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Japans Position im Handelskrieg USA - CHINA

Fluch oder Segen für den japanischen Aktienmarkt?

 

Im Rahmen des Anfang 2018 ausgebrochenen Handelskonflikts mit China kündigte die US-Regierung am 01.08. an, nun auch noch die letzten, bisher verschont gebliebenen weiteren USA-Importe aus dem Reich der Mitte in einem Wert von rd. 300 Mrd. US-Dollar ab 01.09. mit einem Strafzoll von 10 % zu belegen. Eine tatsächliche Inkraftsetzung dieser Strafzölle würde fraglos eine neue Eskalationsstufe darstellen, die dann tatsächlich nur noch den Ausdruck "Handelskrieg" verdient.

Entsprechend stark gerieten tags darauf die weltweiten Aktienmärkte unter Druck, was z. B. bis zum XETRA-Schluss 17:45 Uhr in einer Korrektur des MSCI World (EURO) - Indexes um - 3,1 % seinen Ausdruck fand.

Der Nikkei 225- Index verlor hingegen gestern ebenfalls gemäß XETRA-Schluss-Kalkulation auf Futures-Basis in EURO gerade einmal - 1,0 %.

Sowohl die übrigen asiatischen Aktienmärkte, wie auch diejenigen des gesamten europäischen Kontinents wurden durch die japanische Börse damit am 02.08. (einmal mehr) abgehängt. Der japanische Markt wies damit also auch einen nahezu deckungsgleich moderaten Kursverlust wie die Wall Street auf!

Wie lässt sich z. B. diese relativ günstige Tagesperformance des Nikkei-Indexes am 02.08. erklären? Und wie sind in diesem Kontext des ausufernden Handelskriegs zwischen USA und China somit also die Position Japans und Perspektiven seines Aktienmarkts generell zu bewerten? Aufschluss hierüber wird die nachfolgende Analyse geben.

 

Japans Wirtschaftsverflechtungen mit USA und China

 

Ein sehr interessantes Phänomen weist bereits die weltweite Exportstruktur von Japan auf. So stellten Ende 2018 die jetzigen Handelskriegsrivalen USA und China aktuell praktisch paritätisch die weltweit wichtigsten Export-Handelspartner von Japan dar, und zwar China auf Rang 1 mit einem Waren- und Dienstleistungs-Exportwert von 144 Mrd. USD (= 19,5 % aller japanischen Exporte), gefolgt von den USA mit einem Exportwert von 141 Mrd. USD (= 19,1 % aller japanischen Exporte). Alle anderen Handelspartner Japans folgen dagegen mit weitem Abstand eines Exportanteils von ca. 3 – 7 % und bestehen auch ausschließlich aus den weiteren asiatischen Nationen Südkorea, Taiwan, Hongkong, Thailand und Singapur. Als wichtigster europäischer Handelspartner von Japan folgt danach erst Deutschland mit einem 2018er Anteil von nur 2,8 % an den japanischen Gesamtexporten.

Knapp 40 % des Gesamtexports von Japan entfallen derzeit also ausgerechnet auf die beiden aktuellen Handelskriegs-Kontrahenten USA und China, und dies auch noch aktuell zu völlig gleichen Teilen!

Die Güterhandelsstruktur zwischen japanischen Exporten in die USA sowie China unterscheidet sich dabei jedoch ein gutes Stück: Während in die USA von japanischer Seite vor allem Maschinen, Autoteile und elektronische Teile / integrierte Schaltungen exportiert werden, werden nach China vor allem ebenfalls Maschinen sowie jedoch ganze Automobile (zusätzlich Autoteile), elektrotechnische Geräte (zusätzlich Schaltkreise) und außerdem auch noch diverse Konsumprodukte ausgeführt.

Das heißt also: Japan war - trotz technisch perfekter Möglichkeit ganze Wertschöpfungsketten von Vorprodukten / Einzelteilen / Komponenten bis hin zu Endprodukten anzubieten - für die USA bis dato vor allem immer ein unverzichtbarer Zulieferer von Vorprodukten und Komponenten für technische Endprodukte aller Art. Dagegen war China bisher immer vor allem direkter Abnehmer japanischer Enderzeugnisse (und dies noch weit vor US-Exporten von Endprodukten nach China).

Eine komfortablere handelspolitische Neutralitäts-Position als die jetzige Rolle eines hoch entscheidenden "Züngleins an der Waage" innerhalb des laufenden USA-China-Handelskriegs ist für Japan als "lachender Dritter" somit aktuell kaum vorstellbar, und dies auch gerade angesichts der derzeitigen paritätischen Handelsbeziehungen zu den USA wie China.

