Klarna IPO: Altaktionäre verlassen das Schiff
Nach Jahren der Verspätungen kommt das Klarna IPO - Ernüchterung über das Zahlenwerk
Wir warten schon seit mehreren Jahren auf das IPO von Klarna. Der schwedische Finanzdienstleister wurde einst als wertvollstes europäisches Start-up gehandelt. Von dem alten Glanz ist jedoch wenig übriggeblieben.
Die ersten Bewertungsindikationen für Klarna (SE0003490770) sind relativ moderat. Bedenkt man, dass es Private Equity Investoren gibt, die im Jahr 2021 Klarna Aktien gekauft haben zu einer Unternehmensbewertung von mehr als 45 Mrd. US-Dollar, dann sind die jetzt aufgerufenen 14 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung quasi ein Schnäppchen. Wer jedoch genau hinschaut und vor allem einen Peer-Vergleich anstellt, der wird schnell erkennen, dass das IPO (geplant: 09. September in New York) einige Haken und Ösen hat.
Wie gross ist das Geschäft von Klarna? Überraschend klein. Die Schweden kamen 2024 „nur“ auf einen Umsatz von 2,8 Mrd. US-Dollar. Im 2. Quartal lag das Umsatzniveau bei 823 Mio. US-Dollar, was annualisiert einem Jahresumsatz von 3,3 Mrd. US-Dollar für 2025 entsprechen würde. Für die Händler hat man im vergangenen Jahr ein Bruttozahlungsvolumen von rund 105 Mrd. US-Dollar abgewickelt. Das schwedische Unternehmen ist nicht nur in Europa aktiv, sondern vor allem auch auf dem amerikanischen Markt. Insgesamt bietet man weltweit seine Dienste in 26 Ländern an.
Altaktionäre verlassen das Schiff
Die Altaktionäre wollen das IPO als Exit nutzen. Insgesamt haben Aktionäre wie Heartland und Sequoia Capital 28,8 Millionen Aktien zum Verkauf angemeldet. Bei einem erwarteten Preis von 35 bis 37 US-Dollar je Aktie reden wir dann über 1,00 bis 1,07 Mrd. US-Dollar, die nicht dem Unternehmen zugutekommen, sondern lediglich eine Art Ablöse darstellen. Und das ist im historischen Kontext nicht gerade eine kleine Ablöse. Damit jedoch nicht genug: Die Altaktionäre haben den Emissionsbanken weitere 5,15 Millionen Aktien zum Verkauf in den ersten 30 Tagen nach dem Börsengang zugesagt, wenn diese das Wünschen. Das würde noch einmal bis zu 190,6 Mio. US-Dollar an Nachfrage nach Klarna Aktien aufsaugen, die nicht dem Unternehmen selbst zugutekäme. Denn Klarna selbst will nur 5,6 Millionen junge Aktien beim IPO verkaufen, was zu Erlösen in Höhe von 196 bis 207 Mio. US-Dollar führen würde.
Zur Einsortierung: Klarna hat allein im 1. Halbjahr 2025 -153 Mio. US-Dollar im operativen Geschäft verloren. Damit ergibt sich die Antwort auf die Frage, warum die Altaktionäre derart überstürzt das Unternehmen beim IPO verlassen wollen und dem Unternehmen nur Brotkrumen übriglassen, obwohl der Eigenkapitalbedarf vor dem Hintergrund der hohen Verluste auf der Hand liegt. Die neuen Aktionäre werden zudem wenige Rechte haben. Das Unternehmen hat ein Mehrklassen-Stimmrechtssystem aufgebaut. Damit bleibt auch nach der Börsennotierung gesichert, dass eine kleine Gruppe von Aktionären mit voraussichtlich wenig Eigenkapital das Geschehen bei Klarna in Zukunft weiter bestimmen wird.
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04.05.2025 - Mikey Fritz

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