als .pdf Datei herunterladen

Tencent: Neue Attacken von Trump

Verkaufsempfehlung bestätigt sich

 

Die amerikanischen Attacken gegen China werden immer ausgeprägter. Nachdem die US-Administration im Frühjahr feststellen musste, dass ihr massiver Druck auf die Handelsbeziehungen nichts gebracht haben, ausser höhere Preise für die eigene Bevölkerung und umfassende Verluste aufseiten der eigenen Exportwirtschaft, insbesondere der amerikanischen Landwirtschaft, versucht das Weisse Haus nun das eigene Versagen durch aggressive Attacken gegen China über zu kompensieren. 

Wie auch im Handelskrieg ist die jüngste Strategie relevant für den Kapitalmarkt. Denn Präsident Trump zielt darauf ab, wichtige chinesische Unternehmen nicht nur aus dem amerikanischen Markt zu verbannen, sondern man sorgt seit Längerem auch mit Hochdruck dafür, dass alle Alliierten und abhängige Länder die offensive Strategie der Amerikaner übernehmen. Seit diesem Jahr wurden die Weichen gestellt, diesen attackierten Unternehmen auch die Geschäftsgrundlage im eigenen Heimatmarkt zu nehmen. 

 

Huawei war das Exempel

 

An Huawei wurde das Exempel statuiert, das nun allen anderen droht. ByteDance und Tencent wurden als nächste prominente Opfer ausgewählt. Die soziale Plattform TikTok hatte sich in jüngster Zeit zu einer ernsthaften Konkurrenz und damit Bedrohung für die amerikanischen Plattformen Facebook und Instagram entwickelt. WeChat von Tencent wird als Kommunikationskanal von amerikanischen Chinesen in die Heimat genutzt und ist in der Regel das einzige Mittel, um mit der Familie in Verbindung zu bleiben, da die App sowohl in China als auch in den USA erlaubt ist. Das Auditorium für beide Apps wird in den USA auf mehr als 100 Millionen Benutzer geschätzt. 

Wie auch im Fall Huawei legt die US-Administration keine Beweise vor. Es werden Anschuldigungen gemacht und Verbote erteilt, aber Substanz gibt es keine. Es wird vage davon gesprochen, dass die chinesischen Unternehmen die Daten von amerikanischen Bürgern sammeln würden und nach China zur Analyse weiterleiten würden. Wenn dem so ist, gäbe es den verhältnismässigen Weg, den Unternehmen dies zu verbieten und das Verbot zu überwachen. Stattdessen versucht die US-Administration, gezielt den Unternehmen die Geschäftsgrundlage zu nehmen und sie wirtschaftlich zu zerstören. Auch ist die Argumentation, dass das Sammeln von Benutzerdaten ein Problem für die US-Regierung sei, zu hinterfragen, schliesslich sind es amerikanische Unternehmen, die weltweit am meisten Daten von Benutzern sammeln und sie zu wirtschaftlichen und politischen Zwecken nutzen. Halt die Sache mit dem Glashaus und dem Stein. 

 

Anti-China Sentiment steigt

 

Hinter den Attacken steckt keine ökonomische Überzeugung oder eine echte Gefahr für die nationale Sicherheit. Bei all diesen Gründen handelt es sich nur um vorgeschobene Argumente. Für Trump ist nur Trump wichtig und die Attacken gegen China helfen ihm persönlich bei der Wiederwahl zu punkten. Denn in der amerikanischen Bevölkerung ist das Gefühl bei Demokraten und Republikanern weit verbreitet, dass die Chinesen seit Öffnung des Landes Anfang der 90er-Jahre den Amerikanern Arbeitsplätze weggenommen haben. 

Ein Gefühl, das nicht aus der Luft gegriffen ist. Es gingen definitiv viele Arbeitsplätze verloren. Das Problem ist jedoch, dass den Verlusten gleichzeitig auch Gewinne gegenüberstehen, aber nur die Verluste wahrgenommen werden. Die Gewinne haben die Konsumenten gemacht, die Verluste hat die arbeitende Bevölkerung getragen. Denn warum mussten amerikanische Unternehmen ihre Produktion nach China verlagern oder ganz die Pforten schliessen? Weil sie nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Die chinesische Konkurrenz, die manchmal einfach die alte amerikanische Konkurrenz in China ist, produziert bessere Qualität zu geringeren Preisen. Und genau das ist es, was die amerikanischen Konsumenten wollen. Ein „America first!“ wird spätestens an der Ladenkasse dezent über Bord geworfen, wenn das amerikanische Produkt schlechter und teurer als das chinesische ist. Die unterschwellige und weitverbreitete Aggression gegenüber China ist zwar verständlich, aber gleichzeitig auch irrational, weil die Amerikaner ihr Dilemma selbst geschaffen haben. 

