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Gold sucht Halt zwischen Ölentlastung und Zinsdruck

Der Rückgang der Energiepreise hilft dem Edelmetall nur begrenzt, weil die Fed-Erwartungen und steigende US-Renditen den Erholungsversuch klein halten

NTG24 - Gold sucht Halt zwischen Ölentlastung und Zinsdruck

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Der erste Impuls wirkte freundlich, doch er löste die Grundspannung des Marktes nicht auf. Fortschritte in den Gesprächen zwischen Washington und Teheran drückten den Ölpreis und nahmen dem Inflationsszenario etwas Schärfe. Gleichzeitig blieb der Renditemarkt auf eine straffere Federal Reserve eingestellt. Für das Edelmetall entstand daraus keine klare Trendwende, sondern ein tastender Rebound nach der schwachen Vorwoche.

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Der Handel mit Gold (TVC:GOLD) wurde am Montag weniger von Fluchtkäufen geprägt als von der Frage, welcher Effekt stärker wiegt: fallende Energiepreise als Entlastung für Inflation und Realzinsen oder die nach wie vor hohe Wahrscheinlichkeit einer weiteren US-Zinserhöhung. Diese Spannung zeigte sich auch in den Kursanzeigen. Reuters meldete den Spotpreis um 10:00 Uhr New Yorker Zeit bei 4.199,07 US-Dollar je Feinunze und damit 0,9 Prozent fester. Der August-Gold-Future an der COMEX wurde zur gleichen Marktphase dagegen bei 4.216,30 US-Dollar genannt und lag 0,7 Prozent im Minus.

 

Ein freundlicher Ölmarkt ersetzt keine Zinssenkungsfantasie

 

Der wichtigste Unterschied zur Vorwoche lag nicht im Goldmarkt selbst, sondern im Energiesektor. Die USA genehmigten im Rahmen der laufenden Gespräche vorübergehend iranische Ölverkäufe; laut Reuters gilt die Lizenz bis zum 21. August und steht im Zusammenhang mit Zusagen zu IAEA-Inspektionen sowie freier Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Damit fiel ein Teil jener Energie- und Inflationsprämie weg, die Gold zuletzt in beide Richtungen bewegt hatte: weniger Ölrisiko senkt den Druck auf die Notenbank, nimmt dem Metall aber zugleich einen Teil der Krisennachfrage.

Genau deshalb blieb der Anstieg fragil. Die Federal Reserve hatte den Zielkorridor für die Federal Funds Rate zwar bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, die Projektionen und Marktreaktionen hielten aber die Tür für eine weitere Straffung offen. Reuters verwies am Montag auf eine am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent für eine Zinserhöhung im Dezember, nach 61 Prozent vor der Fed-Sitzung. Parallel standen US-Staatsanleihen unter Druck; im globalen Marktbericht wurden steigende Renditen und eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für eine Anhebung bereits im September genannt. Für Gold ist das eine ungünstige Kombination, weil der zinslose Charakter des Metalls wieder stärker in den Vordergrund rückt.

Die späteren Spotdaten passten zu diesem uneinheitlichen Bild. Kitco zeigte im weiteren Handel einen Geldkurs von 4.174,40 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 19,70 US-Dollar beziehungsweise 0,47 Prozent, bei einer Tagesspanne von 4.135,90 bis 4.220,40 US-Dollar. Die Abweichung zu den Reuters- und COMEX-Werten ist kein Widerspruch, sondern Folge unterschiedlicher Marktsegmente, Zeitpunkte und Referenzen. Der Spotmarkt konnte sich vom Freitagstief lösen, während der Terminmarkt die Zinserwartungen weiterhin sichtbar einpreiste.

 

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Die Erholung bleibt unter 4.220 US-Dollar anfällig

 

Technisch betrachtet ist der Montag eher Reparatur als Befreiung. Der Bereich um 4.135 US-Dollar wurde im Spotmarkt zunächst verteidigt, doch oberhalb von 4.200 US-Dollar kam keine durchgehende Anschlussnachfrage auf. Die von Kitco ausgewiesene obere Handelsspanne bei 4.220,40 US-Dollar markiert damit die erste kurzfristige Hürde. Solange der Markt dort nicht stabiler handelt, bleibt der Rücklauf eine Gegenbewegung nach dem Rückschlag und noch kein belastbarer Trendwechsel.

Für den August-Kontrakt zeigte die CME Group in der verzögerten Quotierung ebenfalls ein defensiveres Bild: Der GCQ6 wurde im europäischen Abendhandel bei 4.178,50 US-Dollar und damit 67,40 US-Dollar beziehungsweise 1,59 Prozent niedriger angezeigt. Diese Terminmarktnotierung ist nicht mit dem physischen Spotpreis gleichzusetzen. Sie zeigt aber, dass der Future-Handel die geldpolitische Seite des Tages stärker gewichtet als die kurzfristige Entlastung durch fallende Ölpreise.

 

Strategische Nachfrage stützt die Erzählung, nicht jeden Tick

 

Ein vollständiger Stimmungsbruch ist daraus dennoch nicht abzuleiten. Die längerfristige Käuferbasis bleibt intakt, nur agiert sie nicht auf jedem Intraday-Niveau. Der World Gold Council meldete vergangene Woche, dass 89 Prozent der befragten Reserveverwalter mit steigenden globalen Zentralbank-Goldbeständen in den kommenden zwölf Monaten rechnen; ein Rekordwert von 45 Prozent will die Bestände der eigenen Institution erhöhen. Das ist keine Garantie für kurzfristig höhere Preise, setzt aber eine Untergrenze unter die These, dass Gold nur noch von geopolitischer Angst lebt.

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Der Montag machte damit sichtbar, wie zweigeteilt der Markt derzeit ist. Kurzfristig bremsen Renditen, Dollarstärke und FedWatch-Wahrscheinlichkeiten jeden größeren Erholungsversuch. Mittel- bis langfristig bleibt Gold in den Reservestrategien vieler Notenbanken verankert. Zwischen beiden Ebenen liegt der aktuelle Preis: zu teuer, um nach einer Fed-Straffungswelle leicht nach oben durchzulaufen, aber zu strategisch nachgefragt, um nach einem Ölpreisrückgang automatisch in eine Kapitulation zu fallen.

Stand: Montagabend, 22.06.2026, europäische Abendphase. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

 

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22.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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