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Wirecard, Facebook & Co.

Biometrische & digitale Zahlungssysteme

 

Die globalen Zahlungssysteme stehen am Anfang einer radikalen Entwicklung, so viel steht fest. Nach dem Bitcoin-Hype des letzten Jahres und den daraus gelernten Fehlern und Schlussfolgerungen, kommt nun erneut Schwung in die Idee der Kryptowährungen. Welche Chancen entstehen hier für Investments, welche Aktien sind interessant?

 

Der Stein des Anstoßes kommt von FACEBOOK.

 

In der aktuellen Ausgabe des "Zürcher Trends" gehen wir näher darauf ein und beantworten auch die Frage wie FACEBOOK einzuordnen ist. Interessant war vor allem die Reaktion der Zentralbanken auf den Vorstoß von FACEBOOK: Während EZB und Fed sich umgehend besorgt äußerten, zeigte sich die Bank of England durchaus offen für die Idee, allerdings auch nicht mit weit geöffneten Türen (open mind, but not open doors.). Mehr noch: Den am Zahlungsverkehr teilnehmenden Nichtbanken soll erlaubt werden Depositen bei der Zentralbank über Nacht zu lagern. Damit würde ein weiteres Bankenprivileg fallen. Das ist klug, denn eines ist sicher: es ist der Verbraucher der letztendlich über den Erfolg oder Misserfolg einer Kryptowährung entscheidet. In Asien zeigt sich wie das funktionieren kann: 78% der Chinesen nutzen die mobile Zahlungsmöglichkeit von WeChat Pay täglich und am Münchner Flughafen bieten mittlerweile 70 Läden diese Möglichkeit der Zahlung an.

Eine jüngste Umfrage zu dem Thema zeigt: Hierzulande wünschen sich mittlerweile 35 % aller Verbraucher mehr Möglichkeiten, mit dem Smartphone zu bezahlen. Über die Hälfte der Befragten (52 %) hält zwar digitale Bezahlmöglichkeiten für unsicherer als Bargeldzahlungen, sind aber dennoch der Überzeugung, dass sich digitale Bezahlmethoden in Zukunft durchsetzen werden (88 %) und bequemer als Zahlungen mit Bargeld sind (81 %). Kritisch wird gesehen, dass digitale Zahlungsmethoden zum unnötigen Geldausgeben (75 %) verleiten und Banken zum ausufernden Sammeln von persönlichen Daten (74 %). So oder so: unter dem Strich wird die Bequemlichkeit siegen.

 

WIRECARD ist hier ganz vorne dabei. 

 

Nach der Ankündigung in naher Zukunft die Möglichkeit mithilfe von biometrischen Merkmalen Zahlungen auszulösen beziehungsweise durchführen zu können bzw. diese zu bestätigen entsteht auch hier neue Fantasie. Konkret ist geplant, dass mithilfe des Scans der Handfläche oder des Gesichts eine Zahlung verifiziert werden kann. WIRECARD betont im Rahmen dieser Ankündigung, dass sich die Möglichkeiten dieser Variante nicht bloß auf klassische Einzelhandelssituationen beschränke, sondern auch im Öffentlichen Nahverkehr, bei Festivals und sonstigen Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Auch hier wird der Markt bzw.  der Verbraucher und der Händler entscheiden, doch die Vorstellung sich eines Tages keine PIN-Nummer oder Passwörter merken zum müssen dürfte vielen gefallen. Aus diesem Grund hatten wir schon früher bemerkt: Unter dem Strich macht auch ein umstrittenes Unternehmen wie WIRECARD mehr richtig als falsch und sollte zumindest in einem strategisch richtig ausgerichtetem Depot nicht fehlen.

Fazit: Das Thema "Kryptowährung" und neue Zahlungssysteme wird nach dem Einstieg von FACEBOOK ein neues Trendthema. Man sollte sich hier nicht täuschen lassen: FACEBOOK, WIRECARD und alle anderen schicken sich an der ureigenen staatlichen Institution des Geldes Konkurrenz zu machen. Das ist mit Sicherheit keine schlechte Idee und kommt auch zeitlich gelegen, aber spätestens jetzt sollten sich die Zentralbanken ernsthaft Gedanken über die Einführung eines digitalen Zentralbankgeldes machen, wenn sie auch in Zukunft eine führende Rolle im Bereich des Zahlungsverkehrs wahrhaben wollen. Tun sie das nicht, wird ihnen die Kontrolle über das Geldsystem noch schneller entgleiten als es ohnehin schon der Fall ist. Es wird ernst. Ob nun WIRECARD, FACEBOOK, APPLE, oder ALIBABA bzw TENCENT hier die Favoriten sind wird zu durchleuchten sein. Wichtig ist nur für den klugen Anleger: früh dabei sein ist alles. Daher wird dieses Thema für uns in den kommenden Wochen und Monaten von hoher Bedeutung bleiben.

 

25.06.2019 - Jens Bernecker - jb@ntg24.de

 


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