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TUI muss den Last-Minute-Sommer retten

Wenige Tage vor den Q3-Zahlen entscheidet sich, ob spätere Buchungen, höhere Preise und starke Kreuzfahrten die geopolitischen Belastungen ausreichend auffangen

NTG24 - TUI muss den Last-Minute-Sommer retten

 

Für TUI beginnt die interessanteste Phase des Geschäftsjahres nicht erst mit den nächsten Quartalszahlen. Sie läuft längst an den Flughäfen, in den Hotels und auf den Buchungsplattformen. Nach einem schwierigen Frühjahr setzt der Reisekonzern darauf, dass viele Kunden ihren Sommerurlaub lediglich später buchen und nicht vollständig streichen. Am 12. August wird sich zeigen, wie gut diese Rechnung bislang aufgegangen ist.

TUI (DE000TUAG505) geht mit ungewöhnlich vielen beweglichen Teilen in die Berichtswoche. Der Konflikt im Nahen Osten hat Reisen verschoben, Kreuzfahrtrouten gestört und Treibstoffkosten belastet. Gleichzeitig blieben Kreuzfahrten und große Teile des Hotelgeschäfts robust. Genau diese Mischung macht Q3 zum Test, ob das breitere Geschäftsmodell tatsächlich stabiler geworden ist.

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Die Ausgangslage ist anspruchsvoll. TUI musste seine ursprüngliche Jahresprognose bereits im April zurücknehmen. Statt eines Anstiegs des bereinigten EBIT um 7 bis 10 % erwartet der Konzern für das Geschäftsjahr 2026 nun 1,1 bis 1,4 Mrd. Euro. Die frühere Umsatzprognose wurde vorerst ausgesetzt. Damit geht es nächste Woche nicht nur um ein Quartal, sondern um die Frage, wo innerhalb dieser breiten Ergebnisspanne TUI tatsächlich landen kann.

 

Das eigentliche Risiko steckt im Buchungszeitpunkt

 

Schon im Mai war klar, dass der Sommer anders verläuft als ursprünglich geplant. Kunden hielten sich länger zurück, vor allem bei Reisen in Teile des östlichen Mittelmeerraums. TUI berichtete zugleich von einer Verschiebung der Nachfrage in Richtung Spanien, Balearen, Kanaren und Griechenland.

Das Management argumentierte deshalb, dass schwächere Vorausbuchungen nicht automatisch schwächere Gesamtnachfrage bedeuten. Ein größerer Teil des Geschäfts sollte schlicht später hereinkommen. Genau diese These wird mit den Q3-Zahlen überprüfbar. Auch andere Reiseveranstalter berichteten im Juli über stärker anziehendes Last-Minute-Geschäft, nachdem viele Kunden Entscheidungen zuvor hinausgezögert hatten.

Für Anleger ist damit weniger entscheidend, ob einzelne Destinationen schwächer liefen. TUI muss zeigen, dass der Konzern Kapazitäten schnell genug umlenken und spätere Nachfrage zu vernünftigen Preisen einsammeln konnte. Gerade darin liegt der Vorteil eines integrierten Reisekonzerns – zumindest theoretisch.

 

Kreuzfahrten bleiben der stärkste Puffer

 

Operativ kam der wichtigste Schutz zuletzt aus den eigenen Urlaubserlebnissen. Im zweiten Geschäftsquartal erzielte Holiday Experiences ein bereinigtes EBIT von 176 Mio. Euro. Besonders die Kreuzfahrten blieben stark. Im gesamten ersten Halbjahr erhöhte sich das bereinigte EBIT des Kreuzfahrtsegments um 25,9 % auf 163,5 Mio. Euro.

Das geschah trotz erheblicher Störungen. Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 konnten infolge des Iran-Konflikts zeitweise nicht regulär eingesetzt werden. Dennoch lagen die durchschnittlichen Tagesraten über dem Vorjahresniveau. Der Halbjahresbericht von TUI zeigt damit recht deutlich, warum Hotels und Kreuzfahrten für die neue Konzernstruktur so wichtig sind: Sie können Schwäche im klassischen Veranstalter- und Airlinegeschäft zumindest teilweise abfedern.

