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Jack Henry: Themendepot Zukunftstechnologien

Update zum Themendepot Zukunftstechnologien 16.08.2020

 

In der abgelaufenen Woche präsentierten sich die internationalen Aktienmärkte in einer freundlichen Verfassung. Der MSCI World (Euro)-Index legte um weitere + 0,8 % zu.

Das Thema einer möglicherweise anstehenden 2. Welle der Corona-Pandemie strahlte auch in der letzten Woche auf die weltweiten Börsen kaum noch aus, da sich in den USA die täglichen Neuinfektionszahlen seit 24.07. weiterhin stetig abschwächen und sich außerdem die Nachrichten relativ zeitnah bevorstehender (z.B. MODERNA / USA und CUREVAC / Europa) bzw. in China und Russland angeblich sogar bereits erfolgter Impfstoffzulassungen gegen das COVID 19-Virus weltweit zunehmend mehrten.

Darüber hinaus hatte der bislang sehr erfreuliche Verlauf der Gewinnberichtsperiode in den USA zum 2. Quartal auch weiterhin Bestand. Nachdem per 14.08. 91 % aller S&P 500-Konzerne ihre Zahlen veröffentlicht hatten, konnten weiterhin in 81 % aller Fälle die Nettogewinnschätzungen der Analysten übertroffen werden, was ein herausragender Wert ist, der den historischen Langfrist-Durchschnitt von nur 65 % und auch die durchschnittliche positive Gewinnüberraschungsquote der letzten 4 Quartale von 71 % beträchtlich übersteigt. Für das 3. Quartal prognostizieren die Analysten im Konsens nun eine weitere Reingewinneinbuße im S&P 500-Index um - 23 % gegenüber dem Vorjahr, nachdem im 2. Quartal bislang ein Gewinneinbruch von - 34 % gegenüber dem Vorjahr eingetreten war.

Gegenüber den USA weist das Gesamtbild der Quartalsberichtperiode in Europa dagegen weiterhin eine deutlich schlechtere Verfassung auf. Nachdem bislang 45 % aller STOXX 600-Konzerne ihre Zahlen zum 2. Quartal vorgelegt haben, konnten lediglich 60 % von ihnen die Gewinnkonsensprognosen der Analysten übertreffen, was damit allerdings den langfristigen Durchschnitt von nur 50 % ebenfalls klar überragt. Andererseits übertrifft der bislang entstandene Reingewinnrückgang von - 52 % innerhalb des STOXX 600-Index gegenüber dem Vorjahr die in den USA gesehenen Nettogewinneinbußen ebenfalls deutlich.

Unter globalen makroökonomischen Aspekten war in der letzten Woche besonders herauszustellen, dass gemäß der ZEW-Konjunkturumfrage im August die derzeitige Lagebeurteilung in der Eurozone (- 89,8) wie auch in Deutschland (- 81,3) unverändert am Boden liegende Werte unterhalb jeglicher vorheriger Expertenschätzungen aufweist, während dagegen die im August überraschend stark ausgefallenen zukunftsgerichteten ZEW – Konjunkturerwartungswerte in der Eurozone (+ 64,0) und Deutschland (+ 71,5) derzeit jeweils sogar die höchsten Niveaus seit ca. 15 Jahren verzeichnen.

Von charttechnischer Seite ist der MSCI World-Index, unverkennbar auch durch die sehr positiven ZEW-Konjunkturerwartungswerte für Europa geprägt, nun weiter in seinen primären historischen Aufwärtstrendkanal vorgestoßen, was bis zur Erreichung seiner Grenze auf kurze Sicht prinzipiell ein weiteres Index-Kurspotenzial von mindestens rd. 5 % entstehen lässt. Dennoch ist die internationale Aktienbewertung mit einem für 2021 geschätzten MSCI World Index-KGV von derzeit 20 auch weiterhin ohne Frage als wenig attraktiv einzustufen und weist, vor allem verursacht durch die Bewertungsprämie des MSCI USA – Index (KGV 2021e: 22,5), aktuell auf den höchsten Stand seit Anfang 2002 auf. Hier müssen die Berichtsvorlagen der Unternehmen in den kommenden Quartalen also schon sehr positiv ausfallen, um den aktuell großzügig bemessenen Vorschusslorbeeren tatsächlich auch zu gerecht zu werden.

Die derzeitige Aktienquote von rd. 88 % behalten wir in unseren fundamental- wie bewertungsanalytisch grundsätzlich sehr sorgfältig und risikokontrolliert geführten Strategie- und Themendepots vorläufig unverändert bei.

 

Chart: MSCI WORLD (Euro) – Index

 

Chart:  MSCI World Euro - Index

 

Entgegen dem in der letzten Woche stark konjunkturzyklisch geprägten Anstieg des MSCI World-Aktienindexes gab das grundsätzlich nur begrenzt konjunkturabhängige und daher langfristig umso wachstumsdynamischere Themendepot ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN in der letzten Woche um - 1,1 % nach.

Hierdurch errechnet sich auf Euro-Währungsbasis aktuell eine Nettoperformance des Depots (vor Dividenden) von + 17,5 % seit Auflegung am 04.05.2020, womit gegenüber dem MSCI World (Euro) - Index weiterhin eine klare Outperformance von + 6,8 % behauptet werden konnte.

