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Gold hält die Rally vor dem Inflationstest zusammen

Das Zweimonatshoch wird zunächst nicht ausgebaut – nach der Neubewertung der US-Zinsen entscheidet nun die Inflationsseite, ob der jüngste Anstieg genügend Fundament besitzt

NTG24 - Gold hält die Rally vor dem Inflationstest zusammen

 

Nach dem kräftigen Wiederanstieg der vergangenen Tage ist aus der Aufholbewegung eine Bewährungsprobe geworden. Am Dienstag erreichte der Goldpreis zunächst den höchsten Stand seit Anfang Juni, konnte das neue Hoch aber nicht vollständig verteidigen. Das ist weniger ein Zeichen eines abrupten Stimmungswechsels als Ausdruck einer Marktphase, in der viele Positionen bereits auf schwächere US-Zinserhöhungserwartungen reagieren und nun auf deren Bestätigung durch die Inflationsdaten warten.

Gold (TVC:GOLD) stieg am Dienstag zunächst bis auf 4.434,84 US-Dollar je Feinunze. Gegen 17:05 Uhr MESZ lag der Spotpreis nach Angaben von Reuters bei 4.396,87 US-Dollar und damit noch 0,2 Prozent über dem Vortag. Der Markt gab also einen Teil seines frühen Gewinns zurück, hielt sich aber deutlich über den Niveaus, von denen die jüngste Erholung gestartet war.

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Gerade diese Intraday-Struktur verdient Aufmerksamkeit. Neue Käufer waren oberhalb von 4.400 US-Dollar vorhanden, doch der Sprung auf ein Zweimonatshoch löste zunächst keinen beschleunigten Anschlusskauf aus. Das Niveau um 4.400 US-Dollar wird damit kurzfristig vom bloßen Durchgangspunkt zur ersten Prüfung, ob aus der starken Gegenbewegung der vergangenen Woche ein belastbarerer Aufwärtstrend entstehen kann.

 

Der Arbeitsmarkt hat die Zinsrechnung verändert – noch nicht entschieden

 

Den Ausgangspunkt der jüngsten Neubewertung lieferte der schwache US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag. Die Zahlen reduzierten die Überzeugung, dass die Federal Reserve bereits auf ihrer nächsten Sitzung erneut straffen muss. Nach den am Dienstag von Reuters zitierten Terminmarktdaten wurde eine Zinserhöhung im September nur noch mit ungefähr 50 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist; für Dezember lag die Wahrscheinlichkeit weiterhin deutlich höher. Für Gold ist diese Differenz wesentlich: Der Markt hat eine unmittelbar bevorstehende Straffung teilweise ausgepreist, nicht aber das Risiko weiterer Zinserhöhungen vollständig beseitigt.

Damit verschiebt sich die Beweislast auf die Inflation. Das U.S. Bureau of Labor Statistics veröffentlicht den Verbraucherpreisindex für Juli am Mittwoch, dem 12. August, um 08:30 Uhr New Yorker Zeit. Eine nachlassende Teuerungsdynamik würde den jüngsten Rückgang der Zinserhöhungserwartungen stützen. Eine unerwartet feste Zahl könnte dagegen genau jene Rendite- und Dollarreaktion auslösen, gegen die Gold trotz des jüngsten Anstiegs weiterhin empfindlich bleibt.

Dass der Markt vor dieser Veröffentlichung Gewinne nicht vollständig abgibt, ist deshalb analytisch wichtiger als ein einzelner neuer Tageshöchststand. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack hatte zu Wochenbeginn für schrittweise Zinserhöhungen plädiert, um später stärkere Schritte zu vermeiden. Der geldpolitische Gegenwind ist damit keineswegs verschwunden. Gold handelt vielmehr in einer Zwischenphase, in der schwächere Beschäftigungsdaten gegen weiterhin vorhandene Inflationsrisiken stehen.

Auch der Terminmarkt verlangt eine saubere Trennung der Kursangaben. Reuters meldete US-Goldfutures gegen 17:05 Uhr MESZ bei 4.456,10 US-Dollar und 0,8 Prozent im Plus. Die CME Group führte am Dienstag auf ihrer Goldseite den Oktober-2026-Kontrakt GCV6; dessen angezeigte Kurse stammen jedoch aus anderen Aktualisierungszeitpunkten. Spotpreis, laufender Future und jeweilige Veränderungsbasis sind daher nicht unmittelbar gegeneinander aufzurechnen.

 

 

 

Unter der Tagesbewegung wächst wieder Investmentnachfrage

 

Die kurzfristige Zinsdebatte trifft inzwischen auf eine günstigere Nachfragebasis als noch vor einigen Wochen. Der World Gold Council meldete für Juli globale Zuflüsse von rund 3 Mrd. US-Dollar in physisch besicherte Gold-ETFs. Damit wurden zwei Monate mit Nettoabflüssen beendet. Die Bestände stiegen im Monatsvergleich um 23 Tonnen auf 4.068 Tonnen. Europa führte die regionalen Zuflüsse an.

Diese Entwicklung erklärt nicht den einzelnen Kursanstieg am Dienstag, verändert aber dessen Hintergrund. Eine Goldrally, die ausschließlich durch kurzfristige Future-Positionen getragen wird, reagiert besonders empfindlich auf eine erneute Verschiebung der Zinserwartungen. Neue ETF-Zuflüsse verbreitern dagegen die finanzielle Nachfragebasis. Hinzu kommt, dass der World Gold Council für den weiteren Jahresverlauf weiterhin eine bedeutende Rolle der Zentralbanken erwartet und Investmentnachfrage als wesentlichen Wachstumstreiber des Goldmarktes einstuft.

Technisch hat die Bewegung der vergangenen Tage die Ausgangslage deutlich verändert. Das am Dienstag erreichte Hoch bei 4.434,84 US-Dollar zeigt, dass Käufer inzwischen wieder oberhalb von 4.400 US-Dollar aktiv werden. Noch fehlt jedoch die Bestätigung, dass dieser Bereich dauerhaft akzeptiert wird. Solange die Notierung um 4.400 US-Dollar pendelt, bleibt das Zweimonatshoch eher eine unmittelbar getestete Widerstandszone als bereits überwundene Marke.

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Werbebanner EMH PM Trade Der bevorstehende Verbraucherpreisbericht bekommt deshalb ungewöhnlich viel Gewicht. Eine ruhige Inflationszahl könnte Gold erlauben, die seit den schwachen Arbeitsmarktdaten aufgebaute Zinsentlastung weiter auszunutzen. Ein überraschend hoher Wert würde dagegen prüfen, wie belastbar ETF-Nachfrage, geopolitische Absicherung und die jüngst zurückgekehrte technische Dynamik tatsächlich sind. Der Dienstag liefert darauf noch keine Antwort – er zeigt aber, dass Gold inzwischen hoch genug handelt, damit aus der nächsten US-Datenreaktion mehr als nur eine kurzfristige Schwankung werden kann.

Stand: Dienstagabend, 11.08.2026, gegen 18:25 Uhr MESZ beziehungsweise während des laufenden US-Handels. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement lag noch nicht vor.

 

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11.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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