Die EU will bei der Übernahme von Ceconomy durch JD.com wohl mögliche staatliche Subventionen unter die Lupe nehmen
Zuvor ergab sich für JD.com bereits Gegenwind in Österreich
Der chinesische Einzelhändler JD.com fristet in Europa derzeit eher ein Schattendasein. Zwar startete man unlängst die Plattform „Joyexpress“. Doch um damit den großen Anbietern Marktanteile abstrittig machen zu können, wäre wohl viel Zeit und Geduld gefragt. Daher ist auch angedacht, durch die Übernahme der Media Markt-Mutter Ceconomy eine kleine Abkürzung zu nehmen. Ein entsprechender Deal wurde bereits vereinbart.
Auf den letzten Metern tauchen aber offenbar noch einmal Fragezeichen auf. Im März ließ JD.com (US47215P1066) mitteilen, dass eine Freigabe in Österreich ungewiss sei. Wenig später wurde angekündigt, einen neuen Antrag stellen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung ist darauf bisher noch nicht gefolgt. Genau prüfen will das Ganze nun wohl auch die EU, welche die 2,5 Milliarden US-Dollar schwere Transaktion auf mögliche staatliche Subventionen untersuchen möchten.
Zeit hat Brüssel bis zum 28. Mai, um eine vorläufige Untersuchung abzuschließen. Das ist kürzlich veröffentlichten Unterlagen der Europäischen Kommission zu entnehmen. Laut „Handelsblatt“ ist die Transaktion nach den EU-Fusionskontrollvorschriften zwar nicht überprüfungspflichtig. Dennoch soll nun wohl sichergestellt werden, dass keine unfairen staatlichen Subventionen aus dem Ausland stattfinden, welche hiesige Anbieter benachteiligen würden.
Schwere Zeiten für JD.com
Verändert hat sich grundsätzlich erst einmal wenig. Zumindest gedanklich auseinandersetzen müssen sich Anleger aber mit einem Szenario, in welchem JD.com für die Übernahme möglicherweise noch Auflagen erteilt werden könnten. Dazu könnten beispielsweise Standortgarantien zählen oder im Zweifel auch die Abgabe von Filialen an Konkurrenten. Die EU lässt sich allerdings nicht in die Karten schauen, in welche Richtung hier bereits überlegt werden mag. Zunächst bleibt abzuwarten, ob die Prüfung überhaupt Grund zur Beanstandung liefern wird.
Für JD.com hängt viel an der internationalen Expansion. Denn auf dem Heimatmarkt tritt man mehr oder minder auf der Stelle. Die Konsumstimmung in China ist bedingt durch die Immobilienkrise regelrecht eingebrochen. Speicherkrise und zuletzt auch die neue Energiekrise tun ihr Übriges dafür, dass weniger Smartphones sowie andere technische Spielereien gekauft werden. Eine Besserung ist zumindest momentan nicht abzusehen, weshalb Fortschritte in anderen Regionen umso wichtiger wären.
Die Schwäche des Unternehmens ist auch beim Aktienkurs zu sehen. An der Börse gab es in der jüngeren Vergangenheit zwar keine Einbrüche zu sehen. Gleichwohl hat die JD.com-Aktie es sich auf einem denkbar niedrigen Niveau bequem gemacht. 30,61 Dollar standen zu Handelsschluss am Mittwoch auf dem Ticker. Vor gut zwei Jahren wurde das Papier noch zeitweise für mehr als das Doppelte gehandelt. Zuletzt gab es allenfalls eine vorsichtige Erholung zu sehen, doch ernsthafte Versuche eines Durchbruchs gen Norden legen die Bullen derzeit nicht an den Tag.
Geduld ist gefragt
Es zeichnet sich ab, dass die Ceconomy-Übernahme sich noch etwas in die Länge ziehen könnte und für die Anleger bleibt erst einmal offen, welche Bedingungen daran noch geknüpft werden könnten. Gedämpft wird damit die Erwartungshaltung, dass JD.com mehr oder weniger über Nacht zu einem der größten Anbieter auf dem europäischen Markt avancieren könnte. Da hilft es auch wenig, dass das Management von Ceconomy die geplante Fusion befürwortet.
Die sich nun ergebende Unsicherheit zusammen mit der ohnehin angeschlagenen Stimmung im Segment machen der JD.com-Aktie sichtlich zu schaffen. Das Aufwärtspotenzial scheint eher begrenzt auszufallen. In der vergangenen Woche ging es zwar über die 30-Dollar-Marke, seither stagniert der Kurs aber schon wieder, und das knapp zehn Prozent unterhalb des Standes von vor einem Jahr. Euphorie auf Seiten der Anteilseigner sieht zweifellos anders aus. Auf den nächsten Erfolg lässt sich momentan wohl nur hoffen, was aber freilich keine nachhaltige Anlagestrategie bedeutet.
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23.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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