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Gold behält seine Krisenprämie – obwohl Öl fällt

Der Streit zwischen Washington und Teheran um die Straße von Hormus bleibt ungelöst, doch sinkende Energiepreise verändern die Wirkung des Konflikts auf den Goldmarkt

NTG24 - Gold behält seine Krisenprämie – obwohl Öl fällt

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Die politische Spannung verschwindet nicht, aber ihre ökonomische Übersetzung verändert sich. Washington und Teheran kommen bei der Wiederöffnung der Straße von Hormus nicht voran, während Störungen im Schiffsverkehr fortbestehen. Gleichzeitig geben die Ölpreise deutlich nach. Für Gold entsteht daraus eine seltene Konstellation: Das geopolitische Sicherheitsmotiv bleibt erhalten, ohne dass der Konflikt am Donnerstag erneut einen kräftigen Inflations- und Zinsschock auslöst.

Genau diese Trennung prägt den Handel mit Gold (TVC:GOLD). Die ungelöste Auseinandersetzung zwischen den USA und Iran verhindert, dass Anleger das politische Risiko vollständig auspreisen. Anders als während früherer Eskalationsphasen im Sommer führt dieses Risiko derzeit jedoch nicht automatisch zu steigenden Ölpreisen. Nach Angaben von Reuters warfen sich Washington und Teheran am Donnerstag gegenseitig vor, Verpflichtungen im Zusammenhang mit einer Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus nicht erfüllt zu haben.

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Der Konflikt bleibt – sein Inflationskanal wird schwächer

 

Für den Goldmarkt ist diese Unterscheidung entscheidend. Während geopolitische Unsicherheit grundsätzlich die Nachfrage nach liquiden Reserve- und Absicherungsanlagen fördern kann, hatte der Iran-Konflikt in den vergangenen Monaten mehrfach eine zweite, für Gold ungünstige Wirkung: Höhere Energiepreise verstärkten Inflationssorgen und erhöhten damit die Wahrscheinlichkeit einer strafferen US-Geldpolitik. Ein Krieg kann Gold deshalb gleichzeitig stützen und belasten.

Am Donnerstag verlor dieser zweite Mechanismus zunächst an Kraft. Brent-Rohöl fiel im US-Handel zeitweise um mehr als zwei Prozent, obwohl die Verhandlungen mit Iran festgefahren blieben. Neben höheren amerikanischen Lagerbeständen belasteten schwächere Erwartungen für die weltweite Ölnachfrage. Damit blieb die geopolitische Unsicherheit bestehen, während der unmittelbar daraus abgeleitete Inflationsdruck zumindest kurzfristig nachließ.

Unterstützt wurde diese Verschiebung durch die US-Konjunkturdaten. Der US-Produzentenpreisindex blieb im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert. Die Preise für Waren sanken um 0,7 Prozent, während Dienstleistungen um 0,2 Prozent teurer wurden. Auf Jahressicht lag die Produzentenpreisinflation bei 4,7 Prozent nach 5,5 Prozent im Juni. Die Daten beseitigen das Inflationsproblem nicht, lieferten dem Markt aber keinen neuen Grund, eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung stärker einzupreisen.

Das zeigte sich auch an Dollar und Anleihemarkt. Der Dollarindex gab am Donnerstag leicht nach, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im Tagesverlauf zurückging. Reuters bezifferte die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September nach den Produzentenpreisdaten nur noch auf rund ein Drittel. Für Gold war damit ausgerechnet jener Gegenwind schwächer, den der ungelöste Golfkonflikt über Energiepreise und Zinserwartungen zuvor immer wieder erzeugt hatte.

