Trotz rapide fallender Absatzzahlen will Tesla die Produktion in Grünheide erhöhen und die Aktie zeigt sich erstaunlich stark
Wird Tesla wieder einmal unterschätzt?
Beschäftigt man sich rein mit den Absatzzahlen, sieht es für Tesla momentan überhaupt nicht gut aus. In China konnte man zwar zuletzt auf niedrigem Niveau etwas zulegen, musste dafür aber auch weitere Rabatte in Kauf nehmen. Anderswo sind die Verkaufszahlen derweil im freien Fall, obschon der Markt um E-Autos an sich wieder sichtlich wächst und manchem Hersteller Rekordzahlen beschert.
Die Probleme von Tesla (US88160R1014) werden von Experten nicht (nur) auf die Person Elon Musk und dessen politische Aktivitäten zurückgeführt, was dem Image des Konzerns nachhaltig geschadet hat. Das vielleicht deutlich größere Problem ist die schwer betagte Produktpalette. Die letzte Neueinführung ist der Cybertruck, welcher sich zu einem veritablen Flop entwickelt hat und in Europa aufgrund von Zulassungsproblemen gar nicht erst angeboten wird. Versucht hatte es Tesla noch einmal mit einer günstigeren Einstiegsvariante.
Letztere scheint aber noch weniger gut angenommen zu werden als bisherige Modelle. Denn wie „Electrek“ berichtet wurde der Cybertruck RWD wohl schon fünf Monate nach der Ankündigung im April still und heimlich wieder eingestellt. Auf der Webseite finden sich keinerlei Hinweise mehr auf das Fahrzeug, das rund 10.000 US-Dollar günstiger als der bisherige Cybertruck angeboten wurde. Zahlen nennt Tesla nicht, doch bei einem durchschlagenden Erfolg wäre der Verkauf wohl eher nicht sang- und klanglos eingestellt worden.
Tesla geht in den Angriff über
Derweil entwickeln sich die Dinge in Deutschland dramatisch. Im August konnte Tesla hierzulande bescheidene 1.441 Neuzulassungen verzeichnen und damit knapp 40 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Es fehlt nicht mehr viel, um vom chinesischen Konkurrenten BYD überholt zu werden. Gleichzeitig verbesserten sich die Absätze bei E-Autos insgesamt um 45,7 Prozent, wie in der „WirtschaftsWoche“ zu lesen ist.
In anderen europäischen Ländern sieht es nicht sehr viel besser aus und sogar in den USA kämpfte Tesla zuletzt mit rückläufigen Absatzzahlen. Die logische Konsequenz aus einer solchen Entwicklung scheint eigentlich ein Rückgang bei der Produktion zu sein. Doch stattdessen kündigte in Grünheide Werksleiter André Thierig nun an, die Produktion im Rest des Jahres ausweiten zu wollen. Begründet wird dies mit einer „sehr guten Absatzlage“, was allerdings nicht im Detail erläutert wird.
Man beliefere über 30 Märkte und erkenne dort einen positiven Trend, heißt es gegenüber Medienvertretern. Das klingt fast danach, als würde die Lage bei Tesla vielleicht ein wenig falsch eingeschätzt. Tatsächlich wäre es auch nicht das erste Mal, dass die Skeptiker eines Besseren belehrt würden. Doch ist die Lage heute auch eine andere als noch im letzten Jahrzehnt und Vergleiche mit damals sind wahrscheinlich nur bedingt sinnvoll. Dennoch ist der Optimismus bei Tesla eine interessante Angelegenheit. Freilich wird man aber auch unter Beweis stellen müssen, die höheren Produktionsziele auch tatsächlich erreichen zu können.
Die Hoffnung lebt
Sehr viel besser als von vielen befürchtet entwickelte sich zuletzt auch der Aktienkurs von Tesla, der am Freitag mal eben um weitere 7,4 Prozent in die Höhe schoss und nachbörslich sogar wieder die 400-Dollar-Marke überschreiten konnte. Nach kurzer Unterbrechung ist CEO Elon Musk dadurch auch wieder der reichste Mensch auf dem Planeten. Getragen wird die Aktie vor allem von Hoffnungen auf bahnbrechende Erfolge mit Robotaxis, welche Musk immer wieder in Aussicht stellte.
Ein neues, potenziell billionenschweres Gehaltspaket ist fest daran verknüpft, dass Musk in diesem Bereich handfeste Erfolge vorweisen kann. Das scheint das Vertrauen der Anteilseigner weiter zu stärken und so macht sich schier endloser Optimismus breit. Das ist für den Moment ein hübscher Anblick und die Shortseller dürften sich die Haare raufen. Allerdings wird Hoffnung allein die Tesla-Aktie nicht bis in alle Ewigkeit halten können. Früher oder später muss es auch wieder handfeste und mit Zahlen untermauerte Erfolge zu sehen geben. Ansonsten könnte das böse Erwachen lediglich etwas nach hinten verschoben worden sein.
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15.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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