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Die Stellung der Aktionäre im Wirecard-Fall

Erste Gläubigerversammlung in München

 

Beim ersten Tag der Gläubigerversammlung des Konzerns Wirecard in München berichtete der zum Insolvenzverwalter ernannte Rechtsanwalt Michael Jaffé über die aktuelle Lage. Der damalige Dax-Konzern Wirecard hatte im Juni nach dem Eingeständnis von Phantomgeschäften Insolvenz angemeldet.

Banken und Investoren haben nach Berechnungen der Münchner Staatsanwaltschaft mehr als drei Milliarden Euro verloren. Der Insolvenzverwalter berichtete über den bisherigen Verlauf des Verfahrens, das Ende August eröffnet worden war.

Einige Auslandstöchter von Wirecard wurden bereits zugunsten der Gläubiger verkauft. Zuletzt schlug er das europäische Kerngeschäft los, dessen Zuschlag die spanische Bank Santander erhielt.

 

Wie steht es um die Aktionäre?

 

Neben Banken und Investoren haben auch Aktionäre viele Forderungen geltend gemacht. Doch wie kann das sein? Aktionäre sind nämlich rechtlich betrachtet keine Gläubiger eines insolventen Unternehmens, sondern Gesellschafter. Im Normalfall gehen sie in einem Insolvenzverfahren leer aus. Das liegt daran, dass sie als Aktionäre Mitinhaber des Unternehmens waren und als Mitinhaber gehören Verluste dementsprechend zu einem unternehmerischen Risiko.

Bei Wirecard ist die Lage jedoch anders. Nachdem ein 1,9 Milliarden großes Loch in der Bilanz aufgedeckt worden war, rutschte der Konzern, der dadurch immer wieder negativ in die Medien geriet, in die Pleite. Die Staatsanwaltschaft München wirft dem Vorstandschef Braun und weiteren Wirecard-Managern gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor.

Liegen derartige Umstände vor, müssen die Aktionäre anders betrachtet werden. Aktionäre sind – wie auch andere Gläubiger – Opfer geworden und es können Schadensersatzansprüche bestehen. Diese können daher ihre Schadenersatzforderungen beim Insolvenzverwalter anmelden, wie es jetzt im Fall von Wirecard auch getan wurde.

 

Was ist realistisch?

 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDie Gläubiger hoffen, dass ihnen der Insolvenzverwalter zumindest einen Teil der verlorenen Milliarden in absehbarer Zeit zurückerstattet. Utopische Vorstellungen haben die Gläubiger der Wirecard AG aber weder bezüglich der Höhe noch der Schnelligkeit. Denn nach Ansicht der meisten Experten dürfte nur ein Bruchteil der von Wirecard angehäuften gut drei Milliarden Euro Schulden an die Gläubiger tatsächlich zurückgezahlt werden und es ist ungewiss, wie sehr sich dies in die Länge ziehen wird.

 

18.11.2020 - Ann-Kathrin Wellen - akw@ntg24.de

 






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