Marktbericht Silber – Silber macht Hoffnung und sendet neue Chartsignale
Die Handelswoche in Silber vom 08.06. – 12.06.2026
Nachdem Silber in der vorangegangenen Handelswoche mit einem Wochenverlust von 10 % richtig Federn lassen musste, zeigte es sich in dieser Woche wieder von seiner technisch starken Seite. Gerade gegenüber Gold zeigte das Gold des kleinen Mannes eine erfrischende relative Stärke und macht damit neue Hoffnung auf ein ,,Happy End‘‘ bei der laufenden Konsolidierung der enormen Kursgewinne seit Herbst letzten Jahres!
Es kommt ja nicht so oft vor, dass das Gold des kleinen Mannes das Gold des großen Mannes nicht nur von seiner Marktdynamik, sondern auch von seiner Marktstruktur her outperformed. Die abgelaufenen Handelswoche gehört aber zu diesen Phasen, weshalb für Long-Investoren ein charttechnischer Blick auf das weiße Gold mehr Grund zur Freude bietet als sonst.
Per Saldo bewegte sich Silber (TVC:SILVER) auf den ersten Blick kaum. Im Wochenverlauf legte der Silberpreis nur minimal von 67,75 USD auf 68,04 USD Und damit um schmale 0,4 % zu. DER technische Charm muss also eine andere Quelle haben.
In dem politischen Kontext, den wir bereits im Wochenbericht zu Gold skizzierten, überraschte der kleine Bruder des Goldes vor allem dadurch, dass es die Robustheit seiner technischen Unterstützungen bestätigte.
Ein Blick auf den Tagescandlestick-Chart von Silber zeigt in Chart 1 warum.
Wie der Leser der Wochenberichte der Vorwochen weiß, vermuten wir als Muster der seit Ende Januar 2026 laufenden Konsolidierung eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation (S-K-S). Diese Muster-Vermutung kann auch nach der abgelaufenen Handelswoche aufrechterhalten werden. Sie ist in Chart 1 mit orangenen umgekehrten Untertassen markiert. Die Symmetrie dieses Bodenbildungsmusters ist insofern schwächer geworden, als dass sich die Ausbildung der rechten Schulter schon länger hinzieht als es idealtypisch der Fall wäre. Qualitativ hat sich an der Interpretation nichts geändert.
Denn neben den reinen absoluten Kursen bestätigen auch die Umsätze in dieser Woche die Kursentwicklung. Sowohl der schwache Wochenauftakt wie auch die Schubumkehr am Donnerstag und Freitag waren von deutlich höheren Umsätzen begleitet. Als Zwischenfazit bleibt aus Sicht des vermuteten Musters der Bodenbildung, dass es sich, eben anders als aktuell bei Gold, bestätigt hat. Dies bedeutet in der Konsequenz auch, dass die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung des extrem starken Aufwärtstrends seit Herbst letzten Jahres, nun weiter gestiegen ist. Dies ist insbesondere für jene Investoren relevant, die als mittel- und langfristige Investoren kurzfristigen Kursschwankungen nicht mit Absicherungsstrategien begegnen wollen.
Gleichwohl gehört zum Gesamtbild bei Silber auch, dass der seit Ende Oktober 2025 laufende mittelfristige Aufwärtstrend in dieser Handelswoche unterschritten wurde. Hier kollidieren nun ganz offensichtlich dynamische Signale mit denen aus der Musterbildung. Allerdings ist eine qualitative Symmetrie, also hier eine ähnlich tief liegende rechte Schulter im Vergleich zur linken Schulter mit einem Unterschreiten von Aufwärtstrend-Linien verbunden. Wer also mustertechnisch A sagt, mit aus dynamischer Sicht eben auch B sagen!
Der Hammer und der lange hängende Docht
Ein Blick auf den Wochencandlestick-Chart von Silber verstärkt diese Vermutung weiter.
Denn zunächst muss festgehalten werden, dass die kumulierten Umsätze in dieser Woche fast so hoch waren wie im Sell-off Ende März 2026, als sich der Kopf der umgekehrten S-K-S-Formation bildete. Dies ist eine technisch bedeutende Bestätigung des Kurssignals und zeigt, dass die Marktteilnehmer gute Gründe haben, Silber zu akkumulieren.
