Marktbericht Platin und Palladium: Im Schatten von Gold und Silber, aber reizvoll
Die Handelswoche in Platin & Palladium vom 18.05. - 22.05.2026
Die beiden Stiefkinder-Edelmetalle Platin und Palladium hatten in der abgelaufenen Handelswoche wieder einmal Gegenwind, wobei Palladium fast doppelt so stark nachgab wie Platin. Beide Edelmetalle warten auf Impulse, wobei die Bodenbildung zumindest sich bei Platin diese insgesamt technisch robuster darstellt. Gleichwohl erscheinen am Nachfragehorizont für beide Edelmetalle neue Perspektiven, wie ein Blick auf die Entwicklungen in China verdeutlicht.
Im Wochenvergleich gab Platin (TVC: PLATINUM) von 1.964,48 USD auf 1.914,80 USD und damit um 2,5 % nach, während Palladium (TVC:PALLADIUM) von 1.414.94 USD auf 1.346,61 USD fiel und die Handelswoche mit einem Verlust von 4,8 % schloss.
Die beiden Edelmetalle Platin und Palladium scheinen derzeit deutlich im Schatten ihrer größeren Geschwister Gold und Silber zu stehen. Es lohnt sich deshalb ein Blick auf die langfristige und relative Entwicklung, die ein deutlich zuversichtlicheres Bild ergibt als die aktuelle kurzfristige Schwächephase.
Platin-Story besteht aus mindestens 2 größeren Episoden. Abgesehen von den wenigen Ländern wie das russische Zarenreich - Russland prägte zwischen 1828 und 1846 den Platinrubel - oder das britische Empire, in denen Platin eine monetäre Geschichte hat, besteht die Asset-Story zunächst aus einer längeren Phase der Verwendung als Schmuckmetall. Bereits im Alten Ägypten rund 3000 vor Chr. wurde es für die Schmuckherstellung verwendet. Die neueste Entwicklung in China fügt sich deshalb nahtlos in die früheste Phase der Verwendung von Platin ein. Als Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals reines Platin in größeren Umfang für die Schmuckherstellung produziert werden konnte, begann sich die Verwendungsbreite rasch zu vergrößern.
Heute wird Platin aufgrund seiner chemischen Eigenschaften für eine Vielzahl von technischen Anwendungen gebraucht, etwa Glasschmelze oder als Katalysator in der Autoproduktion. Damit hebt es sich auch von Palladium ab.
Platin versus Gold
Aufgrund seiner Geschichte als Schmuckmetall wird es als relatives Substitut zur Verwendung von Gold als Schmuckmetall betrachtet. Ein Preisvergleich mit Gold zeigt, dass sich die relative Attraktivität von Platin gegenüber Gold durch dessen starken Anstieg in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Dies impliziert, dass Platin durch eine breitere Verwendung in Zukunft zusätzlichen Auftrieb bekommen könnte. Dazu zählen eine verstärkte Prägung von Platinmünzen, aber auch andere Investmentformen, welche gerade China und Indien hohe Akzeptanz finden können. Der aktuelle Trend, viele Rohstoffe zu tokenisieren, verleiht diesem Trend dabei Rückenwind.
Platins Sprung aus dem langfristigen Abwärtstrend
Abgesehen von seiner relativen Entwicklung im Vergleich zum ,,Schmuck-Konkurrenten‘‘ Gold lohnt sich aber auch ein genauerer Blick auf die langfristige Entwicklung des Platinpreises. Chart 2 zeigt diese in den letzten 20 Jahren.
Es zeigt, dass Platin nach seinem Hoch kurz vor der Finanzkrise 2007/2008 im März 2008 bei 2.302 USD mehr als 17 Jahre brauchte, um diese Marke wieder zu überschreiten. Dazwischen lag ein ausgemachter ,,Bärenmarkt‘‘.
Jedoch kündigte sich die Trendwende des Jahres 2025 bereits Anfang 2022 an, als Platin eine bedeutende langfristige Abwärtstrendlinie überwand und danach lehrbuchmäßig von oben wieder auf diese aufsetze, diese aber nicht mehr unterschritt (siehe linker lila Kreis). Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass zwischen dem Bruch der Abwärtstrendlinie und dem Test derselben eine massive Redistributionsphase lag, was die Umsätze verdeutlichen.
