Nach Gewinnwarnung und gesenkter Prognose will BMW den Gürtel enger schnallen, beruhigt die Aktionäre damit aber keineswegs
Mit Wachstumsaussichten kann BMW nicht dienen
Am vergangenen Dienstag schockte BMW die eigenen Anleger mit einer Gewinnwarnung sowie einer deutlich nach unten angepassten Prognose. Insbesondere Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt machen dem bayrischen Autobauer zu schaffen. Im Reich der Mitte werden immer weniger Verbrenner verkauft, was europäische Anbieter besonders trifft. Bei Elektroautos haben heimische Marken klar die Oberhand. BMW rechnet nun mit eher mauen Auslieferungszahlen bei einer nochmals geringeren Marge.
Die Aktie von BMW (DE0005190003) hat auf die angepassten Erwartungen bereits überdeutlich reagiert. Bis zum Wochenende fiel der Kurs auf 59,98 Euro zurück. Zwischenzeitlich wurde bei 58,76 Euro ein neues 52-Wochen-Tief markiert. Damit ging es in nur fünf Tagen um 13,2 Prozent in die Tiefe und die Abschläge seit Jahresbeginn weiteten sich auf nun knapp 38 Prozent aus. Der Eindruck, dass BMW besser als manch anderer durch die Krise im Segment kommt, verflüchtigt sich im Eiltempo.
Leider kann das Unternehmen auch keine schnelle Besserung in Aussicht stellen. Von Wachstumssignalen ist nur wenig bis gar nichts zu erkennen. Stattdessen scheinen wohl vor allem erweiterte Sparpläne auf der Agenda des Vorstands zu stehen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters befindet man sich dazu wohl bereits in Gesprächen mit dem Betriebsrat. Allzu viele Details will sich BMW aber noch nicht entlocken lassen. Grundsätzlich bestätigt wurde durch das Unternehmen aber, dass die Kosten sinken sollen.
Alles offen bei BMW?
Der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic will sich diesbezüglich auch nicht in die Karten blicken lassen. Angekündigt hat er lediglich, bereits laufende Maßnahmen noch einmal „deutlich intensivieren und beschleunigen“ zu wollen. Geschwindigkeit und Effizienz sollen dabei im Vordergrund stehen. Wo genau die Schere angesetzt wird und wie viele Stellen im Rahmen dessen wegfallen können, das bleibt für den Moment offen. Bisher stellte BMW für das laufende Jahr einen leichten Rückgang beim Personal in Aussicht.
Sparmaßnahmen scheinen momentan bei BMW das einzige Mittel zu sein, um auf die anhaltende Krise zu reagieren. Das sind eher schlechte Neuigkeiten für Anleger. Zwar könnte das Ganze dabei helfen, die dahingeschmolzene Margen wieder etwas aufzupäppeln. Einsparungen sprechen allerdings eher nicht dafür, dass das Management in absehbarer Zeit mit einer fundamentalen Wende rechnet. Die Konsumstimmung bleibt angeschlagen und die Konkurrenz aus Fernost macht weiter Druck.
Um der Aktie wieder Rückenwind zu verleihen, müsste BMW besonders auf derartige Fragen eine zufriedenstellende Antwort finden. Daran scheitern momentan aber so ziemlich alle europäischen Autobauern, und zunehmend macht sich auch bei BYD und Co. Gegenwind bemerkbar. Damit verfestigt sich letztlich der Eindruck, dass die Wachstumspläne aus vorherigen Jahren vielleicht einfach etwas zu hoch gegriffen waren. Bei den Prognosen wird korrigiert, was die Börsianer nicht ignorieren können oder sollten.
Wohin geht die Reise?
Mit einem plötzlichen Comeback müssen Anleger bei BMW eher nicht rechnen. Es stellt sich nun vor allem die Frage, wie schwer die Krise tatsächlich wiegen mag und was es hinsichtlich Absatzzahlen und Margen noch zu sehen geben mag. Die kürzlich erfolgte Gewinnwarnung ist nicht die erste ihrer Art und es muss auch nicht die letzte geblieben sein. Die Warnsignale mehren sich und überwiegen derzeit zumindest die kurzfristigen Chancen klar.
Vor Kurzem meldete BMW zwar noch einen recht erfolgreichen Anlauf der „Neuen Klasse“. Auch das scheint aber nicht ansatzweise auszureichen, um Rückgänge an anderer Stelle kompensieren zu können. Solange der Konzern auf Sparkurs bleibt, dürften die Börsianer ebenfalls eher knauserig sein und sich vielleicht nach attraktiveren Anlagemöglichkeiten umsehen. Wer vom langfristigen Erfolg überzeugt ist, freut sich über geringe Einstiegspreise. Vollkommen offen ist allerdings momentan, wie weit es noch in Richtung Süden gehen mag, ehe sich endlich etwas Entspannung bemerkbar macht – so es dazu überhaupt noch einmal kommen mag.
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22.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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