Propalästinensische Aktivisten machen weiter Stimmung gegen Microsoft und besetzten nun sogar kurzzeitig das Büro von Firmenpräsident Brad Smith
Microsofts Zusammenarbeit mit dem israelischen Militär sorgt für heftige Kritik
Eigentlich verhält sich Microsoft gerne zurückhaltend, wenn es um das Thema Politik geht. Doch die Zusammenarbeit mit Regierungen und Militärs bleibt in der Öffentlichkeit sowie innerhalb der eigenen Belegschaft nicht unbemerkt. Einige stören sich massiv daran, dass der Software-Gigant mit dem israelischen Militär zusammenarbeitet und die Proteste dagegen erreichten kürzlich einen neuen Höhepunkt.
Zu Monatsbeginn berichtete die britische Tageszeitung „The Guardian“ über den Umfang der Kooperation zwischen Microsoft (US5949181045) und den israelischen Streitkräften. Unter Berufung auf geleakte interne Dokumente war die Rede davon, dass auf den Cloud-Servern von Microsoft gigantische Datenmengen liegen sollen und zudem eine direkte Absprache mit der auf Überwachung spezialisierten, israelischen Eliteeinheit Unit 8200 erfolge.
Nach Ansicht der Kritiker ermöglichte diese Zusammenarbeit die Speicherung von Mitschnitten von Telefongesprächen von Palästinensern, was letztlich für die Planung von Luftangriffen genutzt worden sein soll. Dabei wird auch nicht ausgeschlossen, dass Microsoft eine Mitverantwortung für verletzte und getötete Zivilisten tragen könnte. Der Konzern selbst sieht dies freilich etwas anders, konnte die jüngste Eskalation der Proteste aber nicht verhindern.
Microsoft muss kurzzeitig dichtmachen
Sieben Aktivisten, davon zwei Microsoft-Mitarbeiter, stürmten kürzlich das Büro von Microsoft-Präsident Brad Smith, um ihrem Unmut Gehör zu verschaffen. Die Eindringlinge mussten letztlich von der Polizei aus dem Gebäude entfernt werden. Zuvor protestierten sie schon seit Tagen vor dem Firmensitz in Redmond, unweit entfernt von Seattle. Den Angestellten dürften nun harsche Konsequenzen drohen. Allerdings dürfte Microsoft auch ein Interesse daran haben, nicht zu hart durchzugreifen. Schließlich gibt es in der Belegschaft noch viele weitere Angestellte, die mit den Aktivisten sympathisieren.
Microsoft Präsident Smith ließ in einer Pressekonferenz mitteilen, dass das Vorgehen der Mitarbeiter, welche wohl auch Abhörgeräte versteckten, „nicht okay“ sei. Welche Folgen das Ganze konkret haben mag, darauf ging Smith nicht weiter ein. Laut einem Bericht des „Spiegel“ wurden wenige Tage zuvor bereits 20 Mitgliedert der Gruppe „No Azure For Apartheid“ festgenommen. Unter ihnen sollen sich auch vier Angestellte von Microsoft befunden haben.
Eine Sprecherin von Microsoft ließ zwischenzeitlich mitteilen, dass man keine Kenntnis über die Art der Daten gehabt habe, welche das israelische Militär auf den firmeneigenen Servern gespeichert hatte. Laut den Medienberichten gab es beim Speicherplatz aber wohl so gut wie gar kein Limit. Bis Ende Juli sollen schwindelerregende 11.500 Terabyte auf Azure-Servern zusammengekommen sein. Grundsätzlich macht Microsoft keinen Hehl daraus, mit Israel zusammenzuarbeiten. Ein Fehlverhalten kann das Unternehmen dabei aber selbst nicht erkennen.
Microsoft ruft zur Mäßigung auf
Die Zusammenarbeit soll nun durch eine unabhängige Drittpartei untersucht werden. Microsoft rief ferner dazu auf, den konstruktiven Dialog innerhalb des Unternehmens fortzusetzen. Eskalationen der Aktivisten würden davon nur ablenken. Ob letztere sich nun plötzlich zufriedengeben und geduldig auf das Ergebnis einer wie auch immer gearteten Untersuchung warten werden, darf wahrscheinlich bezweifelt werden. Ebenso ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass Microsoft die Zusammenarbeit mit dem israelischen Militär über Nacht aufkündigen wird, wie es von manchem Aktivisten verlangt wird.
Erstaunlich unaufgeregt verhalten sich die Aktionäre, an denen das Ganze vollständig vorbeizugehen scheint. Die Microsoft-Aktie hielt sich zuletzt bequem oberhalb von 500 US-Dollar und am Mittwoch konnte das Papier sogar um 0,9 Prozent bis auf 506,74 US-Dollar zulegen. Obschon das Thema für einige große Schlagzeilen sorgt, scheinen die Anteilseigner sich keine ernsthaften Gedanken um mögliche Folgen für die Bilanzen zu machen. Tatsächlich gibt es bisher auch keine Hinweise darauf, dass jene dadurch irgendwie in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Der dezentralen Natur der Cloud ist es zu verdanken, dass die Geschäfte auch bei der Besetzung des Firmensitzes wie gewohnt weiterlaufen können.
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28.08.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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