Trump nutzt den unterschwelligen schwelenden Konflikt und entfacht ihn zu seinem Nutzen. Die Schäden, die er dabei anrichtet und hinterlässt, spielen keine Rolle. Es gibt keinen Preis, der zu hoch ist, um zu gewinnen. Denn endet die Präsidentschaft für Trump, endet auch der juristische Schutz des Amtes. 

Für die betroffenen Unternehmen ist das Ganze kein Spiel, sondern bitterer Ernst. Heute erhöhte die Trump-Administration den Druck auf ByteDance und Tencent mit der Drohung, dass die Apps ab Sonntag auf den amerikanischen Plattformen nicht mehr zum Download angeboten werden dürfen. Bei ByteDance darf man hier vermuten, dass die Drohung dazu dienen soll, einen künstlichen Zeitdruck aufzubauen, damit die chinesische Seite sich dem Diktat des Weissen Hauses unterwirft. Nicht vergessen werden darf, dass Präsident Trump mehrmals betonte, dass er vom Käufer der TikTok Plattform eine Provision erwarte. Diese Überlegung greift jedoch nicht bei WeChat. Hier gibt es keine Verhandlungen und Tencent wird auch nicht verkaufen. 

 

Attacken sind Verkaufssignale

 

Doch mit dem Inkrafttreten des Verbots enden die Attacken nicht. Trump ist dafür bekannt, dass er seine Attacken erst beendet, wenn der Attackierte komplett ruiniert ist. Vor diesem Hintergrund ist der jüngste Vorstoss der Cfius zu verstehen. Das einflussreiche und mächtige Committee on Foreign Investment in the US, das dem Finanzministerium untersteht, hat Epic Games, Riot Games und ActivisionBlizzard schriftlich aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben, wie die Kundendaten der Unternehmen davor geschützt werden, in die Hände der chinesischen Regierung zu gelangen. Was haben alle drei Unternehmen gemeinsam? Genau: 

Tencent ist jeweils ein wichtiger Ankerinvestor in diesen Videospieleunternehmen. Riot Games besitzt man mehrheitlich und bei Epic Games, dem Entwickler des Blockbusters Fortnite und der Unreal Engine, ist Tencent mit 40 % involviert. Die Beteiligung bei ActivisionBlizzard ist deutlich kleiner. Das voraussichtliche Ziel dieser Anfrage wird sein, dass man Tencent zum Verkauf der Beteiligungen zwingen will. Tencent ist in China einer der führenden Technologiekonzerne und verfügt obendrein über ein sehr grosses Investmentportfolio von mehr als 300 Beteiligungen, wovon viele in den USA sitzen oder wo die USA ein wichtiger Absatzmarkt sind. Allein die drei genannten Beteiligungen sollen einen Marktwert von 22 Mrd. US-Dollar haben. 

Trump hat hier einen Stein ins Rollen gebracht, der mit und ohne ihn weiter rollen wird. Unabhängig davon, wer der 46. US-Präsident wird, steht bereits heute fest, dass die Anti-China Stimmung eine kritische Masse in der amerikanischen Bevölkerung erreicht hat und vom ganzen politischen Spektrum getragen wird. Chinesischen Unternehmen, die geschäftlich in den USA tätig oder vom Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt abhängig sind, droht damit ein völlig neues und sehr gefährliches politisches Risiko, das sich auch in den Bewertungen der Aktien der betroffenen Unternehmen widerspiegeln wird. 

 

Verkaufsempfehlung bestätigt sich

 

Der Zürcher Finanzbrief hat dieses Jahr sehr erfolgreich in Tencent investiert. Wir hatten unseren Lesern Ende Januar zum Kauf der Aktie geraten und würden die Papiere auch heute noch halten, wenn das neue politische Risiko nicht existierten würde. Das operative Geschäft von Tencent läuft hervorragend und aus Sicht der Aktionäre stellt es einen wichtigen Baustein in jeder China-Strategie dar.

 

Tencent Holding Ltd.

 

Nach dem Präsidialerlass der Trump-Administration vom 06. August 2020 rieten wir jedoch zum Ausstieg bei Tencent, da die politischen Risiken die operativen Chancen überlagern werden. Schon damals kündigten wir an, dass die Attacken gegen Tencent nicht bei einem Verbot von WeChat in den USA enden werden, sondern mit weiteren Attacken zu rechnen ist. Die nun eingeleitete Untersuchung des Cfius entspricht exakt diesem Risiko. 

 

Testen Sie uns! Kostenlos und unverbindlich den Zürcher Finanzbrief 4 Wochen lesen.

 

Im Ergebnis: Eine Attacke von Trump kommt einem starken Verkaufssignal gleich. Es macht für Anleger keinen Sinn, sich dagegen zu stellen, denn die Macht der US-Administration ist ausgesprochen gross. So bitter es auch ist. Man sollte an dieser Stelle als Europäer auch in Ruhe darüber nachdenken, ob diese US-Politik am Ende nicht auch gegenüber Unternehmen in unserer Heimat angewandt werden wird und wie dann damit umgegangen werden soll. 

 

18.09.2020 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 









Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur