SpaceX im freien Fall, Alphabet verliert kluge Köpfe, Nvidia bleibt erfolglos in China und Micron schreibt weiter Börsenrekorde
Längst nicht mehr jede Aktie aus dem KI-Segment befindet sich im Rallye-Modus
Grundsätzlich ist der KI-Boom noch immer sehr lebendig. Die Nachfrage nach entsprechenden Chips reißt nicht ab, da rund um den Globus immer neue, gigantische Rechenzentren aus dem Boden gestampft werden. Allerdings sehen die Anlegerinnen und Anleger mittlerweile doch etwas genauer hin. Eine Zugehörigkeit zum Segment ist kein Garant mehr für immer neue Kursrekorde.
Noch recht jung ist die Hausse der Aktie von SpaceX (US84615Q1031), schließlich ging das Papier vor weniger als zwei Wochen erst an den Start. Doch nach einer euphorischen Anfangsphase hat die Begeisterung merklich nachgelassen. Am Montag hat sich die Korrektur nicht nur fortgesetzt. Der Kurs rasselte regelrecht in die Tiefe und landete nach Abschlägen von 16,4 Prozent bei noch 154,60 US-Dollar. Im nachbörslichen Handel ging es dann steil in Richtung 150 Dollar.
Verunsichert waren die Börsianer wohl ob einer angekündigten Anleiheemission welche Milliarden in die Kassen spülen soll. Das schürt Zweifel an der finanziellen Ausgangslage und lässt zudem Warnungen diverser Analysten vor einer möglichen Überbewertung in einem anderen Licht erscheinen. Noch notiert SpaceX ein gutes Stück über dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Doch das Papier scheint recht schnell an Glanz verloren zu haben.
Alphabet verliert Top-Personal
Um die Finanzen macht sich im Falle von Alphabet (US02079K1079) wahrscheinlich niemand Gedanken. Probleme scheint es in Mountain View aber beim Personal zu geben. Gleich zwei führende KI-Entwickler verkündeten ihren Abschied vom Google-Konzern, namentlich John Jumper und Noam Shazeer. Die beiden treibt es zu den wichtigsten Konkurrenten. Nobelpreisgewinner John Jumper kommt bei Anthropic unter und Shazeer findet bei OpenAI einen neuen Arbeitgeber.
Bei den Aktionären sorgt das für sichtliche Verunsicherung. Die Alphabet-Aktie musste am Montag Verluste von 5,1 Prozent verkraften, was den Kurs auf 348,78 Dollar beförderte. Auch das ist noch ein ansehnliches Niveau, aber mittlerweile auch ein gutes Stück entfernt vom Allzeit-Hoch bei 404,47 Dollar. Künstliche Intelligenz befeuert zwar die Fantasie der Börsen weiterhin. Das Segment ist allerdings auch hart umkämpft und jedes Anzeichen dafür, dass jemand im Rennen um Marktanteile ansatzweise zurückfallen könnte, macht sich direkt bemerkbar.
Nvidia schafft den Durchbruch in China nicht
Mit am meisten in die Höhe getrieben werden immer noch die Aktien der Chiphersteller. Nvidia (US67066G1040) merkt davon momentan aber nicht allzu viel. Dort ging es mit dem Aktienkurs gestern um knapp ein Prozent auf 208,65 Dollar abwärts. Wirklich schlechte Nachrichten gab es zwar nicht zu hören. Es fehlte aber auch an erfreulichen Neuigkeiten. Das betrifft insbesondere den chinesischen Markt, wo Nvidia aufgrund politischer Querelen kaum noch eine Rolle zu spielen scheint (zumindest über offizielle Kanäle).
Die US-Regierung hat bereits vor einer Weile neue Exportlizenzen erteilt. In Peking ist man davon aber wenig begeistert und stellt Nvidia munter Steine in den Weg. Der Knoten scheint bislang einfach nicht platzen zu wollen. Darüber hinaus wird die Konkurrenz auch anderswo stärker und der Bedarf verschiebt sich von Leistung um jeden Preis ein wenig in Richtung möglichst hohe Effizienz. Die Börsianer sind vorsichtiger und das Allzeit-Hoch aus dem Mai wurde in den letzten Wochen nicht einmal mehr angegriffen.
Micron als Hoffnungsträger
Die Stimmung im KI-Segment scheint also etwas durchzuhängen, wenn auch weiterhin auf hohem Niveau. Die größten Chancen erkennen die Marktakteure momentan ganz offensichtlich bei den Speicherherstellern, wo Nachfrage und Margen schier endlos in die Höhe zu schießen scheinen. Genau das lässt auf hervorragende Zahlen von Micron (US5951121038) hoffen. Die Bullen stimmen sich darauf schon mal ein und gönnten der Micron-Aktie am Montag Aufschläge von 6,8 Prozent und ein neues Rekordhoch bei 1.213,56 Dollar. Der Kurs zu Handelsschluss war davon nicht weit entfernt.
Das ist ein hübscher Anblick, der jedoch auch manches Risiko mit sich bringt. Die Erwartungen sind nach mehreren brachial guten Quartalen mittlerweile ins schier Unermessliche gestiegen. Um dies auch bedienen zu können, wird Micron die Prognosen der Analysten deutlich übertreffen müssen. Alles andere dürfte als Enttäuschung wahrgenommen werden und für eine Korrektur sorgen. Dazu muss es nicht kommen, doch es schadet als Anleger nicht, das Szenario im Hinterkopf zu behalten.
Immer schön vorsichtig
Auf fundamentaler Ebene hat sich bei den KI-Giganten nur erstaunlich wenig geändert. Dennoch sehen die Anleger genauer hin und sie reagieren momentan ein wenig allergisch darauf, wenn sich auch nur ansatzweise Widerstände ergeben. Insbesondere wenn es um die Finanzen geht, scheinen die Börsianer dünnhäutiger geworden zu sein. Die KI-Rallye ist zwar deshalb noch nicht zwingend am Ende. Sie ist aber auch kein Automatismus mehr.
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23.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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