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Marktbericht Silber – Das Gold des kleinen Mannes im Startblock – Wie korreliert Silber gegen den Dollarindex und die US-Zinsen?

Die Handelswoche in Silber vom 25.05. - 29.05.2026

NTG24 - Marktbericht Silber – Das Gold des kleinen Mannes im Startblock – Wie korreliert Silber gegen den Dollarindex und die US-Zinsen?

 

Silber sparte sich in dieser Woche die Mühe, gegenüber Gold, Platin und Palladium den Outperformer spielen zu wollen. Stattdessen setzte es seine Bodenbildung fort und wartet nun auf den Startschuss für die nächste Aufwärtsbewegung. Denn diese ist eben deutlich wahrscheinlicher als ein Einbruch zurück unter die Ausbruchslinie seiner rund 45-jährigen Seitwärtsbewegung. Aus dieser Perspektive wäre die Konsolidierung seit Ende Januar nur eine normale trendbestätigende Korrektur in einem neuen langfristigen Aufwärtstrend! In diesem Kontext wird nachfolgend auch geprüft, wie sich die statistische Beziehung der oft behaupteten negativen Einflussfaktoren ,,starker US-Dollar‘‘ und ,,steigende Zinsen‘‘ seit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars auf den Silberpreis entwickelt hat.

Die Edelmetalle nutzten in dieser Handelswoche die angespannte Verhandlungsphase um eine Beendigung der Kämpfe zwischen dem Iran und den USA dazu, die zumindest aus charttechnischer Sicht letzten Meter ihrer Konsolidierung zurückzulegen, die sich seit Ende Januar an den vorangegangenen explosiven Anstieg angeschlossen hat.

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Silber im Startblock für das nächste Rennen?

 

Dabei gab Silber (TVC:SILBER) im Wochenverlauf von 75,52 USD auf 75,29 USD ab und verlor damit 0,3 %, was angesichts seiner hohen historischen Volatilität praktisch einem Stillstand gleichkommt. Diese Entwicklung bildet Chart 1 ab.

 

Silber / US-Dollar

 

Er zeigt, dass Silber in der abgelaufenen Handelswoche eine mit der Mustervermutung kompatible Kursentwicklung genommen hat. Die kürzere mittelfristige Abwärtstrendlinie wurde dabei erneut touchiert, aber nicht unterschritten.

Die Umsätze blieben im Wochenverlauf insgesamt auf relativ niedrigem Niveau, wodurch auch der analytische Wert der einzelnen Kursdaten nicht überbewertet werden sollte.

Umso wichtiger ist, dass die absoluten Kursdaten das vermutete Konsolidierungsmuster einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation (orangene umgekehrte Untertassen) bislang nicht entwerten.

Wie könnte es nun, kurzfristige Überraschungen inklusive, nun mit Silber weitergehen?

Wir hatten bereits auf die Symmetrievermutung zwischen dem Abstand des Tiefs der linken Schulter (06.02.2026), dem umgekehrten Kopf (23.03.2026) und der rechten Schulter (bislang 29.04.2026) hingewiesen. Letzterer fehlt allerdings der Charakter eines finalen Ausverkaufs, was auch das Fehlen eines nach unten hängenden Dochtes im Candlestick-Chart verdeutlicht. Hier wird deutlich, dass das Muster offensichtlich nicht ganz symmetrisch ist, da das mustertypische Abschluss der Konsolidierung (noch) fehlt.

Auch deshalb lohnt sich auf den Bereich, in dem dieses erwartete letzte Konsolidierungstief, also die mustertypische hängende rechte Schulter, gebildet werden sollte. Dieser Bereich befindet sich oberhalb von 61,01 USD, dem Korrekturtief vom 23.03.2026, könnte aber als ,,hängende Schulter‘‘ unterhalb von 64,06 USD, dem Tief der linken Schulter vom 06.02.2026, liegen, was dem Bereich zwischen den beiden rot gestrichelten Horizontalen entspricht. Zeitlich liegt dies im Bereich des lila Kreises.

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Es sei jedoch daran erinnert, dass der Silberpreis im Coronaschock im März 2020 ebenfalls erst noch einmal von 18,95 USD Ende Februar 2020 bis auf 11,64 USD Mitte März 2020 und damit um 38,6 % einbrach, aber nur, um danach bis Anfang August 2020 bis auf 29,86 USD und damit um 156 % nach oben katapultiert zu werden!

Diese Entwicklung wurde damals als ,,Peitschenbewegung‘‘ (Slingshot Move) beschrieben. Und es ist möglich, dass diese ,,wilde Seite‘‘ des Silbers nach der laufenden Konsolidierung ebenfalls wieder sichtbar werden könnte, wenn der Liquidationsschock nach einem erneuten Ausbruch von Kriegshandlungen am Persischen Golf und einem in der Folge stark steigenden Ölpreis auch die Edelmetalle drückt.

Auch und gerade aus dieser Perspektive ist die Frage für Investoren sehr relevant, wie sich der Silberpreis langfristig gegenüber den kurz- und langfristigen Zinsen sowie gegenüber dem US-Dollar-Index verhält. Dazu werden nachfolgend die langfristigen Korrelationen des Silberpreises gegenüber den 1-jährigen und 10-jährigen US-Renditen sowie dem US-Dollar-Index betrachtet. Danach werden dem Ergebnis beispielhaft die Aussagen im neuesten World Silver Survey 2026 gegenübergestellt.

