Ungemütliche Tage für SpaceX, Etappensieg für SAP, Kostenprobleme bei Amazon und Microsoft will Windows sparsamer machen
Der Fokus der Anleger in Sachen KI scheint sich ein wenig zu verschieben
Richtig geplatzt ist die KI- und Chipblase bisher noch nicht. Dafür sind die Bewertungen noch in viel zu hohen Sphären. Klar beobachten ließ sich zuletzt aber, dass die Anleger im Segment mittlerweile genauer hinsehen. Auf die Kosten wird sehr viel mehr geachtet und wenn ein Unternehmen außer bunten Zukunftsvisionen nicht viel in der Hand hat, wird es dafür schnell abgestraft.
Besonders gut lässt sich genau das bei der Aktie von SpaceX (US84615Q1031) beobachten. Nach einem fulminanten Börsengang wurde der Titel mittlerweile fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Träumereien über Rechenzentren im All scheinen kaum noch eine Rolle zu spielen. Stattdessen erinnern sich immer mehr Anleger daran, dass der Musk-Konzern abseits von Starlink ausschließlich Verluste generiert. Bisher zeichnet sich auch nicht ab, dass sich daran zeitnah etwas ändern würde.
Der Ausverkauf setzte sich in der ausgelaufenen Handelswoche fort und es dürfte Anfang August nicht einfacher werden. Denn bereits am Dienstag stehen die ersten Quartalszahlen des Börsen-Neulings an. Nur zwei Tage später laufen Haltefristen für über 900 Millionen Insider-Aktien aus. So SpaceX die Erwartungen nicht vollkommen sprengt, könnte das für weiteren Verkaufsdruck sorgen. Zum Wochenende notierte die Aktie noch bei 108,37 US-Dollar, näherte sich nachbörsliche aber schon weiter dem Allzeit-Tief bei 107,01 Dollar an.
SAP auf der Überholspur
Freundlicher wird momentan wieder die Aktie von SAP (DE0007164600) behandelt, die zumindest ein kleines Comeback hinlegen konnte. Nachdem vor gut einer Woche ein neues Tief bei 127,50 Euro erreicht wurde, ging es verglichen damit wieder um über 20 Prozent bis auf 157,68 Euro per Handelsschluss am Freitag aufwärts. Rückenwind gab es unter anderem vom Bundeskartellamt, welches Vorwürfe von Celonis über eine Behinderung des Wettbewerbs seitens SAP nicht zu verfolgen gedenkt.
Aus der Welt ist die Angelegenheit damit zwar noch nicht und Celonis gibt sich kampflustig. SAP kann aber erst einmal einen Etappensieg erringen. Die gute Laune der Anleger könnte indes auch damit zu tun haben, dass SAP bei den Kosten für KI und dazugehörige Infrastruktur genauer hinsieht. Investiert wird zwar weiterhin, allerdings nicht ohne Sinn und Verstand. Genau das ist der Stoff, der in der aktuellen Lage für Entspannung sorgen kann.
Ausufernde KI-Kosten bei Amazon
Wie schnell die Kosten bei der Nutzung von KI aus dem Ruder laufen können, zeigt ein Bericht der „Financial Times“ über Amazon (US0231351067). Allem Anschein nach sind dem Online-Giganten gleich bei mehreren Projekten die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Die Rede ist gar von „katastrophal teuren“ Kostenüberschreitungen.
Als Beispiel wird unter anderem ein Projekt genannt, bei dem via Claude Sonnet Autorendaten mit Einträgen im Online-Shop abgeglichen werden sollten. Dafür wurden 1,8 Millionen Dollar bezahlt, was das Budget mal eben um 860 Prozent überzog. Das ist für Amazon natürlich verschmerzbar. Doch die ausufernden Kosten sind wohl erst nach fünf Monaten aufgefallen und noch dazu entpuppte sich das Projekt als Fehlschlag. Die Amazon-Aktie stand am Freitag jedoch erst einmal im Zeichen hervorragender Quartalszahlen.
Microsoft will Windows zähmen
Gute Ergebnisse konnte zuletzt auch Microsoft (US5949181045) abliefern, sodass die Aktie zuletzt im tiefgrünen Bereich landete. Die Schattenseite des KI-Booms bekommt der Konzern jedoch auch zu spüren. Hohe Speicherpreise machen Hardware zu einem teuren Spaß. Viele Hersteller liebäugeln daher damit, gerade beim Arbeitsspeicher etwas zu sparen. Microsoft will hier nun aushelfen, indem der Speicherhunger von Windows 11 eingegrenzt werden soll. In Zukunft soll das System auch mit 8 GB auskommen können.
Notwendig ist das nicht zuletzt, da Linux und MacOS mit 8 GB Arbeitsspeicher recht gut auskommen und ein flüssiges Arbeiten ermöglichen. Davon kann bei Windows kaum die Rede sein, wie kürzlich unter anderem ein entsprechender Test des Portals „ComputerBase“ zeigte. Ob Microsoft Erfolg haben mag mit seinem Vorhaben, bleibt abzuwarten. Die Aktie wird dadurch momentan nicht weiter bewegt. Vollkommen uninteressant ist das Ganze aber nicht. Denn Windows ist für Microsoft noch immer ein wichtiger Hebel, um Nutzer im eigenen Ökosystem inklusive KI-Features zu halten. Sollen die Marktanteile hier erodieren, so wäre es auch für Anleger eine Gefahr.
Auf dem Prüfstand
Die Vorzüge von KI sind nicht von der Hand zu weisen und die Technologie wird uns in Zukunft weiterhin begleiten. Auch aus den Unternehmen ist das Ganze nicht mehr wegzudenken. Allerdings verschiebt die Wahrnehmung sich spürbar. Die KI-Integration erfolgt längst nicht mehr um jeden Preis, worauf auch die Anleger und Cloud-Betreiber reagieren werden müssen. Auf der Gewinnerseite dürften in Zukunft all jene landen, die mit vertretbaren Budgets möglichst hohes Wachstum auf die Beine stellen können.
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02.08.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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