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Tesla hat wieder Nachfrage, aber noch kein Bewertungsproblem gelöst

Rekordauslieferungen und steigender Umsatz stabilisieren das Kerngeschäft – gleichzeitig verschlingen Robotaxi, KI und Optimus immer mehr Kapital

NTG24 - Tesla hat wieder Nachfrage, aber noch kein Bewertungsproblem gelöst

 

Tesla hat im zweiten Quartal ein Problem gelöst, das den Konzern lange verfolgt hatte: Die Autonachfrage kam deutlich zurück. Doch ausgerechnet nach dem starken Absatzquartal wird sichtbar, warum die Aktie längst nicht mehr wie die eines normalen Fahrzeugherstellers bewertet werden kann. Das Autogeschäft liefert wieder Volumen, während ein immer größerer Teil des Kapitals in Robotaxis, KI-Infrastruktur und Robotik fließt. Anleger kaufen damit weniger das heutige Ergebnis als die Hoffnung, dass diese Investitionen irgendwann ein völlig anderes Tesla hervorbringen.

Tesla (US88160R1014) lieferte im zweiten Quartal 480.126 Fahrzeuge aus. Gegenüber den 384.122 Einheiten des Vorjahres war das eine kräftige Erholung. Auch der Umsatz stieg um 26 % auf 28,24 Mrd. US-Dollar. Damit ist die zuletzt häufig diskutierte Nachfrageschwäche zumindest vorerst nicht mehr das wichtigste Problem.

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Werbebanner Speed Monkeys - Tesla Tuning EssenDie Börse schaut inzwischen tiefer. Am Donnerstag bewegte sich die Aktie im US-Handel zeitweise im Bereich um rund 330 US-Dollar. Entscheidend ist weniger diese Tagesbewegung als der Abstand zwischen operativem Geschäft und Bewertung: Der Fahrzeugabsatz hat sich erholt, die großen Zukunftsgeschäfte verdienen aber weiterhin kaum das Geld, mit dem die hohe Marktkapitalisierung gerechtfertigt werden soll.

 

Mehr Autos bedeuten nicht automatisch mehr Ertragsqualität

 

Der Umsatz mit Fahrzeugverkäufen stieg im Quartal um 27 % auf gut 20 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig blieb die Profitabilität hinter den hohen Erwartungen zurück. Reuters bezifferte die Automotive-Bruttomarge auf 16,3 %. Das bereinigte Ergebnis von 0,33 US-Dollar je Aktie verfehlte ebenfalls die damaligen Markterwartungen.

Genau hier liegt die analytische Trennlinie. Tesla hat bewiesen, dass niedrigere Preise, neue Varianten und eine verbesserte Nachfrage wieder große Stückzahlen erzeugen können. Der Konzern hat damit aber noch nicht bewiesen, dass dieses Volumen auch wieder die Margen früherer Jahre ermöglicht.

Hinzu kommt, dass die Einnahmen aus regulatorischen Emissionsgutschriften im zweiten Quartal um 67 % auf nur noch 146 Mio. US-Dollar zurückgingen. Der aktuelle Tesla-Quartalsbericht bei der SEC macht damit sichtbar, dass das operative Modell zunehmend ohne diesen früher wichtigen Ergebnisbaustein auskommen muss.

Das wäre grundsätzlich positiv, wenn parallel ein neuer hochprofitabler Geschäftsblock entstünde. Genau darauf setzt Tesla mit Software, autonomem Fahren und Robotik. Noch befindet sich diese Rechnung allerdings in einer sehr kapitalintensiven Zwischenphase.

 

25 Milliarden US-Dollar machen aus der KI-Vision eine Cashflow-Frage

 

Für 2026 erwartet Tesla inzwischen Investitionen von mehr als 25 Mrd. US-Dollar. Geld fließt unter anderem in Rechenzentren und KI-Infrastruktur, neue Fertigungslinien, Robotik, Halbleiteraktivitäten sowie weitere Produktionskapazitäten. Allein im ersten Halbjahr lagen die Investitionen mit 8,28 Mrd. US-Dollar mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum.