Spitzenreiter in der Depotentwicklung war in der vergangenen Woche neben dem ohne fundamental neue Nachrichten gestiegenen norwegischen Solarpark-Ausrüster SCATEC SOLAR (NO0010715139 / + 9,1 %) die Aktie des in den USA zu den führenden IT-Beratungsdienstleistern für das Bankgewerbe zählenden Konzerns JACK HENRY & ASSOCIATES (US4262811015 / + 5,6 %).

Ohne Zweifel erfolgte der Kursanstieg in der Aktie von Jack Henry dabei in Erwartung eines sehr guten Ergebnisses für das abgeschlossene 4. Geschäftsquartal 2019/20 (per 30.06.2020), das der Konzern gestern am 18.08. nachbörslich präsentierte.

Jedoch wurden die hochgesteckten Markterwartungen mit der gestrigen Zahlenvorlage klar enttäuscht, so dass die Aktie aktuell an ihrer Hauptbörse NASDAQ einen satten Kursabschlag von mehr als - 12 % aufweist.

Im 4. Quartal 2019/20 verfehlte Jack Henry mit der Erzielung eines Umsatzes von 410,5 Mio. USD die Analysten-Konsensprognose geringfügig um 2,0 Mio. USD. Allerdings bedeutete die enttäuschende Umsatzpublikation, dass hiermit das Vorjahresniveau nur noch um + 4,2 % übertroffen wurde, während im gesamten Geschäftsjahr 2019/20 immerhin eine Umsatzausweitung um + 9 % zu Buche stand. Auf sequenzieller Basis gegenüber dem Vorquartal entwickelte sich der Umsatz gar um - 3,7 % rückläufig, was der Vorstand vor allem mit einer Corona-bedingten Verzögerung der Kundenausstattungen mit bzw. Aufschaltungen auf das zuletzt von Jack Henry neu eingeführte Kreditkartenabbuchungssystem innerhalb der Division „Payments“ (35 % Konzernumsatzanteil) begründete. Bedingt durch diese Beeinträchtigungen der systemtechnischen IT-Abläufe im Kreditkarten-Zahlungsverkehr entwickelte sich auch das Volumen des Kreditkartentransaktionsaufkommens bei Jack Henry im abgelaufenen Quartal rückläufig.

Auch die nachfolgende Ebene der EBIT-Betriebsgewinnentwicklung enttäuschte im 4. Quartal 2019/20, da sich hier infolge eines 20 %-igen Anstiegs der Forschungs-, Entwicklungs- und zugehörigen Personalkosten für die Einrichtung diverser neuer digitaler Abwicklungsplattformen in allen 3 Geschäftsdivisionen (detailliertes Profil : siehe unsere Analyse vom 14.05.) im 4. Quartal insgesamt ein operativer EBIT-Rückgang von - 3% gegenüber dem Vorjahr eingestellt hat (EBIT Gesamtjahr 2019/2020: + 10 % gegenüber Vorjahr).

Der Nettogewinn je Aktie konnte im 4. Quartal 2019/20 unter dem Strich schließlich zumindest noch um kaum nennenswerte + 1 % gegenüber dem Vorjahr auf 0,80 USD je Aktie gesteigert werden (Analystenkonsens: sogar nur 0,78 USD je Aktie), während auf Gesamtjahres-Basis 2019/20 immerhin noch ein deutlicher Nettogewinnanstieg um + 10 % erzielt werden konnte.

 

Aktienchart: JACK HENRY & ASSOCIATES (in USD)

 

Chart: Jack Henry Associates

 

War die Berichtsvorlage von Jack Henry für das abgelaufene Geschäftsjahr also bereits recht unerfreulich, so war es jedoch anschließend vor allem ein mehr als verhaltener und auch deutlich hinter dem bisherigen Analystenkonsens zurückbleibender Unternehmensausblick auf das laufende Jahr 2020/21, der die Aktie heute völlig zu Recht auf Talfahrt schickte.

Denn vor allem aufgrund einer erwarteten Fortsetzung Corona-bedingter Systeminstallations-Verzögerungen auch bis ins laufende Geschäftsjahr hinein erwartet zwar Jack Henry in 2020/21 eine auf Analystenkonsens-Niveau liegende, bescheidene Umsatzausweitung um ca. + 3,5 % auf 1,75 - 1,77 Mrd. USD, verfehlt die bisherige Analysten-Konsensprognose einer Reingewinnerzielung von rd. 4,08 USD je Aktie mit der jetzigen Unternehmensankündigung einer voraussichtlichen Nettogewinnerzielung von nur rd. 3,70 - 3,75 USD je Aktie (gleichbedeutend mit einem geschätzten mittleren Reingewinnrückgang um ca. - 3,6 % gegenüber 2019/20) jedoch erheblich.

Da die Aktie auf Basis der neuen, sogar einen Reingewinnrückgang in 2020/21 unterstellenden Unternehmensprojektionen mit dem neuen rechnerischen KGV (2020/21e) von aktuell rd. 47 aus unserer Sicht selbst nach dem heutigen herben Kursrückschlag immer noch sehr stolz bewertet ist, und zudem auch die Charttechnik ein weiteres Korrekturpotenzial zumindest bis auf rd. 159 - 160 USD eröffnet (Kurs aktuell: 173 USD), stellen wir die Aktie in unserem Themendepot ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN zum morgigen Eröffnungskurs (20.08.) an der NASDAQ zum Verkauf.

 

 

19.08.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de