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Börsenduell - Wolters Kluwer gegen RELX Group

Wolters Kluwer und RELX Group im Vergleich

 

Dass Informationen in immer größerem Umfang der Stoff der Wertschöpfung sind, ist ja seit längerem kein Geheimnis mehr. Die Anforderungen an die Wertschöpfungsketten im Dienstleistungssektor zeichnet insbesondere die Fähigkeit aus, in kurzer Zeit Daten zu sammeln, zu ordnen und daraus wirtschaftlich wertsteigernde Schlussfolgerungen zu ziehen und diese dann operativ umzusetzen.

Zu den Unternehmen, die diesen Informationsaustausch als Geschäftsmodell haben, gehören die niederländische WOLTERS KLUWER (NL0000395903) und die britische RELX Plc (GB00B2B0DG97).

Die britische RELX Group (ehemals Reed Elsevier) ist einer der weltgrößten Anbieter von Onlinedatenbanken. Zudem macht es seine Produktvielfalt zu einem der größten Verlage weltweit. In seinem Selbstverständnis ist RELX ein globaler Anbieter von informationsbasierten Analyse- und Entscheidungstools für professionelle und Geschäftskunden fast aller Branchen. Der Konzern ist hauptsächlich in vier Marktsegmenten aktiv: im Bereich Wissenschaft, Technik und Medizin, im Bereich Risiko- und Geschäftsanalysen, dem Bereich juristischen Bereich und bei Ausstellungen. Der Konzern organisiert jährlich mehr als 500 Ausstellungen, die von mehr als 7 Millionen Besucher anziehen. Insgesamt bedient der Konzern Kunden in 180 Staaten und hat Niederlassungen in 40 Ländern. Von den mehr als 30.000 Mitarbeitern ist fast die Hälfte in Nordamerika tätig.

Im vergangenen Jahr erzielte RELX weltweit einen Umsatz von 7,492 Mrd. Pfund, wovon 53,6 % in Nordamerika, 22 % in Europa ohne Großbritannien, 15,3 % in Großbritannien und 9,2 % im Rest der Welt erzielt wurden. Spartenbezogen wurden 33,9 % im Bereich Wissenschaft, Technik und Medizin umgesetzt, 28,3 % im Bereich Risiko- und Geschäftsanalysen, 21,6 % im Bereich Juristisches und 16,3 % im Bereich Messen.

 

Presse

Bildnachweis: © Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson

 

Wolters Kluwer hingegen ist auf die Publikation von Büchern, Fachbüchern und Presse konzentriert. Der Umsatz im Jahr 2018 von 4,26 Mrd. Euro verteilte sich auf folgende Bereiche: Buchhaltung und Steuerwesen (30,4 %), Gesundheit und Wissenschaft (26,1 %), Finanz- und Unternehmensverwaltung (22,9 %) sowie juristische Publikationen (20,7 %). Diese werden in Form von Papier, elektronisch und als CD-Rom vertrieben. Geographisch liegt der Umsatzschwerpunkt auf Nordamerika (60,8 %), 27 % werden in Europa außerhalb der Niederlande erzielt, 6 % im asiatisch-pazifischen Raum, 4,2 % in den Niederlanden selbst und 2,1 % im Rest der Welt.

 

Unterschiede bei Marge und Verschuldungsgrad

 

Beide Unternehmen zeichnen sich durch ein überdurchschnittlich stabiles Umsatz- und Ertragswachstum aus. Die Börsenbewertung zeigt allerdings deutliche Bewertungsdifferenzen. Die Börse bewertet RELX je Umsatzeinheit deutlich höher. Das Verhältnis von Marktkapitalisierung zum Umsatz beträgt für dieses Jahr 4,44 und für 2020 ergibt sich ein Wert von 4,26. Wolters Kluwer kommt für 2019 nur auf einen Wert von 3,76 und für 2020 auf 3,61. Dies ist vor dem Hintergrund der höheren operativen Marge nachvollziehbar. Die EBIT-Marge (EBIT/Umsatz) lag für RELX 2018 bei 31,3 %, für Wolters Kluwer bei 23 %. Die Nettorendite (Nettogewinn/Umsatz) betrug für RELX 2018 19 % und für Wolters Kluwer 15,4 %.

Eine für eine Wahl nicht unwesentliches Detail ist die Verschuldung. Der Verschuldungsgrad (Schulden/EBITDA) lag 2018 für RELX bei 2,35 und bei Wolters Kluwer bei 1,69, wobei bis zum Geschäftsjahr 2021 ein Rückgang bei RELX auf 1,72 und bei Wolters Kluwer auf 1,1 erwartet wird.

Ähnlich sieht es auch beim Finanzverschuldungsgrad (Nettoschulden/EBITDA) aus. Hier kommt RELX geschätzt für das laufende Jahr auf 2,13 und das nächste auf 1,9. Die Werte für Wolters Kluwer liegen hingegen bei 1,6 in diesem und 1,32 im kommenden Jahr.

