SpaceX: Musk zieht voll durch
Musk nutzt die Gunst der Stunde und drückt bei SpaceX so viele Deals wie möglich durch
Elon Musk zieht voll durch. Die Aktien von SpaceX verzeichnen heute erst ihren sechsten Handelstag und das Unternehmen hat bereits drei Milliardendeals angekündigt. Die Eile ist verständlich, denn das Fenster der Opportunität steht nicht ewig offen. Derzeit sind die Aktionäre risikobereit, das Sentiment ist so bullisch wie seit drei Dekaden nicht mehr und die Gläubiger sind bereit, relativ kleine Risikoaufschläge zu verlangen.
Im Hinblick auf das Wachstum steht der 60 Mrd. US-Dollar Deal mit Cursor im Mittelpunkt. Ganze zwei Werktage hat Musk gebraucht, um die Übernahme komplett zu machen. 30 Tage Zeit hätte er für die Entscheidung gehabt. Doch überhastet fiel sie nicht, sondern war von langer Hand vorbereitet worden. Beide Unternehmen arbeiten schon seit Wochen und Monaten sehr eng zusammen. So eng, dass Cursor sogar eigene Mitarbeiter bei xAI abgestellt hat. xAI mangelte es an einem vergleichbaren Tool, wie es Anthropic mit Claude Code und OpenAI mit Codex haben. Diese Tools sind ausgesprochen mächtig und sorgen aufgrund ihrer ungewöhnlich starken Fähigkeiten dafür, dass die Cashflows für beide Unternehmen immer grösser werden. Cursor kommt an beide Tools nicht heran, bietet xAI aber das beste Sprungbrett in den Vibe-Coding-Markt.
Der Preis ist nicht zu hoch. Cursor hat eine starke Kundenbasis und wächst schnell. Im April erreichte man einen annualisierten Umsatz von 3 Mrd. US-Dollar und kann allein auf mehr als 3.000 Kunden verweisen, die Cursor im Jahr jeweils einen sechsstelligen Umsatz einbringen. Um sich abzusichern, hatte Cursor eine Break-Up Fee in Höhe von 10 Mrd. US-Dollar ausgehandelt, falls xAI von der Übernahme zurücktritt. Das ist hinfällig geworden. SpaceX (US84615Q1031) hat bekanntlich 75 Mrd. US-Dollar an frischem Kapital beim IPO eingesammelt, doch Cursor bekommt „nur“ Aktien. Für SpaceX ist das ausgezeichnet, denn die Aktien sind stark überbewertet und hält die AI-Rallye noch bis Jahresende an, wird man ohne Probleme junge Aktien verkaufen können, was die Altaktionäre weiter verwässert. Bessere Konditionen hätte Musk kaum für so ein Asset aushandeln können.
SpaceX: Musk zieht voll durch
Für die teuren Colossus AI-Rechenzentren findet xAI neue Kunden. Im Vorfeld des IPOs hatte SpaceX bereits mit den Ankündigungen für Aufmerksamkeit gesorgt, dass man einen 30 Mrd. US-Dollar Vertrag mit Google für die Nutzung der Rechenzentren bis Mitte 2029 und mit Anthropic einen vergleichbaren Nutzungsvertrag über 45 Mrd. US-Dollar abgeschlossen hat. Diese Mega-Deals waren wichtig für das Sentiment zum IPO, aber nun geht es ans Eingemachte, denn xAI braucht viele mittlere und noch viel mehr kleine Kunden für ihre Rechenzentren, die ausgelastet werden müssen, denn ihr Wert schmilzt wie Eis in der Sonne. Es ist kein Zufall, dass Anthropic und Google bis Mitte 2029 mieten: Danach sind Colossus 1 und 2 schon nicht mehr auf dem neuesten Stand. Vor diesem Hintergrund ist der jüngste Deal mit Reflection wichtig. Das AI-Start-up wird xAI für die Nutzung der Rechenzentren ab Juli bis Mitte 2029 monatlich 150 Mio. US-Dollar zahlen.
Um die Bilanz zu stärken, emittiert SpaceX 20 Mrd. US-Dollar an neuen Anleihen. Das klingt auf den ersten Blick widersprüchlich, folgt aber einer einfachen Logik. Im Vorfeld des IPOs hatte das Unternehmen einen Brückenkredit bei einer Reihe von Banken aufgenommen. Solche Kredite werden gewährt, wenn das Unternehmen ein Event vor sich hat und relativ schnell wieder „flüssig“ ist. Entsprechend kurz sind die Laufzeiten und erhöht sind die Risikoprämien. Es ist auch von vornherein in der Regel geplant, dass dieser Kredit dann durch die Aufnahme von langlaufenden Anleihen umgeschuldet wird. Und genau diesen Schritt unternimmt SpaceX nun. Es geht also im Kern nicht darum, den Verschuldungsgrad auszuweiten, sondern darum, das Kreditprofil zu stärken, indem Fälligkeiten über einen längeren Zeitraum gestaffelt und damit Tilgungen entzerrt werden.
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23.06.2026 - Mikey Fritz

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