 

 

 

Unter 4.500 US-Dollar wird geopolitische Absicherung nicht blind gekauft

 

Die Preisreaktion macht zugleich deutlich, dass ein ungelöster Konflikt allein derzeit nicht genügt, um jeden Rücksetzer zu verhindern. Gegen 15:26 Uhr MESZ notierte der Spotpreis laut aktueller Goldmarkt-Berichterstattung bei 4.386,69 US-Dollar je Feinunze und damit 0,5 Prozent unter dem Vortagesniveau. Zuvor war er bis auf 4.363,44 US-Dollar gefallen. Die dort separat ausgewiesenen US-Goldfutures lagen zu diesem Zeitpunkt bei 4.444,00 US-Dollar. Da die Meldung den betreffenden Kontraktmonat nicht ausdrücklich nennt, werden diese Future-Daten hier nicht als Preis des Dezember-Kontrakts oder als Settlement interpretiert.

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Der Rückgang folgt auf eine kräftige Aufwärtsbewegung seit Monatsbeginn. Noch am Mittwoch hatte Gold den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten erreicht. Gewinnmitnahmen unterhalb von 4.500 US-Dollar treffen deshalb auf einen Markt, in dem bereits erhebliche geopolitische und geldpolitische Absicherung eingepreist wurde. Die Marke ist entsprechend weniger als isolierter technischer Widerstand interessant, sondern als Test dafür, ob neue politische Nachrichten zusätzliche Käufer mobilisieren können oder lediglich bestehende Positionen bestätigen.

Das längerfristige Bild reicht dabei über den aktuellen Hormus-Konflikt hinaus. Reserveverwalter reagieren zunehmend auf eine Kombination aus geopolitischen Spannungen, Währungsrisiken und Zweifeln an der Stabilität klassischer Reserveanlagen. Der World Gold Council stellte in seiner diesjährigen Zentralbankumfrage fest, dass geopolitische Risiken und die Diversifikation von Währungsreserven zu den wichtigen Motiven für höhere Goldbestände gehören. 89 Prozent der befragten Reserveverwalter erwarten steigende weltweite Zentralbankbestände innerhalb der kommenden zwölf Monate.

Diese Nachfrage wirkt anders als die kurzfristige Flucht in Gold nach einem militärischen Zwischenfall. Zentralbanken müssen nicht darauf setzen, dass sich die Lage in der Straße von Hormus morgen verschärft. Für sie reicht bereits die Erkenntnis, dass Handelswege, Sanktionen, Reservewährungen und politische Bündnisse über Jahre weniger berechenbar geworden sind. Darin liegt eine wesentlich langsamere, aber strukturellere geopolitische Komponente des Goldmarktes.

 

Hormus bleibt relevant, aber nicht mehr über nur einen Preis

 

Der Donnerstag zeigt damit, warum geopolitische Goldanalysen derzeit nicht bei der Frage enden dürfen, ob der Konflikt eskaliert oder sich entspannt. Bleibt die Straße von Hormus eingeschränkt und steigen die Energiepreise erneut kräftig, könnte die daraus folgende Inflation Gold über höhere Renditen und neue Zinserhöhungsfantasie sogar belasten. Bleibt der politische Konflikt dagegen bestehen, während Öl durch schwächere Nachfrage oder steigende Lagerbestände fällt, gewinnt die reine Absicherungsfunktion relativ an Gewicht.

Aktuell liegt der Markt näher an der zweiten Variante. Die diplomatische Blockade zwischen Washington und Teheran ist nicht gelöst, doch Öl sendet kein neues Schocksignal. Deshalb kann Gold einen Teil seiner geopolitischen Prämie behalten, ohne am Donnerstag neue Höchststände erzwingen zu müssen. Erst ein deutlicher Wandel bei Schifffahrt, Verhandlungen oder militärischer Eskalation würde dieses Gleichgewicht erneut verschieben.

Stand: Donnerstagabend, 13.08.2026, gegen 18:15 Uhr MESZ. Die genannten Spot- und Future-Werte beziehen sich auf klar ausgewiesene frühere Zeitpunkte des laufenden Handelstages. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

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13.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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