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Arbeitsmarktdaten geben Gold und Silber Luft

Nach dem schwachen ADP-Bericht drehen die Edelmetalle nach oben – doch die Erholung bleibt an Renditen, Fed-Erwartungen und dünner Vorfeiertagsliquidität gebunden

NTG24 - Arbeitsmarktdaten geben Gold und Silber Luft

 

Der Monatsauftakt brachte keine stille Gegenbewegung, sondern eine spürbare Neubewertung der jüngsten Zinserwartungen. Schwächere US-Arbeitsmarktdaten trafen auf vorsichtigere Töne aus der Federal Reserve und lösten genau dort Nachfrage aus, wo die Märkte zum Quartalsende noch stark unter Druck gestanden hatten. Gold erhielt den größeren Makroimpuls, Silber reagierte zusätzlich auf Positionsaufbau im Terminmarkt.

Der erste Auslöser kam nicht aus dem Nahen Osten und auch nicht aus dem physischen Markt. Entscheidend war der Hinweis, dass der US-Arbeitsmarkt an Tempo verliert: Der ADP National Employment Report meldete für Juni nur 98.000 neue Stellen im privaten Sektor, während die Löhne im Jahresvergleich um 4,4 Prozent zulegten. Für Gold (TVC:GOLD) war das eine willkommene Entlastung, weil ein weicherer Beschäftigungsaufbau den jüngsten Renditedruck zumindest vorübergehend dämpfte.

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Werbebanner EMH PM Trade Die Bewegung war bis in den New Yorker Vormittag deutlich. Reuters nannte den Spotpreis um 09:55 Uhr New Yorker Zeit bei 4.089,49 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 2,1 Prozent. Der August-Gold-Future lag zur selben Marktphase bei 4.103,10 US-Dollar und gewann 1,6 Prozent. Die Differenz zwischen Spot und Future bleibt dabei wichtig: Der Spotpreis beschreibt den unmittelbaren Kassamarkt, der COMEX-Future den standardisierten Terminhandel mit eigener Laufzeit, eigener Liquidität und eigener Vortagesreferenz.

 

Die Erholung beginnt im Zinskanal, nicht im Sicherheitsargument

 

Der Tagesimpuls war deshalb klar anders gelagert als viele Bewegungen der vergangenen Wochen. Zwar laufen die Gespräche zwischen den USA und Iran über die Schifffahrt durch die Straße von Hormus weiter, doch der stärkere Preissprung entstand nicht aus einer neuen Fluchtbewegung. Er entstand aus der Annahme, dass die Federal Reserve nach schwächeren Daten weniger aggressiv nachlegen könnte. Reuters berichtete zugleich, Fed-Chef Kevin Warsh habe auf nachlassende Inflationserwartungen und geringere Inflationsrisiken verwiesen, ohne die Bindung der Fed an das Zwei-Prozent-Ziel aufzugeben.

Gerade diese Zweiteilung erklärt, warum die Erholung kräftig, aber nicht bedenkenlos ausfiel. Der Markt bekam einen weicheren Arbeitsmarkt und niedrigere Renditefantasie, aber keine geldpolitische Entwarnung. Laut Reuters lag die vom Markt abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September weiterhin bei rund 67 Prozent. Gold profitierte also von einer Korrektur überzogener Straffungsangst, nicht von einer Rückkehr zu einer Zinssenkungserzählung.

Für die kurzfristige Einordnung zählt daher weniger die absolute Höhe des Tagesgewinns als die Stelle, an der er stattfand. Am Vortag war Gold noch auf das niedrigste Niveau seit November gefallen und hatte das Quartal schwach beendet. Der Sprung über 4.080 US-Dollar verbessert das Bild, löscht den technischen Schaden aber nicht vollständig. Erst wenn Anschlusskäufe oberhalb des Bereichs um 4.100 US-Dollar sichtbar bleiben, würde aus der Erleichterungsbewegung mehr als eine Reaktion auf einen einzelnen Datensatz.

 

Silber läuft schneller, bleibt aber anfälliger

 

Silber (TVC:SILVER) nutzte denselben Makroimpuls, bewegte sich aber wie üblich mit höherem Hebel. Reuters bezifferte den Spotpreis am New Yorker Vormittag auf 60,24 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 2,8 Prozent. Die CME Group zeigte für den September-Silber-Future im laufenden Handel ebenfalls festere Kurse, wobei die dortigen Angaben zeitverzögert und kontraktbezogen zu lesen sind. Auch hier gilt: Spotpreis, laufender Future und späteres Settlement sind keine austauschbaren Größen.

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Der Silbermarkt reagierte nicht nur auf fallende Renditeerwartungen. Nach dem scharfen Rückgang im Juni trafen viele kurzfristige Positionen auf einen Markt, der oberhalb von 60 US-Dollar wieder eine psychologische Schwelle testet. Das verstärkt Bewegungen in beide Richtungen. Wer Silber als Industriemetall betrachtet, sieht weiterhin Gegenwind aus Teilen der Nachfrage. Wer es als monetäres Metall handelt, schaut heute stärker auf Dollar, Renditen und Fed-Signale. Am Mittwoch setzte sich die zweite Lesart durch.

 

 

 

Der langfristige Unterbau bleibt uneinheitlich. Das Silver Institute erwartet für 2026 zwar ein sechstes jährliches Marktdefizit in Folge und eine robuste Investmentnachfrage. Gleichzeitig soll die industrielle Verarbeitung auf rund 650 Millionen Unzen zurückgehen, vor allem wegen Einsparungen und Substitution in der Photovoltaik. Silber bekommt damit Unterstützung aus Knappheit und Investmentnachfrage, während ein Teil der industriellen Wachstumsstory an Zugkraft verliert.

 

Vor dem US-Feiertag zählt die Bestätigung mehr als der Tagesgewinn

 

Die Nähe zum US-Feiertag erhöht die Bedeutung der nächsten Daten. Am Donnerstag folgt der offizielle US-Arbeitsmarktbericht, der die ADP-Vorgabe bestätigen oder relativieren kann. Fällt er stärker aus, könnten Renditen und Dollar rasch wieder gegen die Edelmetalle arbeiten. Fällt er schwächer aus, bekäme die heutige Bewegung ein zweites Fundament. Genau diese Asymmetrie macht den Abendhandel empfindlich: Viele Akteure müssen entscheiden, ob sie die Erholung vor einem potenziell marktbewegenden Bericht und einem verkürzten Feiertagsumfeld mittragen.

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Gold wirkt an diesem Mittwoch stabiler, weil der Impuls direkt aus dem Zinskanal kommt und der Markt nach dem schwachen Quartal technisch überverkauft war. Silber zeigt den größeren prozentualen Schwung, trägt aber mehr zyklische Unsicherheit und mehr Terminmarkthebel. Beide Metalle haben sich damit Luft verschafft. Bewiesen ist aber noch nicht, dass die Juni-Schwäche abgeschlossen ist.

Stand: Mittwochabend, 01.07.2026, europäische Abendphase. Die genannten Spotpreise beziehen sich auf die von Reuters berichtete New-Yorker Vormittagsphase; CME-Futures sind kontraktbezogene Terminmarktdaten. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

 

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01.07.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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