Bei der Sperrung von Fable 5 und Mythos 5 war Amazon anscheinend nicht ganz unbeteiligt
Amazon macht sich Sorgen um Sicherheitslücken
Die plötzliche und unerwartete Sperrung der KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 sorgte in der vergangenen Woche für einen Paukenschlag in der KI-Welt. Ausgegangen ist der Schritt von der US-Regierung, welche eine Sperrung weltweit für ausländische Bürger einforderte. Da Anthropic dies nicht kurzfristig umsetzen konnte oder wollte, wurde der Zugang für sämtliche Nutzer gesperrt. Sorgen bereitet vielen die Fähigkeit von Claude Mythos, Sicherheitslücken aufzudecken und damit Cyberkriminellen leichtes Spiel zu verschaffen.
Dass derartige Sorgen im Weißen Haus hitzig diskutiert wurden, ist laut einem Bericht von „Politico“ wohl auch auf Amazon (US0231351067) zurückzuführen. Niemand Geringeres als CEO Andy Jassy soll demnach eine Warnung ausgesprochen habe. Jassy sorgte sich darum, dass Sicherheitsvorkehrungen bei den neuen Top-Modellen umgangen werden könnten. Auf diese Weise könnten Nutzer sich Zugang zu eigentlich gesperrten Funktionen verschaffen. Ähnliche Töne gab es auch von anderen Unternehmen. Medienberichten zufolge sollen mindestens fünf weitere Konzerne vor Gefahren gewarnt haben, welche von der US-Regierung dazu befragt wurden. Um wen es sich dabei handeln könnte, ist allerdings nicht bekannt.
Amazon ist einer der größten Investoren von Anthropic, sodass man mit einer solchen Warnung ein Stück weit gegen eigene Interessen zu handeln scheint. Gleichwohl wäre es wohl wenig erfreulich, würde aus Fable 5 und Mythos 5 ein handfester Skandal erwachsen, sollten dubiose Naturen sich Zugang zu den erweiterten Fähigkeiten verschaffen können. Anthropic selbst kann das nicht recht nachvollziehen. Dem Anbieter zufolge gebe es keinen allgemeinen Jailbreak, sondern lediglich eine partielle Schwachstelle.
Ist das gut oder schlecht für Amazon?
Im Weißen Haus ließ man sich davon allerdings nicht beruhigen. Am Freitag kam es offenbar zu hitzigen Diskussionen, an denen neben Cyber-Direktor Sean Cairncross und Handelsminister Howard Lutnick auch Finanzminister Scott Bessent beteiligt gewesen sein soll. Nach dem Meeting gab es anscheinend Probleme, Anthropic-Chef Dario Amodei zu erreichen, welcher sich in einer Wellness-Auszeit befand. Auch dieser Darstellung widerspricht Anthropic allerdings und ließ wissen, dass Amodei innerhalb von 75 Minuten am Telefon gewesen sei.
Mit letzter Sicherheit lässt sich aktuell nicht zurückverfolgen, wie die Dinge verlaufen sein mögen. Klar ist erst einmal nur, dass KI-Modelle von Anthropic gesperrt wurden, weil diese auf höchster Ebene als zu gefährlich für die breite Bevölkerung eingestuft wurden. Das wirft zahlreiche Fragen auf, insbesondere darüber, ob und wie die Regierung in Zukunft noch in den Markt eingreifen könnte. In der EU wird außerdem nur allzu offensichtlich, wie problematisch die Abhängigkeit von US-Tech-Unternehmen ist.
Zugleich ist das Ganze aber natürlich auch gute Werbung für Anthropic. Die Sperrung durch die Regierung ist schon fast eine Art Ritterschlag. In den Augen der Öffentlichkeit werden die KI-Modelle des Unternehmens damit zur Crème de la Crème gekürt. Das könnte sich noch auszahlen, wenn der Börsengang von Anthropic ansteht. Kommt dabei auch nur annähernd so viel Begeisterung wie erhofft auf, dürfte auch Amazon schwer profitieren.
Anthropic muss nachbessern
Gleichzeitig ist es schwer im Interesse von Amazon, dass Fable 5 und Mythos 5 so bald wie möglich wieder in den Betrieb gehen werden. Denn nur dann ist auch die eigene Cloud-Infrastruktur dafür gefragt. Zunächst muss Anthropic aber noch nachbessern. So Anthropic die beanstandeten Schwachstellen beseitigt, könnte die ausgesprochene Exportkontrollanordnung wieder aufgehoben werden, heißt es aus Regierungskreisen.
Das Thema wird auch an der Börse aufmerksam verfolgt, da es Konsequenzen weit über Anthropic hinaus nach sich ziehen könnte. Bisher waren die USA extrem locker im Umgang mit KI-Systemen. Eine Regulierung fand kaum bis gar nicht statt. Nun stellt sich die Frage, ob es dabei auch bleiben wird. Die Aktionäre von Amazon erkennen sowohl Chancen als auch Risiken. Folgerichtig fand die Aktie zuletzt keine klare Richtung. Am Freitag gab der Kurs zunächst um 1,2 Prozent auf 238,55 US-Dollar nach, konnte dies nachbörsliche aber wieder vollständig ausgleichen.
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15.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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