Marktbericht Platin und Palladium – Die Charttechnik hängt in den Seilen, Warten auf Impulse
Die Handelswoche in Platin & Palladium vom 22.06. – 26.06.2026
Wie Gold und Silber rutschten auch Platin und Palladium in der abgelaufenen Handelswoche weiter abwärts, ohne dass wirklicher Verkaufsdruck aufkam. Der weiter erstarkende US-Dollar blies den Edelmetallen weiter ins Gesicht. Die technische Situation kann als höchstens lauwarm bezeichnet werden, die Impuls- und Signalarmut kennzeichnet die Lage. Es bleibt deshalb nur, Geduld zu haben, bis der Markt beiden Edelmetallen wieder Leben einhaucht.
Platin (TVC:PLATINUM) und Palladium (TVC:PALLADIUM) schrammten in der abgelaufenen Handelswoche weiter abwärts. Die Auswirkungen des Sentiment-Schocks nach der letzten US-Notenbank-Sitzung waren weiterhin deutlich zu spüren. Der US-Dollar legte in dieser Woche um 0,72 % auf 1,1382 USD je Euro zu und hielt den gesamten Rohstoffkomplex unter Druck.
Platin und Palladium anhaltend schwach
Auch Platin und Palladium konnten sich diesem Druck erneut nicht entziehen. Platin fiel von 1.658,74 auf 1.611,91 USD und verlor mit 2,8 % praktisch so viel wie schon in der Vorwoche. Palladium gab gleichzeitig von 1.240,12 USD auf 1.192,02 USD bzw. 3,9 % nach.
Platin im charttechnischen Treibsand
Der Platinpreis scheint derzeit selbst für gute Nachrichten kaum empfänglich zu sein. Da interessiert es anscheinend kaum jemanden, dass das Gold-Platin-Ratio mit aktuell 2,53 in der Nähe eines 50-Jahres-Extrempunktes liegt. In der Vergangenheit sprang das Verhältnis häufig zurück in den Bereich zwischen 1,0 und 1,5. Und es spielt offensichtlich derzeit auch keine entscheidende Rolle, dass bis 2029 mit einem Angebotsdefizit gerechnet wird.
Stattdessen drückt der starke US-Dollar weiter auf das Anleger-Sentiment. Chart 1 zeigt die Entwicklung des Platinpreises im oberen Teil des Charts und die parallele Entwicklung des Korrelationskoeffizienten von Platin zum US-Dollar-Index im unteren Teil.
In dem orangemarkierten, oberen Rechteck ist die Kursentwicklung seit dem Bruch des mittelfristigen Aufwärtstrends markiert. Danach wurde das bisherige Jahrestief vom 23.03.2026 unterschritten und falsifizierte die bis dahin vermuteten Bodenbildungsmuster, sei es ein Doppelboden oder eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Zu diesem mustertechnischen Treibsand kam das durch den Bruch generierte Abwärts-Momentum, was mit einem relativen Anstieg der Umsätze einherging, was wiederum indiziert, dass es sich bei diesem Bruch nicht um ein Fehlsignal handelte.
Seither ist der Platinpreis weiter gesunken. Ein Blick auf den orangemarkierten zeitgleichen Verlauf des Korrelationskoeffizienten im unteren Teil verdeutlicht nun, woher diese Schwäche stammen dürfte. Denn mit dem Bruch des Aufwärtstrends nahm die Korrelation zwischen dem Platinpreis und dem US-Dollar-Index ein kumuliertes Mehrjahrestief an. Dies bedeutet, dass seit mindestens 5 Jahren der Wert nicht so lange so extrem negativ war. Dies lässt vermuten, dass der Anteil des starken US-Dollars an der negativen Wertentwicklung von Platin außergewöhnlich hoch ist.
Aktuell sind im Preischart keine bedeutenden charttechnischen Unterstützungen erkennbar, die bei einem anhaltenden Verkaufsdruck größeren Widerstand leisten könnten. Der Vergleich mit charttechnischem Treibsand liegt deshalb nahe.
Ein Blick auf die längerfristige Entwicklung im Wochencandle-Chart, der in Chart 2 abgebildet ist, bestätigt dies.
Waren die Umsätze seit dem Jahreshoch vom 26.01.2026 ohnehin bei fallenden Kursen erhöht, so kommt nun hinzu, dass die Umsätze seither bei fallenden Wochenkursen deutlich höher waren als bei steigenden. Insgesamt zeigen die Umsätze im orange-markierten Rechteck, dass die Umsätze seither anhaltend hoch sind. Dies spricht dafür, dass die Distributionsphase und damit Konsolidierung noch nicht beendet sind.
Wo könnte der Korrekturboden liegen?
