BMW ohne Erholung, Gegenwind für BYD aus Europa, TUI moniert unnötige Kosten durch Reisesicherungsfonds und SAP wird von den Börsianern weiter ignoriert
Zum Ende der Woche ließ die Erholung an den Börsen wieder deutlich nach
Die ausgelaufene Handelswoche startete stark, ging nun aber eher mau zu Ende. Zweifel daran, ob aus der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran tatsächlich noch ein dauerhaftet Frieden entstehen mag, trieben den DAX letztlich wieder unter die Marke von 25.000 Punkten. Derweil legten die Ölpreise wieder etwas zu und feiertagsbedingt fehlte es an einigen Impulsen aus Übersee.
Die wohl größte Belastung für die hiesigen Märkte war aber vermutlich nicht einmal der Ölpreis, sondern eine Gewinnwarnung von BMW (DE0005190003). Um den Autobauer scheint es noch schlechter bestellt zu sein als bisher angenommen. Quittiert wurde dies nun auch noch von einem negativen Ausblick seitens der Ratingagentur Moody’s, wie unter anderem „n-tv“ berichtet.
Der Ausverkauf endete am Freitag zwar und die BMW-Aktie konnte sich minimal um 0,4 Prozent bis auf 59,98 Euro verbessern. Dort bleibt es allerdings bei einem Kursverlust von schmerzhaften 13,2 Prozent im Wochenvergleich. Pessimistischer werden letztlich auch die Analysten. UBS senkt das Kursziel von 88 auf noch 70 Euro und vergibt lediglich eine neutrale Einstufung. Selbst Optimisten dürfte es immer schwerer fallen, Raum für ein (schnelles) Comeback zu erkennen.
BYD lässt sich nicht beeindrucken
Ein möglicher Hebel könnte es sein, die Bedingungen gegenüber der immer härteren Konkurrenz aus China zu verschärfen. Genau daran arbeitet Medienberichten zufolge die EU-Kommission. Nachdem die Hersteller aus Fernost nun schon seit Längerem mutmaßlich Hybridfahrzeuge besonders pushten, um geltende Zollregelungen zu umgehen, soll wohl an genau dieser Stelle nachjustiert werden. Das könnte BYD (CNE100000296) und Co. das Leben etwas schwerer machen.
Allerdings ist fraglich, ob neue Zölle den Preisvorteil von BYD vollständig egalisieren würden, und noch dazu arbeitet das Unternehmen ohnehin schon seit Längerem am Aufbau einer lokalen Produktion. Die Expansion in Europa genießt höchste Priorität, nicht zuletzt aufgrund fehlender Wachstumsimpulse aus dem Heimatmarkt. Während der Konzern eher unbeeindruckt ist, machen die Anleger sich allerdings immer mehr Sorgen. Der Aktienkurs gab hierzulande am Freitag um 0,7 Prozent auf 8,90 Euro nach.
TUI: Muss das sein?
Die Aktie von TUI (DE000TUAG505) hat auch schon bessere Zeiten erlebt und die kleine Euphoriewelle vom Wochenbeginn scheint schon wieder verflogen zu sein. Wie jedes Jahr sorgen die Anleger sich um die wichtige Sommersaison. Eine anhaltende Konsumschwäche und steigende Preise könnten die Reiselust empfindlich dämpfen. Nach Ansicht von TUI werden die Kosten aber nicht nur durch die allgemeine Inflation, sondern auch den Reisesicherungsfonds unnötig in die Höhe getrieben.
In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung heißt es, dass der nach der Pleite von Thomas Cook eingerichtete Fonds mittlerweile über eine Milliarde Euro eingesammelt hätte und damit für sämtliche Eventualitäten vorbereitet sei. Zudem klagt TUI darüber, dass die Mittel falsch angelegt würden. Gefordert wird nun eine Senkung der Abgaben für Veranstalter. Das könnte freilich dabei helfen, die niedrigen Margen bei Pauschalreisen wieder etwas aufzubessern. Die Anleger scheinen aber nicht an einen großen Durchbruch zu glauben und die TUI-Aktie setzte gestern um 2,7 Prozent auf 7,16 Euro zurück.
SAP ohne Erholung
Ganz unabhängig von Ölpreisen und Verbraucherstimmung machen die Märkte sich auch zunehmen Sorgen um den Software-Giganten SAP (DE0007164600). Die Abwärtsspirale an der Börse scheint hier nicht enden zu wollen. In der laufenden Woche wurde zeitweise der niedrigste Kurs seit über zwei Jahren erreicht. Nach Verlusten von 6,2 Prozent im 5-Tages-Vergleich ging es mit mauen 134,14 Euro ins Wochenende. Wie gehabt besteht die Sorge, dass das Geschäftsmodell durch KI-Agenten herausgefordert werden könnte.
Allerdings gibt es auch einige Stimmen, die in der Kursschwäche von SAP eine echte Gelegenheit entdecken. Die Analysten der Privatbank Berenberg etwa rücken von ihrer Kaufempfehlung ab und rütteln auch nicht am Kursziel, welches auf 215 Euro lautet. Nach den deutlichen Rücksetzern der jüngeren Vergangenheit wird ein umso höheres Aufwärtspotenzial unterstellt. Allerdings kommen auch die Börsenprofis nicht umhin, das schwer angeschlagene Sentiment zu bemerken. Jenes allein könnte den Abwärtstrend noch eine Weile befeuern.
Zu früh gefreut?
Nur kurz standen die Zeichen an den Börsen zuletzt wieder auf Rekordjagd, ehe alte und neue Sorgen das Geschehen letztlich wieder einholten. Vielleicht erinnerte sich mancher Anleger auch daran, dass es neben dem Irankrieg noch genügend weitere Krisen gibt. Für eine vollständige Entwarnung ist es daher noch immer zu früh.
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20.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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