Im Baukasten Prinzip bietet SAP der Kundschaft künftigt Cloud, KI und Co. in einem rein europäischen Modell
SAP setzt auf das Thema Sicherheit
Für Unternehmen und Behörden wird das Thema Digitale Souveränität immer wichtiger. Gemeint ist damit, wo genau Daten eigentlich gespeichert werden, wer Zugriff darauf hat und wie sie verarbeitet werden. Heutzutage sind daran in einer erdrückenden Anzahl an Fällen US-Unternehmen sowie deren Server beteiligt. Das kann insbesondere in sicherheitskritischen Bereichen problematisch sein.
Der deutsche Software-Riese SAP (DE0007164600) will dafür nun gewissermaßen ein Gegengewicht schaffen. Vorgestellt wurde kürzlich ein Rundum-sorglos-Paket, das vom Datenzentrum bis hin zu KI-Funktionen alles enthält und dabei auf eine Auslagerung von Daten auf Server außerhalb der EU verzichtet. Dabei ist man sich sehr bewusst darüber, dass jeder Kunde andere Anforderungen hat. Deshalb setzt SAP auf ein Baukasten-Prinzip, bei dem sich einzelne Funktionen nach Belieben wählen lassen.
Dem Kunden steht es beispielsweise frei, ob Daten in den Rechenzentren von SAP verarbeitet werden oder dies lieber lokal geschehen soll. Außerdem stehen verschiedene Optionen für Hardware, Software und Plattform zur Auswahl, aus denen Interessenten frei wählen können. Der Software-Anbieter beansprucht für sich, der einzige Vertreter der Branche zu sein, der vom Datenzentrum bis zu KI-Anwendungen die vollständige Leistungskette aus einer Hand abbilden kann.
Wahlfreiheit bei SAP
Abgeschottet werden müssen die Daten beim Angebot von SAP nicht, so dies nicht erwünscht ist. Der Konzern betont, auch weiterhin mit US-Anbietern wie Microsoft und Amazon zusammenzuarbeiten. Das ist oftmals auch notwendig, da deren Server eine konkurrenzlose Leistung bieten, mit der auch SAP nicht mithalten kann. Ob es m Einzelfall sinnvoll ist, im Austausch dafür auf etwas Sicherheit zu verzichten, diese Wahl obliegt in Zukunft bei SAP dem Kunden.
Schützen soll der Ansatz aber nicht nur vor möglichen politischen Entwicklungen, sondern auch vor Cyberattacken, deren Anzahl sich laut SAP seit den Corona-Jahren mehr als verdoppelt habe. Die Souveränität der Daten sei ein Knackpunkt für die Sicherheit und für viele Unternehmen daher schon lange Pflicht, so der Anbieter. Mit dem neuen Angebot soll Europas digitale Unabhängigkeit durch lokal betriebene und regulatorisch konforme Cloud-Lösungen geschaffen werden. Abnehmer müssen sich dann auch weniger Gedanken um die recht strengen datenschutzrechtlichen Anforderungen der EU machen, so zumindest das Versprechen von SAP.
Den einen oder anderen Abnehmer konnte SAP für das Ganze bereits gewinnen. Als Beispiel wurden der Rüstungskonzern Hensoldt und die Bundesarbeitsagentur genannt. Dabei handelt es sich zweifellos um Instanzen, die tagtäglich mit sensiblen Daten jonglieren und wo die Digitale Souveränität von höchster Wichtigkeit ist, oder zumindest sein sollte. Natürlich möchte SAP aber möglichst noch viele weitere Interessenten finden.
Große Pläne bei SAP
In Aussicht gestellt werden dafür stetige Verbesserungen und massive Investitionen. 20 Milliarden Euro will SAP im Laufe der nächsten zehn Jahre in seine souveräne Cloud investieren. Wohin genau das Geld fließen soll, wurde nicht näher benannt. Allerdings machten die Verantwortlichen klar, nicht zu einem Anbieter von Infrastrukturdiensten werden zu wollen. Die eigenen Rechenzentren stehen also nur den Kunden von SAP zur Verfügung. In Gespräche rund um den Bau von KI-Gigafactorys in der Europäischen Union sei man zwar eingebunden, dies aber in erster Linie als möglicher Großkunde.
SAP spielt mit dem neuen Angebot seine Vorteile voll aus und bietet für einige kritische Bereiche eine fast schon alternativlose Option an. Daher darf davon ausgegangen werden, dass es genügend Interessenten geben wird und sich interessante Chancen auf frische Umsätze bieten. In einem schwachen Handel ließen die Anleger sich am Dienstag davon aber nicht recht abholen. Die SAP-Aktie gab am Dienstag um 2,8 Prozent bis auf 227,25 Euro nach und setzte damit ihre schon seit Juni laufende Korrektur fort.
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03.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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