Das Sultanat Oman und TUI machen bei neuen Hotels gemeinsame Sache, wobei auch Unternehmensanteile den Besitzer wechseln
TUI weitet seine Hotel-Strategie aus
Krisen aus den vergangenen Jahren hat TUI weitgehend hinter sich gelassen. Die Zahlen stimmen wieder weitgehend und die Prognose für das laufende Jahr wurde sogar leicht angehoben. Zu verdanken ist die positive Entwicklung vor allem dem starken Geschäft bei Kreuzfahrten und Hotels. Darauf bauen die Verantwortlichen weiterhin auf und nun konnte ein weiterer Verbündeter ins Boot geholt werden.
Am Donnerstag ließ TUI (DE000TUAG505) mitteilen, eine strategische Partnerschaft mit dem Sultanat Oman geschlossen zu haben. 1,4 Prozent der Unternehmensanteile gehen dorthin, sodass auch ein neuer Großinvestor gefunden wurde. Jener will sich auch tatkräftig an der Entwicklung von neuen Hotels im eigenen Land beteiligen. Gegründet werden soll ein Joint Venture, an dem TUI und Oman mit jeweils 45 Prozent beteiligt sind. Weitere zehn Prozent entfallen auf einen Finanzinvestor, dessen Name der Mitteilung nicht zu entnehmen war.
Entstehen sollen nun mehrere neue Hotels im Oman unter Markennamen von TUI. Die ersten fünf sollen in Dhofar stehen, wie TUI-Chef Sebastian Ebel zu verstehen gab. Das soll aber wohl nur der Anfang sein. Mittel- und langfristig ist die Entstehung eines sogenannten Clusters angedacht. Dabei werden verschiedene Regionen mit einer Vielzahl von Hotels ausgestattet, welche dann von TUI zum Teil mit eigenen Flugverbindungen bedient werden.
TUI plant ganzjährig
Ein ähnliches Modell verfolgt TUI bereits recht erfolgreich an anderen Orten, beispielsweise auf der Insel Sansibar. Das Engagement im Oman passt zur Unternehmensstrategie. Letztere zielt seit einer Weile darauf ab, neue Regionen zu erschließen und dort auch in der Nebensaison möglichst viele Urlauber zu begrüßen. Solche müssen auch nicht zwangsläufig aus Deutschland oder Europa stammen. Seit einer Weile zielt der Reiseveranstalter auch sehr bewusst auf Kundschaft aus Südamerika und Asien.
Dadurch lassen sich diverse Abhängigkeiten verringern. Die Hauptsaison rückt etwas in den Hintergrund und das Geschäft in Europa diktiert immer weniger die Bilanzzahlen. Realisiert wird dies über margenstarke Kanäle, was bei den Anlegern gut ankommt. Die TUI-Aktie reagierte auf die jüngste Partnerschaft am Donnerstag zunächst mit satten Gewinnen und für einen kurzen Moment konnte die 8-Euro-Marke wieder überschritten werden. Zu Handelsschluss reicht es immerhin noch für einen Kurs von 7,98 Euro; der Tagesgewinn belief sich auf knapp ein Prozent.
Dass die Reaktion nicht stärker ausfiel, dürfte daran liegen, dass es sich um ein eher langfristiges Vorhaben handelt. Positive Auswirkungen in der Bilanz sind so schnell nicht zu erwarten, womit der Horizont vieler Investoren schlicht überschritten wird. Zudem sieht nicht jeder die Investitionswut von TUI gerne, auch wenn in diesem Fall durch die Beteiligung wohl einiges an Geld in die Kassen gespült werden dürfte. Der Konzern blickt dennoch auf einen echt üppigen Schuldenberg, der die Anleger immer wieder in die Defensive schickt und Shortseller magisch anzieht.
TUI: Alles auf zwei Karten?
Dass TUI mit Kreuzfahrten und Hotels sehr erfolgreich unterwegs ist, lässt sich kaum bestreiten und so scheint es nur sinnvoll, das Engagement in diesen Bereich weiterhin auszubauen. Anderswo hat das Unternehmen aber schon bessere Zeiten erlebt. Kritische Naturen sehen daher in der neuesten Partnerschaft ein weiteres Anzeichen dafür, dass das Unternehmen sich vielleicht zu sehr auf die beiden Wachstumsträger verlässt und das einstige Kerngeschäft mit Pauschalreisen etwas aus den Augen verliert.
Die Zeit wird zeigen, ob dieser Ansatz letztlich der richtige ist. Etwas Optimismus ist aber gerechtfertigt. TUI hat sich in den letzten Jahren sehr gemausert und die Corona-Krise endgültig hinter sich gelassen. Dass dazu überhaupt eines Tages kommen würde, hätten viele dem Unternehmen vor einigen Jahren kaum zugetraut. Der Kurs bildet den Turnaround bislang noch nicht adäquat ab, was für interessante Chancen spricht. Dass dies der Fall ist, liegt aber auch an einem hohen Engagement von Leerverkäufern, welche der Aktie in Zukunft weiterhin zuzusetzen versuchen werden. Das bedeutet für Anleger leider auch ein Risiko.
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19.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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