Denn sollten die Handelsaktivitäten zwischen USA und China nun künftig tatsächlich immer mehr erlahmen, so wäre - eben in dieser technologischen Angebotsperfektion jeglicher Produktionsstufen - Japan der idealste Kandidat, zum Ausgleich derartiger Preisanhebungen und Lieferrückgänge nun künftig selbst innerhalb kürzester Produktionsfristen einzuspringen. In die USA hinein würde dies sicher vor allem den verstärkten Export elektronischer Geräte und Komponenten betreffen, nach China vor allem eine erhöhte Ausfuhr von Maschinen und Konsumgütern.

 

Ein weiteres Politikum: Die Strafzoll-Verschonung Japans

 

Über diese bereits sehr vorteilhaften Handelsverflechtungen mit den USA und China hinaus hat jedoch Japan einen weiteren Trumpf im Ärmel, der seine Wirtschaft momentan klar begünstigt: Nämlich den bisherigen Verzicht der USA auf jegliche Strafzoll-Erhebungen für japanische Produkte, ganz anders als dies für chinesische und selbst mittlerweile teilweise auch europäische Erzeugnisse (hier vor allem Maschinen und Naturprodukte) gilt.

Wie ist diese offensichtlich in Zollfragen völlig konträre Einstellung der USA zu Japan relativ zu China erklärbar?

Nun, zum einen sieht die USA das Handelsdefizit mit Japan offenbar wegen des starken, unverzichtbaren Vorprodukt-Charakters seiner Exporte als nahezu essentiell und damit als strukturell unvermeidbar für die Aufrechterhaltung der US-amerikanischen Wirtschaft an. Dies trifft auf die meisten chinesischen Produkteinfuhren in die USA eher nachgelagerter Produktionsstufen jedoch zweifelsohne nicht zu.

Zum anderen steht die tatsächlich dramatisch kontinuierliche Handelsdefizit-Ausweitung der USA mit China (Jahresrate mittlerweile 420 Mrd. US-Dollar) in krassem Gegensatz zur aktuellen Handelsdefizit-Entwicklung mit Japan (aktuelles Jahresdefizit: "nur" 68 Mrd. USD). Zudem ist dieser jährliche US-Importüberschuss mit Japan seit gut einer Dekade auch nahezu völlig konstant geblieben, und liegt z. B. aktuell selbst hinter dem US-Handelsdefizit mit Deutschland oder Mexiko zurück.

Schon alleine wegen der Handelscharakteristika der USA mit Japan versus China ist es somit sehr einleuchtend, dass die USA auf Strafzoll-Erhebungen gegen Japan bislang völlig verzichtet hat.

Jedoch gibt es darüber hinaus noch einen weiteren sehr triftigen Grund für den handelspolitischen "Schmusekurs", den die USA aktuell gegenüber Japan verfolgt, und Donald Trump auf dem G 20-Gipfel nochmals mit der Aussage bekräftigte, welch unverzichtbarer, exzellenter Handelspartner Japan für die USA sei.

Denn bereits im Januar 2017 erklärte Trump den Rückzug der USA aus dem von Präsident Obama ausgehandelten transpazifischen Freihandelsabkommen TPP , da dies die USA stark benachteilige und nicht "im Interesse des Volkes" liege. Dies veranlasste China nach dem Ausstieg der USA sofort, einen Beitritt zu TPP in Erwägung zu ziehen, da genau die vorherige Mitgliedschaft der USA in TPP für China seinerzeit der entscheidende Grund war, diesem Vertrag nicht beizutreten. Auch wenn der Beitritt Chinas zum TPP bislang formell noch nicht vollzogen wurde, so ist doch seit dem Vertrags-Ausstieg der USA Januar 2017 ein spürbares Zusammenwachsen des Asiatisch - Pazifischen Wirtschaftsraums (APEC) getragen von China, Japan und Australien feststellbar. Hingegen hat APEC- Gründungsmitglied USA selbst dort seit 2017 sicherlich an Einflussnahme klar verloren (zumal auch Russland Mitglied der APEC ist).

Beleg hierfür ist auch, dass noch Ende 2016 der japanische Exportanteil in die USA rd. 21 % betragen hatte, dagegen der nach China nur rd. 16 %. Wie oben geschildert liegen diese Exportanteile mittlerweile jedoch gleichauf bei rd. 19 %, d. h. die Exportverflechtung Japans mit China ist seit 3 Jahren in der Tat in einem Ausbau begriffen, mit der USA dagegen jedoch in einem Abbau.

Dieses offensichtliche Erstarken der asiatisch-australischen Wirtschaftsgemeinschaft stellt für die globalen Wirtschaftsperspektiven der USA ein ebenso unerwünschtes Risiko dar, wie auch die offensichtlich zunehmende Hinwendung Japans zu seinen regionalen Nachbarstaaten. Folglich ist dies mit Sicherheit ein fast noch elementarerer Grund, warum Japan von den USA aktuell handelspolitisch regelrecht mit Samthandschuhen angefasst wird und gegen jegliche Strafzoll-Erhebungen nahezu sakrosankt ist.

