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Gold verliert zwei Stützen zugleich

Die Fed verteuert das Halten des Edelmetalls, während die Einigung zwischen den USA und Iran einen Teil der unmittelbaren Sicherheitsprämie aus dem Markt nimmt

NTG24 - Gold verliert zwei Stützen zugleich

 

Zwei Argumente, die Gold zuletzt abwechselnd getragen hatten, wurden am Donnerstag gleichzeitig schwächer. Der neue geldpolitische Ton aus Washington machte eine weitere Zinserhöhung wahrscheinlicher. Parallel ließ die vorläufige Einigung zwischen den USA und Iran den Ölpreis einbrechen und nahm der akuten Krisenabsicherung einen Teil ihrer Dringlichkeit.

Damit geriet Gold (TVC:GOLD) in eine ungewöhnlich enge Klammer: Der sichere Hafen wurde weniger dringend gebraucht, während der zinslose Vermögenswert gegenüber Dollar und Anleihen an Attraktivität verlor.

 

 

 

Der Markt verliert gleichzeitig Angst und Zinshoffnung

 

Die Kombination ist für Gold unangenehmer als ein einzelner Belastungsfaktor. Die Federal Reserve beließ den Zielkorridor für den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent und bezeichnete die Inflation weiterhin als erhöht. Reuters berichtete zusätzlich, dass neun von 19 Entscheidungsträgern noch 2026 eine weitere Anhebung für erforderlich halten. Gleichzeitig veröffentlichen Washington und Teheran den Text einer vorläufigen Vereinbarung, während Brent auf den niedrigsten Stand seit Anfang März fiel. Die Entlastung beim Öl dämpft zwar Inflationsrisiken, nimmt Gold aber auch einen Teil der unmittelbaren Kriegs- und Fluchtprämie. Was dem Edelmetall auf der einen Seite helfen könnte, schwächt es auf der anderen.

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Werbebanner GoldDer stärkere Dollar verschärfte diese Klammer. Nach der Fed-Entscheidung stieg der Dollarindex laut Reuters auf ein Jahreshoch. Zugleich erhöhte sich die am Terminmarkt abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember von 61 auf 85 Prozent. Für Goldkäufer außerhalb des Dollarraums wurde das Metall damit teurer, während US-Anleihen relativ attraktiver erschienen.

Das Kursbild war während des europäischen Abends nicht einheitlich, die Richtung dagegen schon. Reuters nannte den Spotpreis um 10:30 Uhr New Yorker Zeit bei 4.246,55 US-Dollar je Feinunze und damit 0,3 Prozent unter dem Vortag. Die US-Futures wurden bei 4.264,30 US-Dollar mit einem deutlich größeren Abschlag von 2,7 Prozent angegeben. Später zeigte Kitco einen Geldkurs um 4.230,40 US-Dollar und eine Tagesspanne von 4.222,60 bis 4.330,90 US-Dollar.

Spotpreis, Future und jeweiliger Vergleichswert dürfen dabei nicht vermischt werden. Die stärkere Future-Bewegung ist kein Beleg dafür, dass physisches Gold im gleichen Umfang verkauft wurde. Sie zeigt vielmehr, wie kräftig die Fed-Entscheidung in der finanziellen Schicht des Marktes verarbeitet wurde. Im Spotmarkt verlief der Rückgang langsamer, hielt aber bis in die europäische Abendphase an.

 

4.200 US-Dollar werden vom Rand zur Mitte der Debatte

 

Die Tagesspanne verschiebt die technische Perspektive. Der Bereich oberhalb von 4.300 US-Dollar wurde nicht gehalten; Käufer traten erst deutlich tiefer wieder sichtbarer auf. Damit rückt die Zone um 4.200 bis 4.225 US-Dollar näher an den laufenden Handel heran. Sie ist noch kein bestätigter Boden, sondern der nächste Bereich, in dem sich zeigt, ob der Rückgang neue physische und strategische Nachfrage anzieht oder lediglich kurzfristige Gegenbewegungen produziert.

Bemerkenswert ist, dass der Abverkauf nicht von einem vollständigen Vertrauensverlust begleitet wird. Er trifft vielmehr auf einen Markt, dessen kurzfristige Preisbildung und langfristige Nachfrage in entgegengesetzte Richtungen laufen.

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Der jüngste Zentralbankbericht liefert dafür ein deutliches Beispiel. Laut World Gold Council erwarten 89 Prozent der befragten Reserveverwalter, dass die weltweiten Zentralbankbestände in den kommenden zwölf Monaten steigen. Rekordhohe 45 Prozent wollen auch die Reserven der eigenen Institution erhöhen. Diese Käufer reagieren nicht auf jede Tagesspanne und verteidigen keine einzelne Chartmarke. Ihre Motive sind Krisenfestigkeit, Diversifikation und langfristiger Werterhalt.

Genau darin liegt der Bruch zwischen Donnerstagshandel und größerer Goldgeschichte. Der Tagesmarkt bestraft die Aussicht auf höhere Zinsen und eine schwächere Sicherheitsprämie. Reserveverwalter bewerten dieselben geopolitischen und währungspolitischen Risiken über Jahre. Der Preis kann daher weiter unter Druck stehen, ohne dass die strategische Nachfrage verschwindet.

 

Kein sauberer Boden vor der Feiertagspause

 

Vor dem US-Feiertag am Freitag bleibt eine dünnere Liquidität als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Der Rückgang in Richtung 4.230 US-Dollar kann sich als überzogene Reaktion auf Fed, Dollar und Friedenssignal erweisen. Ebenso möglich ist, dass die niedrigere Liquidität eine weitere Bewegung in Richtung 4.200 US-Dollar erleichtert. Der Donnerstag hat dafür keine Entscheidung geliefert: Er hat lediglich gezeigt, dass Gold gleichzeitig ohne akute Kriegsprämie und ohne Zinssenkungshoffnung auskommen muss.

Stand: Donnerstagabend, 18.06.2026, europäische Abendphase. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs lag noch nicht vor.

 

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18.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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