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Marktbericht Gold – Wie stehen die Chancen für ein Ende der laufenden Korrektur?

Die Handelswoche in Gold vom 22.06. – 26.06.2026

NTG24 - Marktbericht Gold – Wie stehen die Chancen für ein Ende der laufenden Korrektur?

 

Gold konnte sich auch in der abgelaufenen Handelswoche der Wirkung des weiter erstarkenden US-Dollars nicht entziehen. Die jüngsten Inflationszahlen aus den USA gaben diesbezüglich keine Entwarnung. Parallel dazu konnte der weiter nachgebende Ölpreis nicht darüber hinwegtäuschen, dass die politische Einigung der Vorwoche zwischen den USA und dem Iran alles andere als stabil ist. Vor diesem Hintergrund muss sowohl das praktisch völlige Verschwinden des Risikoaufschlages auf den Ölpreis wie auch der deutliche Rückgang der öffentlichen Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks hinterfragt werden. Gold sendet einstweilen keine eindeutigen Signale einer Schubumkehr, zeigt aber auch keinen breiten Abgabedruck mehr. Investoren brauchen damit weiter Geduld.

Die abgelaufene Handelswoche war weiterhin von einer Risikoentspannung an wichtigen Märkten geprägt. Der Dow Jones Industrial Average markierte im Wochenverlauf ein neues Allzeithoch, während die langen öffentlichen Anleiherenditen in den USA und Deutschland deutlich nachgaben. Eine Ursache dürfte ein ebenfalls deutlich fallender Ölpreis gewesen sein, der fast bis auf sein Niveau von Ende Februar 2026 zurückfiel. Der US-Dollar-Index legte gleichzeitig weiter zu. Gegen den Euro unterschritt der US-Dollar eine wichtige Unterstützung und gab damit ein neues Verkaufssignal für den Euro.

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Alles in allem schienen die Marktteilnehmer an ein Happy End am Golf glauben zu wollen, denn nur unter dieser Bedingung erscheint der starke und schnelle Rückgang des Ölpreises realistisch. Es lohnt sich deshalb auch ein näherer Blick auf die technischen Indikatoren der Goldpreisentwicklung.

 

Gold erneut im Rückwärtsgang

 

Gold (TVC:GOLD) zeigte sich bei undurchsichtiger Gemengelage im Wochenverlauf per saldo wieder schwächer und gab im Vergleich zur Vorwoche von 4.155,40 USD auf 4.088,38 USD und damit um 1,6 % nach.

Chart 1 zeigt den Kursverlauf auf Wochencandle-Basis.

 

Gold / US-Dollar

 

Da auf statischer Seite Gold in einem charttechnischen Morast statischer Indikatoren watet, erscheint gerade deshalb ein Blick auf die dynamischen Indikatoren sinnvoll. Die Umsätze blieben in der abgelaufenen Handelswoche dabei in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Sie waren zwar nicht gering, aber eben auch nicht so groß, dass man sie mit den Ausverkaufswellen vom Januar und März 2026 vergleichen müsste.

In Chart 1 ist zudem im unteren Bereich das Momentum abgebildet, im oberen Bereich sind die 5 Wochen mit der stärksten Abwärtsbewegung in diesem Jahr durch gelbe Rechtecke markiert. Derselbe Zeitraum ist nun auch auf der Momentum-Linie markiert, wodurch sich die Entwicklung des zugehörigen Momentums mit der Nettopreisentwicklung verbinden lässt.

Dieser Vergleich zeigt, dass gerade die ersten drei großen Korrekturwellen mit einem deutlichen Schub des Momentums in Richtung des negativen Bereiches einhergingen. In der vierten Abwärtsbewegung Anfang Juni konnte sich das Momentum trotz deutlicher Kursrückgänge stabilisieren und kam in dieser Woche trotz erneutem Wochenminus des Goldpreises fast bis an die Nulllinie heran. Dies bedeutet, dass sich der Goldpreis aus dynamischer Perspektive weiter stabilisiert hat. Es ist klar, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Aber ohne Schwalbe gibt es eben auch keinen Sommer!

Die beim Momentum deutlich werdende Stabilisierung konnte der Goldpreis trotz eines weiter erstarkenden US-Dollars realisieren. Dies verdeutlicht ein Blick auf Chart 2. Er zeigt im oberen Teil die Entwicklung des Goldpreises (orange) und des US-Dollar-Index (TVC:DXY) (blau). Im unteren Teil ist der Korrelations-Koeffizient des Goldpreises gegenüber dem US-Dollar-Index abgebildet.

 

Gold und US-Dollar-Index im Vergleich

 

Die Entwicklung von Gold und dem US-Dollar-Index ab Anfang 2025 zeigt zunächst, dass man es sich bei der Reichweite der Aussage, dass bei einem starken US-Dollar der Goldpreis fällt, zu einfach macht. Denn wie die Entwicklung ab September 2025 zeigt, können sehr wohl beide gleichzeitig steigen, und dies auch über mehrere Wochen hinweg. Bereits ab Juli 2025 zeigte sich zwischen Gold und dem US-Dollar eine positive Korrelation, wobei jene im Oktober über Wochen anhielt.