Im zweiten Quartal erreichten die Investitionen laut Reuters-Bericht zu Teslas Investitionsoffensive rund 5,8 Mrd. US-Dollar. Der freie Cashflow rutschte dadurch auf etwa minus 1,1 Mrd. US-Dollar.

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Das ist bei einem Konzern mit mehr als 43 Mrd. US-Dollar an liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen kein unmittelbares Finanzierungsproblem. Es verändert aber die Logik der Aktie. Tesla muss nicht nur zeigen, dass KI technisch funktioniert. Die Investitionen müssen irgendwann Erlöse und Margen produzieren, die weit über das klassische Automobilgeschäft hinausgehen.

 

 

 

Robotaxi ist realer geworden – aber noch nicht groß genug

 

Genau deshalb ist der Robotaxi-Ausbau momentan wichtiger als noch eine weitere Rekordzahl bei Fahrzeugauslieferungen. Tesla betreibt inzwischen kommerzielle Angebote in mehreren US-Städten. Nach Unternehmensangaben wurden bis zu den Q2-Zahlen rund 2,5 Mio. Meilen mit zahlenden Robotaxi-Kunden zurückgelegt, davon etwa 380.000 Meilen ohne Sicherheitsaufsicht im Fahrzeug.

Das ist ein Fortschritt gegenüber der reinen Ankündigungsphase. Gleichzeitig zeigte die jüngste Einordnung des Robotaxi-Ausbaus, wie weit Tesla von einer großflächigen Skalierung noch entfernt ist. Die Flotten bleiben klein, die Einsatzgebiete teilweise begrenzt und frühere Expansionsziele wurden nicht vollständig erreicht.

Damit steckt die Aktie in einem ungewöhnlichen Bewertungsparadox. Das Autogeschäft ist momentan besser als viele noch vor einigen Monaten erwartet hatten. Für einen erheblichen Teil der Tesla-Bewertung reicht ein besseres Autogeschäft jedoch gar nicht aus. Dafür müssten Robotaxi, FSD und später Optimus beweisen, dass aus technologischer Reichweite tatsächlich ein hochprofitables Plattformgeschäft entsteht.

 

Das unterschätzte Geschäft steht im Batteriespeicher

 

Während die Öffentlichkeit über Robotaxis diskutiert, wächst ein greifbareres Geschäft weiter. Tesla installierte im zweiten Quartal 13,5 GWh Energiespeicher nach 8,8 GWh im ersten Quartal. Der Umsatz des Segments Energy Generation and Storage erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 13 % auf 3,14 Mrd. US-Dollar.

Die Bruttomarge schwächte sich allerdings gegenüber dem Vorjahr ab. Auch hier gilt deshalb: Das Volumen allein genügt nicht. Dennoch besitzt Tesla mit Megapack und dem Ausbau weiterer Megafactories einen Geschäftsbereich, der vom steigenden Strombedarf von Rechenzentren und Netzen profitieren kann – und dessen Nachfrage deutlich weniger spekulativ ist als die langfristigen Optimus-Erwartungen.

 

Tesla ist heute zwei Unternehmen in einer Aktie

 

Das zweite Quartal hat Tesla operativ stabilisiert, die Bewertungsfrage aber nicht vereinfacht. Das erste Unternehmen verkauft wieder deutlich mehr Autos, baut Batteriespeicher und erzeugt ausreichend operative Mittelzuflüsse, um große Investitionen zumindest teilweise selbst zu tragen. Dieses Tesla lässt sich anhand von Volumen, Preisen, Margen und Cashflow beurteilen.

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Das zweite Unternehmen existiert zu einem erheblichen Teil noch in der Zukunft: autonome Mobilität, Cybercab, humanoide Roboter und eigene KI-Infrastruktur. Genau dieses Tesla rechtfertigt den außergewöhnlichen Bewertungsaufschlag. Solange die Skalierung dort langsamer läuft als die Investitionen steigen, bleibt die Aktie abhängig davon, wie viel Zeit Anleger der Vision geben. Die überraschend starke Autonachfrage verschafft Tesla dafür Luft – sie ersetzt den wirtschaftlichen Nachweis der KI-Strategie aber nicht.

 

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13.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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