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Gold hält dem Gegenwind erstaunlich stand

Steigende US-Renditen und ein festerer Dollar bremsen die Rally – doch nach dem starken Wochenanstieg fehlt bislang der typische Rückschlag

NTG24 - Gold hält dem Gegenwind erstaunlich stand

 

Nach einem Wochenplus von mehr als sieben Prozent hätte der Montag genügend Gründe für eine kräftige Gegenbewegung geliefert. Der Dollar zog an, die US-Anleiherenditen stiegen und vor den neuen Inflationsdaten wurde das Zinsrisiko wieder höher bewertet. Statt deutlich zurückzufallen, arbeitete sich der Goldterminmarkt im US-Handel dennoch erneut an die Marke von 4.400 US-Dollar heran. Diese relative Stärke ist derzeit analytisch wichtiger als ein einzelner Tagesgewinn.

Für Gold (TVC:GOLD) verschiebt sich damit die Fragestellung. Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Woche geht es weniger darum, ob neue Käufer vorhanden sind, sondern darum, wie empfindlich diese Käufer auf höhere Finanzierungskosten und einen festeren Dollar reagieren. Am Montag fiel die Antwort bislang ungewöhnlich robust aus.

Die Belastungsfaktoren waren messbar. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag am Vormittag in New York bei rund 4,66 Prozent, die zweijährige Rendite bei etwa 4,22 Prozent. Gleichzeitig legte der Dollar zu. Damit bewegten sich zwei Größen gegen Gold, die gewöhnlich zumindest Gewinnmitnahmen fördern. Dass der Markt diesen Gegenwind nach der vorangegangenen Rally weitgehend absorbierte, spricht für eine Preisbildung, die derzeit nicht allein von kurzfristigen Zinserwartungen bestimmt wird.

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Am frühen US-Handel war diese Widerstandsfähigkeit noch nicht vollständig sichtbar. Reuters nannte den Spotpreis um 09:33 Uhr New Yorker Zeit bei 4.335,27 US-Dollar je Feinunze, 0,2 Prozent unter dem Vortag. US-Goldfutures wurden zu diesem Zeitpunkt bei 4.394,00 US-Dollar und 0,1 Prozent im Minus angegeben. Im weiteren Handel hellte sich das Bild im Terminmarkt wieder auf; der Dezember-Kontrakt bewegte sich später erneut im Bereich von beziehungsweise oberhalb 4.400 US-Dollar.

Spotpreis und Dezember-Future müssen dabei getrennt bleiben. Die rund 60 US-Dollar Abstand zwischen den zeitnah genannten Notierungen sind keine widersprüchlichen Preisangaben, sondern spiegeln unterschiedliche Marktsegmente und Laufzeiten wider. Ebenso lässt sich aus einem später steigenden Future nicht rückwirkend ableiten, dass der Spotmarkt zur gleichen Zeit identisch gehandelt hat.

 

Der Zinsmarkt stellt Gold diesmal keine einfache Falle

 

Nach den überraschend schwachen US-Arbeitsmarktdaten der vergangenen Woche hat sich die geldpolitische Ausgangslage verändert, ohne bereits eindeutig zu sein. Laut der am Montag von Reuters berichteten Terminmarktpreisbildung wurde eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September nur noch mit etwa 46 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist; für Dezember lag die Wahrscheinlichkeit bei 79 Prozent. Das ist für Gold eine ungewöhnliche Kombination: Der nächste Zinsschritt erscheint weniger unmittelbar, zugleich ist das Risiko einer späteren Straffung keineswegs verschwunden.

Die am Mittwoch anstehenden US-Verbraucherpreise gewinnen dadurch zusätzliches Gewicht. Die von Reuters befragten Ökonomen rechnen für Juli mit einer Inflationsrate von 3,4 Prozent nach 3,5 Prozent im Juni. Eine solche leichte Abschwächung würde für sich genommen noch keinen geldpolitischen Kurswechsel erzwingen. Für den Goldmarkt dürfte vielmehr relevant sein, ob die Daten den Abstand zwischen schwächerem Arbeitsmarkt und weiterhin erhöhter Inflation vergrößern oder verkleinern.

Genau deshalb ist der Anstieg der Renditen am Montag wichtig. Zehnjährige Treasuries rentierten nach Angaben des Wall Street Journal zeitweise bei rund 4,662 Prozent. Gold konnte sich dennoch nahe seinem jüngsten Mehrwochenhoch halten. Der Markt akzeptiert höhere Opportunitätskosten damit bislang besser als noch in mehreren Phasen des Frühsommers.