Das orangene Rechteck am linken Rand des Charts zeigt nun aber eine Entwicklung, bei der sich die Korrelation ohne größere Gegenbewegung tief im negativen Bereich befindet. Parallel dazu legte der US-Dollar-Index deutlich zu. Eine reine Korrelationsanalyse legt also nahe, dass der US-Dollar eine bedeutende Rolle für den gleichzeitigen deutlichen Rückgang des Goldpreises spielt.

Die anhaltend hohe negative Korrelation von Gold und US-Dollar-Index ist aber historisch eher die Ausnahme, wie wir bereits in einem früheren Beitrag darlegten. Man kann deshalb davon ausgehen, dass Gold auch bei einem steigenden US-Dollar-Index zulegen kann.

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Und die Chance dafür gewachsen. Denn ein Vergleich der beiden in US-Dollar gehandelten Rohstoffe Öl (TVC:USOIL) und Gold in Chart 3 zeigt, dass Gold die letzte Abwärtsbewegung des Ölpreises in der abgelaufenen Handelswoche nicht mehr nachvollzogen hat.

Dies kann natürlich auch eine Übertreibung nach unten beim Ölpreis sein. Gleichwohl zeigt der Goldpreis gegen Öl eine relative Stärke, was mit dem stabilisierten Momentum korrespondiert.

 

Gold und US-Öl im Vergleich

 

Unsere in der vergangenen Woche aufgestellte Hypothese einer fraktalen Struktur wurde im Übrigen in dieser Woche falsifiziert. Offensichtlich bildet Gold gerade ein anderes Muster bei seinem Kursboden. Wir bleiben hier aber weiter auf der Suche, denn schließlich sind es gerade Kursmuster, die einen analystischen Wert für Kurstrends und Kursziele besitzen.

 

Und wie geht es mit dem Goldpreis in der kommenden Woche weiter?

 

Die Chancen auf eine Stabilisierung von Gold haben sich in dieser Handelswoche unter der Oberfläche eines weiter fallenden Preises weiter verbessert. Das Momentum hat den weiteren Preisrückgang nicht mehr nachvollzogen, die Umsätze sind zwar nicht zu vernachlässigen, aber zeigen eben auch keine Verkaufspanik mehr an. Dies kann nun aber gut oder schlecht sein. Denn eben diese Verkaufspanik würde anzeigen, dass die Spekulanten und kurzfristige Momentum-Trader das Handtuch werfen, was im Ergebnis eine solide Basis für einen neuen Aufwärtstrend bildet.

Parallel zeigt der Goldpreis trotz eines weiter erstarkenden US-Dollars relative Stärke gegen den Ölpreis. Zwar ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, dass die starken Kursrückgänge des Ölpreises durch die Drohung des Irak verursacht worden sein könnten, bei Nicht-Anhebung der OPEC-Förderquoten aus der Organisation auszutreten. Gleichwohl zeigt die Divergenz, dass auch der Goldpreis sich in den kommenden Wochen wieder unabhängiger vom US-Dollar entwickeln könnte. Dies legt sowohl die aktuell ungewöhnlich hohe negative Korrelation als auch die Dauer dieses Zustandes insgesamt nahe. Dabei sollte das Szenario nicht ausgeblendet werden, dass Gold und der US-Dollar beide gleichzeitig steigen und damit die Korrelation schnell wieder in den positiven Bereich springen kann.

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Die Wiederentdeckung der Funktion als sicherer Hafen könnte der Ausgangspunkt dieser Entwicklung sein. In diesem ,,Risk-on-Szenario‘‘ sollten dann auch nachlaufende Indikatoren wie gleitende Durchschnitte nicht überbewertet werden. Eine scharfe Richtungsänderung könnte dabei durch viele mögliche Ursachen ausgelöst werden. Da sich die Weltwirtschaft und Weltpolitik in einer Phase der Reorganisation befinden ist jederzeit eine diesbezügliche Überraschung möglich.

Gleichwohl ist aufgrund der eher schwachen statischen Unterstützung des Goldpreises ein weiterer Rückgang möglich. Dies könnte etwa durch ein neues Liquiditäts-Ereignis der Fall sein, bei dem Gold durch Marktteilnehmer verkauft wird, um Verluste bei anderen Investitionen zu kompensieren oder um schlicht Liquidität zu schaffen.

Dies alles ändert aber an den Basisannahmen der Investment-Story von Gold nichts. Es ist schlicht der Unterschied zwischen Trading-Horizont und Investment-Horizont. Man darf also auf die kommende Handelswoche gespannt sein, der weiteren Entwicklung jedoch mit der gebotenen Gelassenheit gegenübertreten.

 

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27.06.2026 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 

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