 

Wie entwickelte sich die Korrelation zwischen dem Silberpreis und den 1-jährigen US-Zinsen seit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars 1971?

 

Chart 2 zeigt die Entwicklung der Korrelation zwischen dem Silberpreis und der Renditeentwicklung für 1-jährige US-Treasury Bills.

 

Silber / US-Dollar und 1-jährige US-Zinsen

 

Im oberen Teil des Charts ist die Kursentwicklung von Silber abgebildet, im unteren Teil die Korrelation von Silber gegenüber den einjährigen US-Renditen.

Dabei fällt zunächst auf, wie stark die Korrelation zwischen hohen positiven und hohen negativen Werten schwankt. Dies bedeutet, dass sich über den gesamten Zeitraum seit 1971 die Entwicklung des Silberpreises kaum überzeugend mit einer konstanten Korrelation erklären lässt!

Zudem ist die Entwicklung im Durchschnitt nicht signifikant. Damit wäre die Erklärungskraft ungefähr so groß wie die der Aussage: ,,Im Schnitt war der Bach 50 cm tief, trotzdem ist die Kuh ersoffen!‘‘

Es fällt zudem auf, dass bei den 3 großen Aufwärtsphasen vom Silber – ab September 1979, ab September 2010 und ab August 2025 – die Korrelation sehr schnell sehr negativ wurde. Dies ist auch plausibel, weil die Gründe für den explosionsartigen Anstieg eben praktisch nichts mit der Entwicklungsrichtung der einjährigen US-Renditen zu tun hatten.

Es kann deshalb für einen weiteren Aufwärtsschub des Silberpreises vermutet werden, dass dieser ebenfalls wieder eine hohe negative Korrelation zu der Entwicklung der einjährigen US-Renditen aufweist!

 

Wie entwickelte sich die Korrelation zwischen dem Silberpreis und den 10-jährigen US-Zinsen seit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars 1971?

 

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wie Chart 3 zeigt, insgesamt bei einem Vergleich mit den 10-jährigen US-Staatsanleihen. Auch hier ist die Impulsrichtung nach unten, der Silberpreis zeigte in den genannten 3 starken Aufwärtsphasen eine deutlich höhere negative Korrelation.

 

Silber / US-Dollar und 10-jährige US-Zinsen

 

Insgesamt liegt der Mittelwert sogar noch näher an der Nulllinie und ist damit im Durchschnitt praktisch kaum vom Nutzen. Umso weniger belastbar ist eine allgemeine Aussage auf dieser Basis über die Entwicklungsrichtung des Silberpreises!

Wie auch die Entwicklung bei den 1-jährigen US-Treasury Bills zeigt auch die Korrelation bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen typische Trendwechsel, deren Ursache eher bei den Bestimmungsgründen des Anleihemarktes zu suchen ist als beim Silberpreis.

 

Wie entwickelte sich die Korrelation zwischen dem Silberpreis und dem US-Dollarindex seit der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars 1971?

 

Ein Vergleich der Silberentwicklung mit der Korrelation zum US-Dollar-Index in Chart 4 schließlich ergibt interessanterweise ebenfalls keinen eindeutigen Zusammenhang. Auch hier schwankt die Korrelation zyklisch zwischen positiv und negativ mit hohen absoluten Trendwendewerten.

Anhand der Entwicklung des US-Dollar-Index lässt sich die Stärke bzw. Schwäche des US-Dollars messen. Ein steigender Dollar-Index zeigt eine Aufwertung des US-Dollars gegenüber den Währungen des Währungskorbes an, ein fallender Index dagegen eine Abwertung. In diesem Währungskorb von Referenzwährungen ist der Euro aktuell mit 57,6 % gewichtet, der japanische Yen mit 13,6 %, das britische Pfund mit 11,9 %, der kanadische Dollar mit 9,1 %, die schwedische Krone mit 4,2 % und der Schweizer Franken mit 3,6 %.

 

Silber / US-Dollar und US-Dollar-Index

 

Im Durchschnitt liegt die Korrelation leicht im negativen Bereich, erklärt aber damit die Entwicklung des Silberpreises ebenfalls nicht ausreichend. Eine differenziertere Analyse kürzerer Zeiträume kann gerade nach Trendwenden in allen 3 korrelierten Werten zu stabileren Korrelationen kommen.

Hier allerdings wurde der allgemeine Geltungsanspruch des Argumentes geprüft, ob kurz- und langfristige US-Renditen sowie die Entwicklung des US-Dollars in Form des US-Dollar-Indexes hinreichende Argumente liefern, um damit für langfristig orientierte Investoren eine empirische Basis für die Portfoliooptimierung zu liefern.

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Dieser Anspruch wird implizit etwa auch im jüngsten World Silver Survey 2026 des Silver Institute erhoben. Jedoch lässt sich der dort unterstellte Zusammenhang zwischen steigenden Zinsen bzw. Zinserwartungen sowie einem steigenden US-Dollar einerseits und einem tendenziell fallenden Silberpreis andererseits sich auf der Basis der hier vorgelegten Korrelationsanalysen nicht aufrechterhalten!

Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass der Silberpreis auf Basis einer schwach negativen, instabilen und bei Trendwechseln stark fluktuierenden Korrelationswerten kaum geeignet ist, die Entwicklung des Silberpreises hinreichend zu beschreiben!

 

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30.05.2026 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 

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