Edelmetall Marktbericht vom 29.11.2025: Silberpreis nach Handelsstopp - Welche Fragen zur Liquidität und Markttransparenz jetzt aufkommen
Nach dem Ausfall explodierten Gold und der Silberpreis sogar auf ein neues Allzeithoch
Der Goldpreis hat die Handelswoche bei 4219 US-Dollar beendet und damit ein Wochenplus von 3,79 Prozent sowie ein bisheriges Monatsergebnis von 5,43 Prozent erzielt. Noch dynamischer entwickelte sich Silber: Der Preis schloss die Woche bei rund 56 US-Dollar, was einem kräftigen Wochenanstieg von 12,79 Prozent und einem bisherigen Monatszuwachs von 16 Prozent entspricht. Diese Zahlen bilden den Auftakt zu einer Phase, in der sich die Edelmetallmärkte deutlich von den üblichen Mustern lösen und neue Impulse erhalten. Besonders Silber sticht mit einer bemerkenswerten Volatilität hervor, während Gold zunehmend als strategischer Stabilisator profitiert.
Der turbulente Handelstag nach dem US-Feiertag Thanksgiving erwies sich als Katalysator für Unruhe im Markt für Silberfutures. Ausgerechnet in einer Sitzung, die traditionell durch geringe Liquidität geprägt ist, kam es an der Chicago Mercantile Exchange zu einer stundenlangen Unterbrechung des Handels. Offiziell war die Rede von einer ausgefallenen Kühlung in einem Rechenzentrum. Doch der Zeitpunkt wirkte brisant: In exakt dieser Phase setzte sich die Kursrally ungebremst fort und überschritt ein charttechnisch bedeutsames Hoch. Dass der Handelsstopp mit dem Termin zusammenfiel, an dem aus Papierkontrakten reale Lieferansprüche entstehen können, verstärkte den Unmut vieler Marktteilnehmer. Denn gerade an solchen Übergangspunkten würden potenzielle Engpässe sichtbar, die schon länger im Raum stehen.
Silber zwischen strukturellem Defizit und wachsender Nachfrage
Parallel zu den technischen Verwerfungen rücken zunehmend fundamentale Spannungen in den Vordergrund. Seit Jahren übersteigt die weltweite Nachfrage das Angebot aus Minenproduktion und Recycling. Die Lücke wird über Lagerbestände gedeckt, die in den großen Handelszentren jedoch stetig abnehmen. Registrierte Bestände befinden sich auf Tiefstständen, und die Terminstruktur zeigt wiederholt ein Bild, das man eher aus Stresssituationen kennt: Der Kassapreis notiert über späteren Lieferterminen, was typischerweise ein Hinweis auf akute Knappheit ist. Zusätzlich wirkt die hohe Bewertung von Gold (TVC:GOLD) gegenüber Silber (TVC:SILVER) als Indiz dafür, dass Silber im historischen Vergleich weiterhin unterbewertet sein könnte. Die Dynamik wird durch eine strukturell zunehmende industrielle Nachfrage verstärkt, besonders in der Photovoltaik- und Halbleiterproduktion, wo Silber unverzichtbar bleibt.
Strukturelle Kräfte treiben den neuen Aufwärtstrend beim Goldpreis
Der Goldpreis wird derzeit maßgeblich durch Kräfte gestützt, die weit über kurzfristige Impulse hinausreichen – eine Entwicklung, die Allianz Global Investors in einer aktuellen Analyse ausführlich beschreibt. Besonders die verstärkte Aktivität von Zentralbanken, die ihre Reserven unabhängiger von politischen Risiken aufstellen, wirkt als verlässlicher Treiber. Gleichzeitig beschleunigt sich die graduelle Abkehr vom US-Dollar, da Anleger angesichts wachsender fiskalischer Belastungen nach stabilen Wertspeichern suchen. Zusätzliche Impulse ergeben sich aus handelspolitischen Entscheidungen der USA, die Kapital vermehrt in Absicherungsinstrumente lenken. Diese Trends untermauern die Rolle von Gold als robustem Schutz vor wirtschaftlicher Unsicherheit und als langfristig orientierter Wertanker.
Technische Lage bei Gold und Silber
Auch aus technischer Sicht präsentiert sich Gold stabil. Der Kurs notiert über dem 50- und 200-Tage-Durchschnitt, was die bestehende Aufwärtsbewegung untermauert. Die kurzfristige Durchschnittslinie verläuft über der langfristigen und bestätigt den positiven Trend. Mit einem ADX-Wert von 33,8 Punkten zeigt sich eine klare Trendstärke, die auf ein konstruktives mittel- bis langfristiges Bild schließen lässt. Rücksetzer dürften auf Käuferinteresse treffen.
Silber zeigt ein ähnliches technisches Muster. Auch hier liegen die Kurse über beiden gleitenden Durchschnitten, und der 50-Tage-Wert über dem 200-Tage-Wert. Die Trendstärke ist mit einem ADX von 28,5 Punkten ausgeprägt, wenn auch etwas weniger deutlich als bei Gold. Dennoch deutet das Bild darauf hin, dass Rückschläge eher temporär bleiben und Käufer in Schwächephasen zugreifen.
Ausblick
In den kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob sich die aktuellen Marktverwerfungen im Silberhandel als einmalige Störung oder als Vorbote tieferliegender struktureller Spannungen erweisen. Gleichzeitig bleibt Gold ein bevorzugter Anker für Investoren, die sich gegen anhaltende geopolitische Risiken und finanzielle Unsicherheiten absichern wollen. Sollten die fundamentalen Trends anhalten, könnten beide Edelmetalle ihre jüngste Dynamik fortsetzen, auch wenn kurzfristige Schwankungen zunehmen dürften.
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29.11.2025 - Andreas Opitz

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