Genau darauf dürfte der Markt nächste Woche erneut achten. Ein stabiler Reisekonzern darf nicht ausschließlich davon abhängig sein, wie viele Pauschalreisen in Deutschland einige Wochen vor Abflug verkauft wurden.

 

Die Aktie wartet auf eine neue Richtung

 

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Werbebanner EMH PM TradeDer Kurs spiegelt diese Unsicherheit wider. Nach der Prognosesenkung im Frühjahr verlor die TUI-Story einen Teil ihres zuvor aufgebauten Schwungs. Gleichzeitig blieb der Titel weit davon entfernt, einen vollständigen operativen Rückfall einzupreisen. Anleger scheinen vielmehr auf Klarheit zu warten: Wie stark war das Last-Minute-Geschäft tatsächlich, und wie teuer waren geopolitische Störungen und höhere Energiekosten?

Vor den Zahlen ist deshalb weniger ein einzelner Tageskurs interessant als die asymmetrische Erwartung. Eine Bestätigung des oberen Bereichs der neuen EBIT-Spanne könnte Vertrauen zurückbringen. Sollte TUI dagegen erkennen lassen, dass selbst 1,4 Mrd. Euro nur noch schwer erreichbar sind, dürfte die Diskussion schnell wieder auf Nachfrage und Margendruck zurückfallen.

 

 

 

Das erste Halbjahr war besser als die Schlagzeilen

 

Die bisherige operative Entwicklung bietet TUI durchaus eine Basis. Das bereinigte EBIT verbesserte sich im ersten Halbjahr um 45 Mio. Euro auf minus 111 Mio. Euro. Im saisonal schwachen zweiten Quartal lag der bereinigte operative Verlust bei 188 Mio. Euro und damit rund 19 Mio. Euro unter dem Vorjahresverlust. Gleichzeitig belasteten allein der Iran-Konflikt und der Hurrikan in Jamaika das Quartal mit zusammen rund 45 Mio. Euro.

Auch Markets + Airline konnte das Ergebnis im zweiten Quartal verbessern. Das bereinigte EBIT stieg dort um 7 % auf minus 339,5 Mio. Euro. Effizienzmaßnahmen wirken also. Genau das muss im Sommergeschäft nun stärker sichtbar werden, denn im dritten und vierten Geschäftsquartal verdient TUI den Großteil seines Jahresgewinns.

Interessant bleibt außerdem der Preishebel. Für Hotels erwartete TUI im zweiten Halbjahr zuletzt höhere Durchschnittsraten, ebenso bei Kreuzfahrten. Höhere Preise können einen Teil geringerer Auslastung kompensieren – allerdings nur solange Kunden sie akzeptieren und kurzfristige Rabatte das Bild nicht wieder verwässern.

 

Der 12. August wird zum Glaubwürdigkeitstest

 

Die Quartalszahlen am kommenden Mittwoch treffen deshalb auf eine andere Ausgangslage als noch zu Jahresbeginn. Damals ging es darum, ob TUI den Erholungskurs fortsetzen kann. Jetzt geht es darum, ob das Unternehmen trotz geopolitischer Störungen seine eigene Widerstandsfähigkeit demonstrieren kann.

Die entscheidenden Hinweise dürften weniger aus einer einzelnen Umsatzkennzahl kommen als aus dem Sommergeschäft selbst: kurzfristige Buchungsdynamik, Preisentwicklung, Kapazitätssteuerung und die Belastung durch Treibstoff sowie Umleitungen. Ebenso wichtig bleibt die Frage, ob das Management sein Ziel aufrechterhält, beim bereinigten EBIT möglichst nahe an das Vorjahresniveau von rund 1,4 Mrd. Euro heranzukommen.

Damit besitzt TUI vor den Zahlen durchaus Erholungspotenzial, aber kaum Raum für weitere Ausreden. Die starke Nachfrage nach Kreuzfahrten und das verbesserte erste Halbjahr zeigen, dass der Konzern operativ widerstandsfähiger geworden ist. Nun muss aus dem versprochenen Last-Minute-Sommer tatsächlich Ergebnis werden. Genau daran dürfte die Börse die Aktie in der kommenden Woche messen.

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06.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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