 

Weltwirtschaftliche Position Japans - Auswirkungen auf den Aktienmarkt

 

Zusammengefasst lässt sich also Folgendes festhalten: Japan befindet sich aktuell in einer nahezu idealen komfortablen Lage, in seiner welthandelspolitischen Ausgewogenheit von den USA wie auch asiatisch/pazifischen Handelspartnern seit Jahren gleichermaßen hofiert zu werden. Daher kann Japan seine Handelsströme momentan auch relativ flexibel jederzeit so dirigieren, wie dies sowohl den eigenen Landesinteressen wie auch denen der Handelspartner entspricht.

Die welthandelspolitischen Kräfte-Konstellationen spielen Japan und damit auch dem japanischen Aktienmarkt also aktuell voll in die Karten. Gleiches lässt sich jedoch auch hinsichtlich der für Aktienkursentwicklungen ebenso entscheidenden Wechselkurs- sowie Unternehmensgewinn-Entwicklungen sagen.

Betreffend die Wechselkurs-Entwicklung verwies unser Bericht vom 01.08. "Euroschwäche - Luftloch oder Landeanflug" bereits darauf, dass der Yen nun auch definitiv aus seinem in 2012 etablierten Abwertungstrend gegen den EURO ausgebrochen ist. Gegen den US-Dollar ist dies sogar bereits seit Anfang 2019 der Fall.

 

Chart EUR YEN

 

Die wesentliche Begründung auch für das klare Wieder-Erstarken des Yen ist sicher nicht nur dessen generelle Carry Trade-Eigenschaft (= nahezu zinslose Langfrist-Kreditaufnahmemöglichkeit), was den Yen gerade in globalen konjunkturellen Krisenzeiten, wie aktuell, zu einer weltweit sehr gefragten Verschuldungswährung macht. Sondern die Stärke einer Währung ist natürlich immer auch das direkte Spiegelbild der handelspolitischen Machtverhältnisse von Wirtschaftsnationen, und auch hier befindet sich Japan im weltweiten Vergleich bereits seit 2012 in einem zunehmend klaren Aufwärtstrend.

Auch währungsseitig gewinnt Japan somit nun schon längerfristig immer mehr an Attraktivität, so dass gerade kapitalstärkste europäische wie US-amerikanische Auslandsanleger-Adressen am japanischen Aktienmarkt schon allein von diesem Trend seit Jahren "fürstlich" profitieren.

Hinzu kommt außerdem, dass unter den rigiden Wirtschaftsreformen unter Ministerpräsident Abe sich in Japan seit dem Rezessionstief 2009 ein Unternehmensgewinn-Wachstum eingestellt hat, wie in kaum einer anderen Wirtschaftsnation der Welt, und selbst auch von den USA bei weitem nicht erreicht wurde. So haben sich die landesweiten Unternehmensgewinne in Japan, auf letzter Quartalsbasis, gegenüber dem Tief in 2009 bisher mehr als verfünffacht (dagegen z. B. selbst in den USA: nur annähernd verdoppelt)!

Alle 3 Faktoren, und zwar die welthandelspolitische Gemengelage, die Währungsentwicklung wie auch das Unternehmens-Gewinnwachstum Japans machen es somit mehr als plausibel, warum der japanische Aktienmarkt auf vergleichbarer Währungsbasis selbst die Wall Street und natürlich erst recht die europäischen Aktienmärkte nunmehr bereits seit über 5 Jahren zunehmend outperformt.

 

Nikkei 225

 

Auch wenn charttechnisch der Nikkei 225- Index (in EURO), wie oben dargestellt, im Zuge negativer handelspolitischer USA-Meldungen sowie des aktuell global nachlassenden Wirtschaftswachstums kurzfristig durchaus erneut um ca. 10 % korrigieren könnte, raten wir Anlegern aus den geschilderten Gründen in jedem Fall stark, eine solche kurzfristig mögliche Schwächeperiode nun konsequent zur Aufstockung japanischer Aktienanlagen gegen europäische oder selbst auch US-amerikanische Aktienpositionen zu nutzen.

 

Für derartige Investitionen empfehlen sich aktuell folgende Titel:

 

  • COMSTAGE NIKKEI 225 UCITS ETF (ISIN LU03784533769) ---- Passive Index-Anlage
  • SONY CORP (ISIN JP3435000009) ---- Weltführender Unterhaltungselektronik- und Spielekonsolen-Hersteller
  • FANUC CORP (ISIN JP3802400006) ---- Weltführender Hersteller von Industrierobotern
  • TAKEDA PHARMACEUTICAL (JP3463000004) ---- Internationaler Pharma-Großkonzern aller Anwendungen
  • KEYENCE CORP (JP3236200006) ---- Internationaler Marktführer für Kontroll- und Messinstrumente
  • HOYA CORP (JP3837800006) ---- Internationaler Großhersteller bild- und medizintechnischer Geräte

 

04.08.2019 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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