Das Bundeswirtschaftsministerium erteilt der Übernahme von Ceconomy durch JD.com ihren Segen, doch über die Bühne ist die Angelegenheit noch nicht
JD.com muss noch auf Brüssel warten
Bereits vor rund einem Jahr kündigte JD.com die beabsichtigte Übernahme der Media-Markt-Mutter Ceconomy an, und zunächst ging dabei alles recht flott. Man einigte sich auf die Modalitäten und das Bundeskartellamt gab dem Vorhaben schon im September eine Freigabe. Wettbewerbsrechtliche Bedenken gab es dort nicht. Etwas länger Zeit lassen sich andere Behörden, weshalb die Fusion noch immer nicht unter Dach und Fach ist.
Immerhin konnte JD.com (US47215P1066) nun den nächsten Schritt gehen. Wie einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zu entnehmen ist, erteilte das Bundeswirtschaftsministerium der Übernahme seinen Segen. Allerdings sind damit einige Auflagen verbunden. Der Bundesregierung werden weitreichende Überwachungs- und Kontrollrechte eingeräumt, um personenbezogene Daten von Kunden in Deutschland zu schützen. Außerdem kann die Genehmigung widerrufen werden, sollten Verstöße gegen die Auflagen festgestellt werden.
Damit scheint der chinesische Handelskonzern leben zu können. Die Freigabe wurde ausdrücklich begrüßt und unverändert rechnet JD.com damit, die vollständige Freigabe in der zweiten Jahreshälfte zu erhalten. Ausstehend sind derzeit noch Entscheidungen aus Österreich und Spanien. Am interessantesten ist aber vermutlich, wie sich die EU-Kommission verhalten mag. Auch jene wollte das Vorhaben bislang nicht einfach abnicken. Momentan läuft noch eine Untersuchung, die sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, ob JD.com von Subventionen profitiert haben könnte.
JD.com kann noch nicht feiern
Solche könnten es JD.com erlaubt haben, ein höheres Übernahmeangebot abzugeben und damit den Prozess verzerrt zu haben, so zumindest die Vermutung von Kritikern. Abseits davon soll auch festgestellt werden, ob der Einstieg eines chinesischen Unternehmens im großen Stil den europäischen Binnenmarkt verzerren könnte. Immerhin ist MediaMarktSaturn der größte Elektronikhändler in Europa und der viertgrößte Online-Shop in Deutschland. Lediglich Zalando, Otto und Amazon bringen es auf noch mehr Kunden und Umsatz. Anders als jene verfügt Ceconomy in Europa auch noch über gut 1.000 Märkte in elf Ländern mit schätzungsweise 50.000 Mitarbeitern.
Für JD.com wäre die Übernahme vor allem eine Möglichkeit, um in Europa endlich besser Fuß fassen zu können. Versucht hat man sich daran bereits. In diesem Jahr ging die Plattform Joybuy an den Start, bisher aber nur mit übersichtlichem Erfolg. Den Platzhirschen macht man damit keine Konkurrenz. Genau das soll sich durch den Kauf von Ceconomy in Zukunft ändern, was natürlich auch für die Aktionäre nicht uninteressant ist.
Die Freigabe durch das Bundeswirtschaftsministerium wurde an den Märkten zunächst wohlwollend aufgenommen. Am Montag stieg die JD.com-Aktie zeitweise um etwas mehr als fünf Prozent und ließ dabei die Marke von 100 Hongkong-Dollar (HKD) wieder hinter sich. Bis Handelsschluss konnte jene allerdings nicht verteidigt werden und am Dienstag standen zum Nachmittag lediglich noch 98,50 HKD auf dem Ticker. Damit bleibt der Kurs gefährlich nahe am 52-Wochen-Tief bei 95,80 HKD.
Nicht mehr lange
Ewig kann Brüssel eine Entscheidung nicht hinauszögern. Spätestens Anfang Oktober muss die EU-Kommission ihr Urteil fällen. Sehr wahrscheinlich werden bis dahin auch die Behörden aus Spanien und Österreich Neuigkeiten melden. Es bleibt also spannend und es zeichnet sich ab, dass eine endgültige Entscheidung im Herbst fallen wird. Für JD.com wäre es eine einmalige Gelegenheit, um Marktanteile in Europa über Nacht in die Höhe schießen zu lassen.
Für die Aktie wäre aber selbst das noch kein Garant für eine plötzliche Rallye. Denn nichts ändern würde sich an der noch immer bestehenden Konsumflaute, die sich im Elektronikbereich noch enorm verschärfen könnte. Bedingt durch die Speicherkrise steigen die Preise bei etlichen Geräteklassen derzeit rapide an und es ist mehr als fraglich, wie lange die Verbraucher dies mitmachen können oder wollen. Wohl auch deshalb will derzeit bei der JD.com-Aktie aktuell keine echte Vorfreude aufkommen.
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30.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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