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Gold verteidigt die 4.000er-Zone, aber nicht die Wochenbilanz

Ein schwächerer Dollar stützt den Preis am Freitag, doch PCE-Inflation, Fed-Risiken und die vierte Verlustwoche halten den Markt in der Defensive

NTG24 - Gold verteidigt die 4.000er-Zone, aber nicht die Wochenbilanz

 

Der Freitag brachte keine große Trendwende, aber eine wichtige Stabilisierung. Nach dem Rutsch auf den tiefsten Stand seit mehr als sieben Monaten griffen Käufer wieder zu, weil der Dollar von seinen jüngsten Hochs zurückkam und die Zinserwartungen nach den US-Inflationsdaten etwas nachgaben. Für die Wochenbilanz reichte diese Erholung jedoch nicht.

Im Handel mit Gold (TVC:GOLD) lag der entscheidende Punkt nicht in einem neuen Hoch, sondern in der Frage, ob die Marke von 4.000 US-Dollar wieder glaubwürdig zurückerobert wird. Reuters meldete den Spotpreis um 9:39 Uhr New Yorker Zeit bei 4.046,70 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,51 Prozent. Der August-Gold-Future an der COMEX wurde zur selben Marktphase bei 4.061,40 US-Dollar genannt und lag 0,35 Prozent höher. Später zeigte Kitco im 24-Stunden-Spotchart einen Geldkurs von 4.089,40 US-Dollar, einen Briefkurs von 4.091,40 US-Dollar sowie eine Tagesspanne von 3.969,70 bis 4.096,40 US-Dollar.

Diese Zahlen erzählen mehr als eine einfache Erholungsstory. Der Spotmarkt drehte zwar sichtbar über die 4.000er-Schwelle zurück. Gleichzeitig blieb die Notierung laut Reuters auf Wochensicht um 2,6 Prozent im Minus und steuerte damit auf die vierte Verlustwoche in Folge zu. Der Freitag war deshalb weniger ein Befreiungsschlag als ein Test, ob aus einer überverkauften Lage wieder tragfähige Nachfrage entsteht.

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Werbebanner Großbritannien GoldHinter der Stabilisierung stand vor allem die Entspannung bei Dollar und Renditen. Der Markt verarbeitete die am Vortag veröffentlichten US-Preisdaten nicht als vollständige Entwarnung, aber auch nicht als neuen Schock. Das US Bureau of Economic Analysis meldete für Mai einen Anstieg des PCE-Preisindex um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr; die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel lag im Jahresvergleich bei 3,4 Prozent. Damit bleibt der Inflationsdruck klar zu hoch, fiel aber nicht stärker aus als von vielen Marktteilnehmern befürchtet.

Für Gold war genau diese Nuance wichtig. Die Zinserwartungen wurden nicht neutralisiert, aber etwas weniger aggressiv gepreist. Reuters verwies auf eine von 64 auf rund 60 Prozent gesunkene am Terminmarkt abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im September. Für einen zinslosen Vermögenswert ist das keine Entlastung auf Dauer, wohl aber genug, um nach mehreren schwachen Sitzungen Eindeckungen und vorsichtige Käufe auszulösen.

 

Die Fed bleibt der eigentliche Gegenspieler

 

Die Erholung steht damit auf einem schmalen Fundament. Die Federal Reserve hatte den Zielkorridor für die Federal Funds Rate zuletzt bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen, zugleich aber betont, dass die Inflation relativ zum Zwei-Prozent-Ziel erhöht bleibt. Diese Formulierung verhindert, dass der Markt die jüngste Dollarschwäche bereits als Startsignal für eine neue Gold-Rallye behandelt.

Die Mechanik ist unverändert: Fallen Dollar und Renditen, kann Gold kurzfristig Luft holen. Bleibt die Fed aber in einer Haltung, die weitere Straffung nicht ausschließt, wird jede Erholung auf ihre Belastbarkeit geprüft. Der Freitag reduzierte den unmittelbaren Druck, beseitigte aber nicht den Grund, aus dem Gold zuvor unter die 4.000-Dollar-Marke geraten war.

 

 

 

Unter 4.100 US-Dollar bleibt die Reparatur unvollständig

 

Technisch war der Rücklauf über 4.000 US-Dollar wichtig, aber noch nicht ausreichend. Die bei Kitco ausgewiesene Spanne zeigt, dass der Markt im Tagesverlauf zunächst unter diese Marke rutschte und anschließend bis knapp unter 4.100 US-Dollar zurücklief. Damit entstand eine kräftige Intraday-Erholung, doch der Bereich oberhalb von 4.100 US-Dollar wurde zunächst nicht überzeugend zurückgewonnen.

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Für kurzfristige Händler bedeutet das eine veränderte, aber noch fragile Ausgangslage. Solange Gold oberhalb von 4.000 US-Dollar bleibt, verliert der jüngste Einbruch einen Teil seiner unmittelbaren Schärfe. Scheitert der Preis aber wieder im Bereich um 4.090 bis 4.100 US-Dollar, dürfte die Erholung eher als technische Gegenbewegung nach einem überdehnten Rückgang gelesen werden. Der Markt braucht deshalb Anschlusskäufe, nicht nur eine schwächere US-Währung.

Interessant bleibt die physische Seite. Reuters berichtete, dass Gold in Indien nach der Preiskorrektur erstmals seit rund eineinhalb Monaten wieder mit einem Aufpreis gehandelt wurde, während die Nachfrage in China gedämpft blieb. Das ist kein starkes globales Kaufsignal, aber ein Hinweis darauf, dass tiefere Preise in einzelnen Märkten wieder Nachfrage freisetzen. Gerade nach einer Phase, in der Terminmarkt, Dollar und Zinsen die Richtung bestimmten, wird diese physische Reaktion genauer beobachtet werden.

Der Freitag hat den Abwärtstrend der Woche nicht ausgelöscht. Er hat aber verhindert, dass der Bruch unter 4.000 US-Dollar sofort zu einem ungeordneten Anschlussverkauf wurde. Damit verschiebt sich der Fokus in die nächste Sitzung: Nicht die bloße Rückkehr über eine runde Marke zählt, sondern ob Gold trotz weiterhin restriktiver Fed-Signale neue Käufer oberhalb dieser Schwelle halten kann.

Stand: Freitagabend, 26.06.2026, europäische Abendphase. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

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26.06.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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