Technisch findet diese Ansicht seine Entsprechung in einem technischen ,,Hammer mit langem hängenden Docht‘‘.
Ein Hammer bildet sich dabei, wenn der Schlusskurs in einem Betrachtungszeitraum höher ist als der Eröffnungskurs. Er ist ein bedeutendes bullisches Umkehrsignal in der Chartanalyse. Er tritt nach einer Kursabwärtsbewegung auf und signalisiert, dass Verkäufer erschöpft sind und Käufer die Oberhand gewinnen. Der Docht unterhalb des Hammers sollte mindestens doppelt so lang sein wie der Kerzenkörper, was in dieser Woche sehr deutlich wird. Bei der Unterscheidung des Hammers im Gegensatz zum ähnlichen ,,Hanging Man‘‘, welcher ,,bearish‘‘ ist, dienen gerade die bereits erwähnten Umsätze.
Und deshalb ist der Long-Investor bei einem Blick auf den Wochencandle-Chart von Silber erfreut. Denn die linke Schulter liegt nun zwar tiefer als die rechte, aber immer noch über dem Tief des Kopfes, welches am 23.03.2026 bei 61 USD markiert wurde.
Der Optimismus-Turbo bei Silber ist nun aber, dass selbst ein weiterer Rückgang unter die Marke von 61 USD noch charttechnisch positiv interpretiert werden kann. Denn wie wir bereits mehrfach darlegten, brach Silber im März 2020 im Zuge des Corona-Lockdowns massiv ein, aber nur, um in der Folge in einer ,,Peitschenbewegung‘‘ (Slingshot-Move) nach oben auszubrechen. Aus dieser Perspektive hat Silber mit dem Absturz sozusagen Schwung für den Ausbruch nach oben geholt.
Aktuell bedeutet dies, dass ein kurzfristiger Rückgang unter 61 USD auf Basis früherer Konsolidierungsmuster nicht zwingend als mittelfristige Trendumkehr und damit als Verkaufssignal für langfristige Investoren zu bewerten ist!
Dies ist insbesondere für die Beantwortung der zentralen Frage relevant, ob es sich bei dem Ausbruch aus der 45 Jahre langen Handelsspanne oberhalb von rund 50 USD um ein Fehlsignal handelt oder nicht.
Und wie wir hier bereits mehrfach dargestellt haben, weisen die extrem starken Umsätze bei diesem Ausbruch im Herbst 2025 klar darauf hin, dass es sich dabei NICHT um ein Fehlsignal handelt.
Damit wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus jeder Abwärtsbewegung wie auch der aktuell laufenden eine Korrektur im Aufwärtstrend!
Wie könnte es in der kommenden Woche weitergehen?
Silber hat in der abgelaufenen Handelswoche ganz klar technische Stärke aufgebaut. Das Unterschreiten der mittelfristigen Abwärtstrend-Linie ist dabei hinzunehmen und nicht überzubewerten.
Sollte es zwischen den USA und dem Iran zu einer unterschriebenen Einigung kommen, die Bestand hat und nicht torpediert wird, dürfte Silber davon profitieren.
Kurzfristig zeigte sich in dieser Woche wieder eine erhöhte negative Korrelation von Silber zum US-Dollar. Wie wir aber bereits gezeigt haben, ist diese Korrelation bereits mittelfristig nicht mehr stabil und sollte deshalb auch in der Argumentation zugunsten oder zulasten von Silber nicht als zentrales Argument genutzt werden.
Es wird jedoch in der kommenden Woche interessant sein zu beobachten, wie sich die relative Stärke von Silber gegenüber Gold entwickelt. Das Silber diese relative Stärke zeigt könne auch ankündigen, dass Gold ebenfalls seinem Korrekturboden nahe ist.
Für Silber selber geht es in den kommenden Tagen darum, die Robustheit seines Korrekturmusters zu bestätigen. Die Chancen dafür stehen gut. Die Wildcard eines ,,Slingshot-Moves‘‘ ist dabei nur das Salz in einer ansonsten schon gut schmeckenden Long-Suppe!
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13.06.2026 - Arndt Kümpel

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