 

Unterschiede bei Dividende und Pay-out-Ratio

 

Für Aktionäre ist bezüglich des Gesamtertrages gerade in Zeiten von Null- und Negativzinsen neben Kapitalgewinnen auch die Dividende von Bedeutung. Und auch hier gibt es (kleine) Unterschiede. Die Dividendenrendite von RELX betrug für die Jahre 2016,2017 und 2018 2,48 %, 2,27 % und 2,6 %. Jene für Wolters Kluwer lagen hingegen bei 2,3 %, 1,95 % und 1,9 %. Während die Dividendenrendite bei RELX allerdings für die Jahre 2019 und 2020 bei 2,5 % und 2,68 % liegen soll, beträgt diese Schätzung für Wolters Kluwer 1,61 % und 1,72 %. In dieser Hinsicht ist RELX deshalb im Vorteil. Das Ausschüttungsquote (Pay-out-Ratio) wird für Wolters Kluwer in diesem Jahr bei rund 45,8 % liegen, jene von RELX bei 57,3 %. Hier besteht für Wolters Kluwer noch mehr Potenzial, die Dividendenrendite zu steigern.

Die aktuelle operative Entwicklung zeigt ebenfalls Unterschiede. Für das laufende Geschäftsjahr gab Wolters Kluwer Anfang November 2019 seine Rohdaten bereits bekannt. Der Umsatz wuchs in der Berichtsperiode um 4 % bei konstanten Währungen und ebenfalls 4 % organisch. Die digitalen und Dienstleistungseinnahmen, die 90 % des Umsatzes ausmachen, stiegen dagegen um 6 % gegenüber der gleichen Vorjahresperiode. Die wiederkehrenden Umsätze, die 79 % des Umsatzes ausmachen, stiegen derweil um 5 %.

Das organische Wachstum wurde dabei von allen Sparten gestützt, angeführt von der Nachfrage nach Expertenlösungen, welche das Verständnis, die Analysequalität und damit die Produktivität der Wolters-Kluwer-Kunden steigern. Zudem mache man Fortschritte in strategischen Kernbereichen der Geschäftsentwicklung, wozu vor allem die steigende Werthaltigkeit digitaler Produkte gehört. Diese sollen die Automatisierung der Arbeitsabläufe der Kunden erleichtern.

Der operative Gewinn (EBIT) ging gleichzeitig um 1 % zurück. Dieses war erwartet worden und resultierte aus Einmalgewinnen in der Vorjahresperiode, die die Vergleichsbasis verzerren. Der adjustierte freie Cashflow dagegen legte in den ersten neun Monaten um 3 % bei konstanten Preisen zu. Die aktuelle Jahresprognose sieht eine adjustierte operative Marge von 23 % bis 23,5 % vom Umsatz vor. Der adjustierte freie Cashflow soll zwischen 750 Mio. und 75 Mio. Euro, der ROCE) (Return On Capital Employed) zwischen 10,5 % und 11,5 % liegen. Der adjustierte Gewinn schließlich soll je Aktie um 10 % steigen.

RELX informierte ebenfalls schon am 24.10.2019 über die Entwicklung der ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres. Das Umsatzwachstum betrug 4 %. Es wurden 7 Unternehmensteile für 62 Mio. Pfund verkauft und 12 neue für 378 Mio. Pfund erworben. Der Ausblick für 2019 wurde bestätigt, welcher unter der Annahme konstanter Wechselkurse ein Wachstum bei Umsatz, adjustiertem operativen Gewinn und beim Gewinn je Aktie erwartet.

Beide Unternehmen dürften auch in Zukunft von einer weiter steigenden Nachfrage nach Informations-Dienstleistungen profitieren. Denn die Bedeutung relevanter und zeitnaher Informationen für die Wertschöpfungsketten vor allem bei Dienstleistungen dürfte weiter zunehmen. Vor allem die Individualisierung von Produkten erfordert individualisiertes Wissen über den Konsumenten. Dies schließt bereits heute bestehende Geschäftsbereiche beider Unternehmen ein, insbesondere individualisierte Medizin und deren Forschungsbasis.

Vergleicht man nun die Einschätzung der Märkte, so lassen sich bei einem Blick auf die relative Entwicklung beider Aktien Vorteile für Wolters Kluwer erkennen. Insbesondere seit Ende 2017 wird eine deutliche Outperformance von Wolters Kluwer gegenüber RELX sichtbar.

 

WKL versus RELX

 

Fazit

 

Beide Kontrahenten haben ihre Vorzüge und Nachteile. Aber da es eben auch um die Anerkennung von operativen Leistungen im Aktienkurs geht und die Dividendenrendite hier nicht das duellentscheidende Kriterium ist, fällt unsere Wahl auf Wolters Kluwer. Die Outperformance von Wolters Kluwer gegenüber RELX ist insbesondere in den vergangenen zwei Jahren einfach zu groß, um vernachlässigt zu werden. Hinzu kommt auch der deutlich geringere Verschuldungsgrad. Die Aktie von Wolters Kluwer befindet sich auch deshalb in unserem erfolgreichen Strategiedepot Aktien KONSERVATIV.

 

 

08.12.2019 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 









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