 

 

 

Nach sieben Prozent Wochenplus wird das Ausbleiben von Verkäufen selbst zum Signal

 

Der technische Zustand unterscheidet sich deutlich von einer normalen Seitwärtsphase. Nach Angaben von MarketWatch hatten Goldfutures in der vergangenen Woche rund 7,1 Prozent gewonnen, die stärkste Wochenentwicklung seit Januar. Am Montagnachmittag lagen die Futures dennoch wieder leicht im Plus und steuerten auf den ersten Schluss oberhalb von 4.400 US-Dollar seit Anfang Juni zu.

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Nach einer solchen Bewegung wäre eine Konsolidierung keineswegs ungewöhnlich. Gerade deshalb sollte ein stabiler Kurs nicht mit fehlender Information verwechselt werden. Solange Verkäufer trotz höherer Renditen und eines stärkeren Dollars kaum Raum gewinnen, muss der Markt relativ hohe Preise akzeptieren, um überhaupt zusätzliches Angebot zu mobilisieren. Das ist keine Garantie für eine Fortsetzung der Rally, verändert aber die technische Beweislast: Nicht die Käufer müssen derzeit zeigen, dass sie noch existieren, sondern die Verkäufer, dass sie den Anstieg tatsächlich brechen können.

Die Zone um 4.400 US-Dollar im Dezember-Future erhält damit eine andere Funktion als eine gewöhnliche runde Marke. Ein nachhaltiger Handel darüber würde den starken Impuls der Vorwoche bestätigen. Ein Rückfall darunter wäre dagegen noch keine Trendwende. Nach einer Bewegung dieser Größenordnung wäre zunächst entscheidend, ob Abgaben nur Gewinne abbauen oder wieder unter jene Bereiche führen, aus denen der jüngste Beschleunigungsschub entstanden ist.

Hinzu kommt ein fundamentaler Käuferkreis, dessen Zeithorizont kaum mit der nächsten Inflationszahl endet. Der World Gold Council meldete für Juni öffentlich bekannte Nettokäufe der Zentralbanken von insgesamt 51 Tonnen. Im ersten Halbjahr blieb Polen mit 82 Tonnen der größte ausgewiesene Käufer, gefolgt von Usbekistan, China und Kasachstan. Diese Nachfrage verhindert keine Korrektur, sie verändert aber die Struktur des Marktes, weil ein Teil der Käufe unabhängig von kurzfristigen Renditeschwankungen erfolgt.

Auch auf breiterer Ebene blieb die Nachfrage hoch. Nach den jüngsten Gold Demand Trends erreichte die weltweite Goldnachfrage einschließlich OTC-Geschäften im zweiten Quartal 1.269 Tonnen und lag damit ungefähr auf Vorjahresniveau. Für das erste Halbjahr ergaben sich 2.522 Tonnen, zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die hohe Preisbasis hat die Nachfrage damit bislang nicht in dem Umfang verdrängt, den ein rein zinssensitives Modell erwarten ließe.

 

Die Inflationsdaten entscheiden über die Qualität der Rally

 

Der Mittwoch könnte deshalb weniger einen neuen Trend erzeugen als den bestehenden testen. Fällt die US-Inflation stärker als erwartet, könnte der Renditedruck nachlassen und Gold eine makroökonomische Bestätigung für die jüngste Aufwärtsbewegung erhalten. Bleibt die Teuerung hartnäckig oder überrascht nach oben, würde der Markt dagegen zeigen müssen, ob seine derzeitige Widerstandsfähigkeit auch einem erneuten Anstieg der Zinserwartungen standhält.

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Gerade die zweite Variante wäre analytisch besonders aufschlussreich. Die starke Vorwoche lässt sich noch mit den schwachen Arbeitsmarktdaten und niedrigeren Zinserwartungen erklären. Der Montag liefert ein anderes Signal: Gold hält sich auch dann hoch, wenn Dollar und Renditen nicht helfen. Solange diese Entkopplung anhält, ist der Markt stärker als sein klassisches Zinsmodell vermuten lässt. Erst ein deutlicher Rückzug der Käufer unter verschärften monetären Bedingungen würde dieses Bild wieder relativieren.

Stand: Montagabend, 10.08.2026, während des laufenden US-Handels. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement des Dezember-Gold-Futures lag noch nicht vor.

 

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10.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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