Explodierende Kosten bei den großen KI-Anbietern scheinen Microsoft umdenken zu lassen und bei Copilot Cowork könnte nun DeepSeek zum Einsatz kommen
Microsoft sucht nach Wegen, um KI-Kosten zu senken
Künstliche Intelligenz hat in den letzten Monaten enorme Fortschritte gemacht. Manches Modell ist derart leistungsstark, dass Hersteller es gar nicht mehr öffentlich zugänglich machen möchten. Ob es sich dabei wirklich um Vorsichtsmaßnahmen oder doch eher Marketing handelt, sei dahingestellt. Dass die Modelle immer leistungsfähiger und schneller geworden sind, ist jedoch nicht zu übersehen.
Allerdings haben im Zuge dessen auch die Kosten zugelegt, und das nicht zu knapp. Die Zeiten von entspannten Abos sind zumindest bei den Top-KI-Modellen längst vorbei Abgerechnet wird mittlerweile nach Nutzung, was mit sogenannten Tokens bewertet wird. Wie es scheint, ist es Microsoft (US5949181045) zuweilen etwas zu teuer geworden. Gegenüber dem „Handelsblatt“ bestätigte das Unternehmen, bei Copilot Cowork die Nutzung des chinesischen KI-Anbieters DeepSeek zu prüfen.
Cowork zielt speziell auf Unternehmen und erhält verglichen mit bisherigen Ansätzen deutlich mehr Befugnisse. Der KI-Assistent kann beispielsweise auf diverse Dateien und Dokumente zugreifen, diese auslesen und bearbeiten und weitere Arbeitsschritte übernehmen. Das sorgt für neue Möglichkeiten, verlangt aber auch viel Rechenleistung, welche sich die KI-Anbieter mittlerweile auch bezahlen lassen. Anthropic verlangte bei Fable 5 beispielsweise 7,70 US-Dollar je eine Million Ausgabetoken. GPT-5.5 von OpenAI gab sich noch mit 4,30 Dollar zufrieden. Das zeigt deutlich, in welche Richtung es geht.
Microsoft: Sparen mit DeepSeek?
Erschwert wird das Ganze dadurch, dass die Anzahl verbrauchter Tokens erst im Nachhinein festgestellt werden kann. Besonders bei komplexen Modellen führt das schnell zu einer unbeabsichtigten Kostenexplosion, welche Microsoft nun offenbar zu vermeiden versucht. Der Einsatz von chinesischer Technologie mag im ersten Moment problematisch klingen. DeepSeek bietet seine KI-Modelle allerdings quelloffen an. Daher lassen die Modelle sich auch lokal ausführen und an die eigenen Bedürfnisse anpassen.
Die Kosten liegen nur bei wenigen Cent je eine Million Token. Das könnte Microsoft also tatsächlich dabei helfen, die eigene Brieftasche etwas zu schonen. Selbst möchte der Konzern bei Copilot Cowork derweil ebenfalls nutzungsbasiert abrechnen. Das dürfte wohl auch notwendig sein, um aus einer interessanten Idee ein lukratives Geschäft werden zu lassen. Fest steht die Entscheidung für DeepSeek allerdings noch nicht. Bisher wird der Einsatz davon lediglich geprüft.
Bemerkenswert wäre das Ganze nicht zuletzt deshalb, weil Microsoft eigentlich im großen Stil bei OpenAI und Anthropic investiert ist. Wenn nun selbst ein solch wichtiger Partner aufgrund hoher Kosten nach Alternativen sucht, könnte das durchaus ein Anzeichen für eine neue Ära sein. Es deutet sich an, dass chinesische Unternehmen in Zukunft auch bei KI für einen Preiskampf sorgen könnten. Die Modelle gelten zwar als technologisch unterlegen. Solange sie „gut genug“ sind, ist das aber kein Todesurteil.
Spannende Zeiten
Die Kosten sind ein immer größeres Problem, wenn es um das Thema KI geht. Vor Kurzem ließ der Fahrdienstleister Uber mitteilen, bereits das gesamte Budget für das laufende Jahr verbrannt zu haben. Um dies in den Griff zu bekommen, scheint die Suche nach Alternativen zu den Platzhirschen angelaufen zu sein. Mit Microsoft begibt sich nun auch eines der größten Tech-Unternehmen auf die Suche.
Der eigenen Aktie hat das allerdings nicht weitergeholfen. Jene purzelte am Montag um 3,2 Prozent auf 367,34 Dollar hinab. Dass Microsoft sich überhaupt Gedanken um Kosten bei KI macht, wird von einigen Marktakteuren bereits als Warnsignal interpretiert. Schließlich warnen Skeptiker schon seit Längerem davor, dass die Kosten für KI in der Vergangenheit vielleicht ein wenig zu sehr ausgeblendet wurden. Maßnahmen für Kostensenkungen sind ein Indiz, wenn auch kein Beleg dafür, dass die Einnahmen bei den Tech-Giganten vielleicht nicht ganz so rasant gewachsen sind, wie sie es sich in der Vergangenheit erhofft haben mögen.
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23.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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