Marktbericht Gold – Das gelbe Metall beim Landeanflug seiner Korrektur?
Die Handelswoche in Gold vom 15.06. – 19.06.2026
Gold setzte in der abgelaufenen Handelswoche bis zur Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch sein Erholungsmomentum fort, dann jedoch machte sich die Regie des neuen Chefs der US-Notenbank, Kevin Warsh, bemerkbar. Der US-Dollar zog deutlich an und drückte nicht nur Gold wieder in Richtung seiner Vorwochentiefs. Die Indikatorenlage bleibt deshalb weiter ambivalent. Gleichzeitig zeigen sich jedoch auf niedriger Zeitskala Ansätze eines neuen Aufwärtsimpulses.
Die abgelaufene Handelswoche war geteilt in eine Phase vor Kevin Warshs erster FED-Sitzung und eine danach. In der ersten Phase setzte sich die Erholung, die am Ende der Vorwoche begonnen hatte, weiter fort. Ab Mittwochnachmittag kam es dann aber zu einer spürbaren Eintrübung des Sentiments, der US-Dollar gewann neue Stärke und drückte auf die Kurse der meisten Rohstoffe, darunter auch Gold.
Gold quietscht bei der Bodenbildung
Gold (TVC:GOLD) reflektierte diese Entwicklung in seiner Kursentwicklung, generierte dabei aber auch keine neuen charttechnischen Turbulenzen. Im Wochenvergleich gab der Goldpreis von 4.218,56 USD auf 4.155,40 USD und damit um 1,5 % nach.
Chart 1 zeigt den Kursverlauf auf Wochencandle-Basis.
Deutlich zu erkennen ist einerseits, dass der Goldpreis bei seinem Zwischentief am 23.03.2026 noch an der dynamischen Unterstützung seiner 200-Tage-Linie Halt fand, was dann in der neuen Schwächephase ab Ende Mai nicht mehr gelang.
Hinzu kommt, dass die statischen Unterstützungen in diesem Kursbereich alles andere als robust sind. Die markierten horizontalen Unterstützungen verdeutlichen, dass der Goldpreis auch technischer Perspektive leicht auch wieder unter 4.000 USD fallen kann, ohne dass ihn irgendein technisches Watte-Bällchen auffängt.
Jedoch zeigen die nicht signifikant höheren Umsätze der letzten Wochen, dass auf dem Goldpreis auch kein größerer Verkaufsdruck lastet! Damit befindet sich Gold weiter in einer seit Ende Januar 2026 andauernden Distributionsphase, bei der plausibel vermutet werden kann, dass ihr Ende näher ist als ihr Anfang.
Chart 2 bildet nun den Goldpreis auf niedriger Zeitskala, und zwar auf Drei-Stunden-Basis, ab.
Hier zeigt sich, wie die Ergebnisse der US-Notenbanksitzung am Mittwoch mit relativ hohen Umsätzen den kurzfristigen Aufwärtstrend bei Gold beendet haben. Zunächst wurde das Gap-up vom Montagmorgen geschlossen, dann rutschte der Kurs allerdings weiter und unterschritt auch die Unterstützungszone bei 4.2.20 USD. Schließlich schleppte er sich noch oberhalb seines Vorwochentiefs ins Wochenende.
Dabei könnte man es belassen, muss man aber nicht. Denn es gibt einige Indizien für ein optimistischeres Szenario in der kommenden Woche, welches in Chart 3 umrissen wird. Dieser zeigt den Goldpreis auf Ein-Stunden-Basis.
Was soll diese Grafik vermitteln? Sie soll ein mögliches Szenario plausibilisieren, bei dem ein fraktales Konsolidierungsmuster auf kleiner Skala das Ende einer Abwärtsbewegung signalisiert, welches bislang weder durch die größeren Kursmuster noch durch die Umsätze bestätigt werden.
Dabei wird angenommen, dass das Korrekturtief am 10.06.2026 erreicht wurde, was mit dem kleinen gelben Rechteck markiert ist. Dem schließt sich zeitlich ein kleines blaues Rechteck an, in dem eine Plateau-Bewegung oberhalb des genannten Tiefs stattfindet. Diese Plateau-Bewegung endet mit einem Ausbruch nach oben am 11.06.2026. Im Anschluss läuft der Goldpreis bis zur Notenbanksitzung, was dem größeren gelben Rechteck entspricht. Die Bodenbildung nach der Abwärtsbewegung im Anschluss an die Sitzung wird mit dem größeren blauen Rechteck markiert.
Die hier vorgestellte Vermutung nimmt nun eine fraktale Struktur dieser Formation an, bei der das kleine und das große gelbe Rechteck ebenso wie das kleine und große blaue Rechteck skaleninvariante Eigenschaften besitzen und damit die gesamte Struktur fraktal ist.
Dabei liegt der kleine Kursboden, welcher sich am vergangenen Freitag bildete, knapp oberhalb des oberen Randes des kleinen gelben Rechtecks. Diese Linie dürfte die Dimensionsgrenze markieren. Die Entsprechung dieser Dimensionsgrenze auf höherer Skale (größeres gelbes Rechteck) ist das Zwischenhoch am 17.06.2026, direkt vor der US-Notenbanksitzung. Ein Ausbruch über dieses Zwischenhoch, was bei 4.379,51 USD liegt, würde den Beginn der Bildung eines selbstähnlichen Musters auf der nächsthöheren Skala anzeigen.
Was ist die Schlussfolgerung aus dieser Hypothese?
Diese Struktur impliziert ein baldiges Ende der Konsolidierung auf kleinerer Zeitskala. Dabei wird das Zwischentief vom 10.06.2026 nicht mehr unterschritten. Sie impliziert zudem, dass in der vergangenen Woche möglicherweise eine neue Aufwärtsbewegung bei Gold begonnen hat.
Mit Unterschreiten des Zwischentiefs vom 10.06.2026 würde die hier vorgestellte Hypothese falsifiziert. Aber die Falsifizierung von Hypothesen ist ja gerade das Salz in der charttechnischen Suppe. Denn seit dem Übergang vom Mythos zum Logos in der Antike muss eine Behauptung eben mit mehr unterlegt werden als mit dem Adlerflug!
Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass sich unter der Oberfläche relativer niedriger Kursschwankungen eine strukturelle Änderung bei Gold abgespielt haben könnte, welche den Beginn einer neuen Aufwärtsbewegung anzeigt. Die kommende Woche ist aus Sicht der dargestellten Hypothese möglicherweise die Startrampe für den skizzierten Ausbruch über 4.379,51 USD. Ein Einbruch in Richtung 4.000 USD dürfte hingegen die Hypothese falsifizieren, jedoch aber gleichzeitig zur Bildung einer neuen anregen. Denn die seit Ende Januar andauernde Korrektur neigt sich dem Ende zu. Offen ist nur, wo der wirkliche Boden liegt.
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20.06.2026 - Arndt Kümpel

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