestiegen sind. Sie zeigt vielmehr, wie empfindlich die finanzielle Schicht des Silbermarkts nach der jüngsten Erholung geworden war.

Die Unterstützung im Bereich von 65 bis 66 US-Dollar ist nun weniger als dauerhafter Boden zu verstehen denn als erste Zone, in der der Verkaufsdruck auf neue Nachfrage trifft. Ein kurzfristiger Rücklauf darüber würde den technischen Schaden noch nicht vollständig beseitigen. Dafür müsste der Markt den aufgegebenen Bereich nahe 69 bis 70 US-Dollar wieder annehmen, statt ihn nur kurz zu berühren.

Auch die physische Erzählung bietet kein einfaches Gegenargument. Das Silver Institute erwartet zwar das sechste strukturelle Marktdefizit in Folge. Gleichzeitig soll die industrielle Verarbeitung 2026 um zwei Prozent auf etwa 650 Millionen Unzen zurückgehen. Besonders in der Photovoltaik senken Materialeinsparungen und Substitution den Silberbedarf je Modul. Ein knapper Gesamtmarkt kann daher mit einer schwächeren Nachfrage in einzelnen Schlüsselbereichen zusammenfallen.

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Ein verkürzter Handelstag mit offenem Schaden

 

Der Rückschlag fällt unmittelbar vor dem US-Feiertag am Freitag in eine Phase, in der viele Händler ihre Positionen nicht über einen längeren Zeitraum unbeobachtet lassen wollen. Das kann Bewegungen verschärfen, ohne dass sich die fundamentale Bilanz entsprechend verändert hat.

Genau darin liegt die offene Stelle dieses Handelstages. Die Notierung um 66 US-Dollar kann entweder den Beginn einer Beruhigung markieren oder nur eine Zwischenstation sein, nachdem im Future-Markt zu viel Hebel auf derselben Seite stand. Eine überzeugende Antwort gibt es erst, wenn nach der Feiertagspause wieder reguläre Liquidität zurückkehrt. Bis dahin sprechen die Zahlen für einen schweren technischen Treffer, nicht zwingend für das Ende der langfristigen Defizitgeschichte.

Stand: Donnerstagabend, 18.06.2026, europäische Abendphase. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs lag noch nicht vor.

 

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18.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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