Der Startschuß für das Überwinden der höheren Abwärtstrendlinie kam schließlich im Mai 2025. In dxer Folge verdreifachte sich der Platinpreis von Mai 2025 bis Januar 2026. Mit dem neuen Allzeithoch von 2.882,37 USD vom 26.01.2026 hat Platin nun auch ein massives langfristiges Kaufsignal gegeben. Im Anschluß und im Gegensatz zu Gold und Silber konnte sich Platin jedoch nicht über der alten Höchstmarke von 2.302 USD halten und bleibt deshalb bislang eine signifikante Bestätigung für diesen Ausbruch schuldig.
Gleichwohl konnte sich der Platinpreis auf Monatsschlusskurs-Basis über seiner statischen Unterstützung, dem Zwischenhoch vom Mai 2011 bei 1.875 USD halten, wobei diese Marke der Eröffnungskurs des Monatscandles ist. Insofern kommt dem Monatsschlusskurs von Mai 2026 eine erhöhe analystische Bedeutung zu, da dieser ein erhöhtes Risiko nach unten oder eben bestätigt, dass es sich bei dem Kursrückgang seit Januar 2026 um eine gesunde Kurskorrektur in einem neuen Aufwärtstrend handelt.
Ein Blick auf die Entwicklung auf Tagesbasis zeigt in Chart 3, dass die seit dem 26.01.2026 laufende Bodenbildung weit fortgeschritten ist, wobei der ,,Sell-off‘‘ vom 23.03.2026 das Korrekturtief zu markieren scheint, welches von den höchsten Umsätzen der bisherigen Korrekturbewegung gekennzeichnet ist (linker lila Kreis und gelbes Rechteck). Sollte Platin auch noch oberhalb des Zwischentiefs vom 06.02.2026, welches die linke Schulter einer möglichen umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation darstellen könnte, bleiben, stehen die Chancen gut, dass Platin in den kommenden Wochen seine Bodenbildung abschließt und einen Angriff auf das Allzeithoch vom Januar 2026 startet!
Platin und Palladium im Vergleich
Und schließlich ist auch ein Blick auf die relative Entwicklung mit seinem ,,technischen Verwendungs-Konkurrenten‘‘ Palladium, wie in Chart 4 abgebildet, interessant.
Die Entwicklung seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 zeigt, dass sich das ,,Performance-Gap‘‘ zwischen Platin und Palladium seither weiter vergrößert hat. Dafür gibt es zwar plausible Gründe, jedoch hat sich damit auch der relative Substitutionsdruck auf Palladium zugunsten von Platin verstärkt. Dies technisch und ökonomisch umzusetzen ist eine andere Frage. Es zeigt jedoch, dass Platin auch in diesem Punkt attraktiver geworden ist.
Palladium zwischen Baum und Borke
Auch wenn die Kursentwicklung bei Palladium in der angelaufenen Handelswoche für Long-Investoren eher ernüchternd war, so lohnt sich auch hier und gerade deshalb ein Blick auf die langfristige Entwicklung, die Chart 5 zeigt.
Interessant ist dabei vor allem neben den enormen Schwankungen die Tatsache, dass die Zyklustiefs (3 lila Kreise) praktisch exakt eine Aufwärtstrendlinie bilden. Dies bedeute insbesondere, dass Palladium im August 2024 seinen seit Dezember 2008 laufenden Aufwärtstrend bestätigt hat. Dies wiederum hat Einfluß auf die Interpretation der scharfen Korrektur seit Januar 2026 und der Bewertung, ob Palladium die massiven Widerstandszone unterhalb von 2.200 USD nach oben durchbrechen kann.
Kurzfristig hängt der Chart, wie Chart 6 verdeutlicht, allerdings erst einmal weiter in den Seilen.