Ob Platin den charttechnischen Strohhalm des schwachen Zwischentiefs aus der Konsolidierungsphase zwischen Ende Oktober und Ende November 2025 zur Stabilisierung nutzt, ist derzeit völlig offen. Sollte der Kurs in der Kurszone oberhalb von 1.462 USD keinen Halt finden, kann mit einem schnellen Rutsch eine Kurs-Etage tiefer in den Bereich oberhalb des Zwischentiefs vom 01.08.2025 gerechnet werden, das bei 1.262,25 USD liegt.
Palladium mit ähnlichen Symptomen
Nicht viel anders sieht die charttechnische Lage bei Palladium aus, die Chart 3 auf Tagescandle-Basis zeigt.
Chart 3 zeigt im unteren Teil ebenfalls den Korrelationskoeffizienten zum US-Dollar-Index. Dieser ist zwar nicht so extrem negativ wie bei Platin. Der Druck ist gleichwohl vorhanden. Anders als bei Platin sind hier die Umsätze allerdings deutlich kleiner. Dies spricht dafür, dass kein erhöhter institutioneller Abgabedruck besteht.
Chart 4 schließlich fügt sich in dieses Bild ein.
Er zeigt im unteren Teil das zu der im oberen Teil orange markierten Zone gehörige Momentum. Dieses ist in der abgelaufenen Handelswoche wieder in den negativen Bereich gerutscht und bietet damit derzeit keine argumentative Unterstützung für kurzfristig höhere Kurse.
Die niedrigen Umsätze bieten einen kleinen Grund sich vorzustellen, was eine kleine Änderung der Nachfrage bewirken würde. Doch wie realistisch ist neues Kaufinteresse zu diesem Zeitpunkt?
Dieses dürfte in dieser Handelswoche kaum gestiegen sein, nachdem der weltgrößte Produzent von Palladium, der russische Konzern Norilsk Nickel, am Dienstag erklärte, dass er für 2026 und 2027 einen globalen Überschuss vor Investitionsnachfrage erwartet.
Insgesamt soll sich die industrielle Nachfrage im laufenden Jahr auf 9,1 Mio. Unzen bei einem Angebot von 9,4 Mio. Unzen belaufen. Der daraus resultierende Überschuss soll durch eine gleichhohe Investment-Nachfrage in Höhe von 300.000 Unzen kompensiert werden. Dieser Überschuss soll dann 2027 auf 200.000 Unzen sinken, die Investitionsnachfrage wurde hier nicht geschätzt.
Schließlich gab die UBS ebenfalls in dieser Woche ein Update ihrer Schätzungen zum Palladiummarkt ab. Danach erwartet die größte Bank der Schweiz einen Rückgang auf 1.100 USD in den kommenden Monaten, wobei sie für 2026 einen Angebotsüberschuss erwartet. So sollen ein höheres Schrottangebot, geringere Investitionen und eine schwächere Nachfrage nach Autokatalysatoren zu einem Angebotsüberschuss im laufenden Jahr von 200.000 Unzen führen.
Alles in allem bot diese neuen Schätzungen keinen dringenden Grund für einen Einstieg auf dem aktuellen Niveau.
Und was ergibt eine Gesamtschau?
Die technische Situation bei Platin wie bei Palladium hat sich in der abgelaufenen Handelswoche weiter eingetrübt. Bodenbildungsmuster sind bei beiden Edelmetallen nicht klar erkennbar. Die anhaltend erhöhten Umsätze bei Platin deuten an, dass es einen neuen starken Kurstreiber braucht, um einen Richtungswechsel im Anleger-Sentiment auszulösen.
Auf beiden Edelmetallen lastet der Druck des starken US-Dollars, wobei dieser sich im Falle von Platin zu einem bemerkenswerten Extrem ausgeweitet hat.
Dafür hat das Sentiment bei Palladium zwar mit einer weniger negativen Korrelation zum starken US-Dollar, sondern mehr mit einem Angebotsüberschuss im laufenden und möglicherweise auch kommenden Jahr zu kämpfen, der nur bei hinreichend hoher Investmentnachfrage verschwindet. Aber dies versteckt sich derzeit in einem dicken Prognos-Nebel.
Im Ergebnis braucht man bei Neuengagements derzeit bei beiden Metallen nichts zu überstürzen. Die ,,Wild-Card‘‘ ist hingegen ein Makro-Event: Sollte sich die Lage am Golf, in Osteuropa, auf der koreanischen Halbinsel oder in der Taiwan-Frage wieder zuspitzen, dürfte dies auch für Platin und Palladium wieder Game-Changer-Potenzial besitzen.
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28.06.2026 - Arndt Kümpel

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