Denn auch wenn ein Doppelboden als Korrekturmuster naheliegt, so bleibt es dabei, dass Palladium seine statische Unterstützung vom 21.11.2025 bei 1.337,49 USD mehrfach unterschritten hat. Dies schwächt den vermuteten Dopelboden und läßt offen, ob es bei neuen Marktturbulenzen nicht doch noch eine Kursetage tiefer geht. Dann wäre der vermutete 1. Teilboden vom 23.03.2026 eher die linke Schulter einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation, der 2. Teilboden, der sich jetz gerade zu bilden scheint, wäre dann der umgekehrte Kopf. Schließlich bliebe noch die rechte Schulter offen, wobei dieses Konsolidierungsmuster implizieren würde, dass sich die Konsolidierung noch einige Wochen länger hinzieht. Jedoch: Sollten Gold, Silber und Platin ihre Konsolidierungsformationen abschließen und nach oben ausbrechen, so ist bei Palladium eher ein Fehlsignal nach unten wahrscheinlich als eine sinkende Korelation mit seinen Geschwister-Metallen!
Palladium & die China-Karte
Denn was sich sowohl für Platin als auch Palladium als neuer Einflußfaktor erweisen könnte ist die Entwicklung in China.
Denn die neuesten Entwicklungen an der Guangzhou Futures Exchange zeigen, dass China durch eine deutliche Steigerung der Importe insbesondere von Palladium zu einem ,,Disruptor‘‘ am globalen Markt werden könnte. Der Effekt ähnelt dabei eher einem separaten Magneten, der sich durch Prämien-Arbitrage zu einem ,,Staubsauger‘‘ für Rohstoffe mit niedriger Fördermenge, hohen Handelshemmnissen und hohem strategischen Wert auszeichnet. Warum strategisch? Palladium gilt als strategisch wichtiges Metall, da es beispielsweise in der Militär- und Luftfahrttechnik sowie in der Elektronik zum Einsatz kommt. Je mehr die geopolitischen Spannungen weltweit zunehmen, umso höher ist gleichzeitig der strategische Wert von Palladium.
Was bedeutet das: Chinas Palladiumimporte beliefen sich im April 2026 auf 8,6 Tonnen, was etwa dem Dreifachen des saisonalen Durchschnitts entspricht. Ursache dieses starken Anstieges war in erster Linie die finanzielle Arbitrage und weniger ein Wachstum der industriellen Nachfrage.
Die Prämie der Guangzhou Futures Exchange (GFEX) gegenüber internationalen Referenzwerten wie der COMEX und an der LME schuf einen strukturellen Anreiz für die physische Lieferung, wodurch sich bis Ende Mai 2026 etwa 2,8 Tonnen in den mit der GFEX verbundenen Lagern angesammelt hatten. Das open Interest in GFEX-Palladiumkontrakten legten parallel um 33 % zu, was auf eine rasche Kapitalakkumulation in einer relativ jungen Marktinfrastruktur hindeutet. Und dies bei einer Importabhängigkeit Chinas bei Platinmetallen von rund 71 %.
Der Kontext dieser Entwicklung ist eine sinkende industrielle Palladiumnachfrage im laufenden Jahr, da die Produktion von Automobilen mit Verbrennungsmotor 2026 um rund 9 % fallen dürfte.
Damit wird die Investmentnachfrage Chinas zu einem separaten Einfluss Faktor auf dem globalen Palladiummarkt.
Diese Entwicklung ähnelt dem strukturbildenden Einfluss, den Chinas Ölnachfrage auf die Angebots- und Preisstruktur des weltweiten Ölmarktes ausübt. Sie geht über den Wert einer einzelnen Monatszahl von Palladiumimporten hinaus und verdeutlicht, dass der Anstieg der chinesischen Palladiumimporte aufgrund der Dynamik der Terminprämien in Guangzhou integraler Bestandteil eines Wandels Chinas vom passiven Preisnehmer zu einem aktiven Preisgestalter auf dem globalen PGM-Markt ist. Dies dürfte zu einer Verschiebung mit dauerhaften strukturellen Auswirkungen auf die Lieferwege, die Preisbildung und den geografischen Schwerpunkt für physisches Palladium führen. Dazu gehört auch eine höhere Liquidität.
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24.05.2026 - Arndt Kümpel

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