Tesla will mehr Zulassungen für FSD in Europa und scheint dabei mit dezent zweifelhaften Zahlen zu arbeiten
Rechnet Tesla sich seine Statistiken schön?
Im April erhielt Tesla in den Niederlanden erstmals eine Zulassung für Full Self-Driving (Supervised) in den Niederlanden. Im Mai folgten Litauen und Estland diesem Beispiel und in diesem Monat erfolgten Zulassungen in Dänemark sowie Belgien. Das System übernimmt das Fahren weitgehend selbst, verlangt aber noch die ständige Aufmerksamkeit des Fahrers. Für die Zukunft peilt Tesla aber klar an, sich weiter zu verbessern.
Zunächst steht jedoch das Projekt an, eine EU-weite Zulassung zu erreichen. Zu diesem Zweck müssen Vertreter von 55 Prozent der Mitgliedsstaaten ihren Segen erteilen, welche mindestens 65 Prozent der Bevölkerung abdecken. Auf dem Weg dorthin braucht es also noch zahlreiche Einzelzulassungen seitens Tesla (US88160R1014), an denen derzeit gearbeitet wird. Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters deutet nun darauf hin, dass das Unternehmen bei Zulassungsanträgen wohl Statistiken nutzt, die sehr optimistisch ausgelegt werden.
Den Ausführungen von Reuters zufolge nutzt Tesla in der Korrespondenz mit europäischen Behörden wohl zuweilen aufgebauschte Zahlen. Bei einem Zulassungsantrag in Schweden sei audfgefallen, dass fragwürdige Zahlen vorgelegt wurden. Geworben wurde seitens Tesla damit, dass mit FSD (Supervised) 32.000 tödliche Unfälle hätten verhindert werden können. Zudem hätten nach Ansicht von Tesla 1,9 Millionen Verletzungen verhindert werden könnten. Im Artikel zweifeln Wissenschaftler solche Angaben jedoch an und bezeichnen diese gar als irreführend.
Wie Tesla sich die Welt schönrechnet
In der eigenen Statistik scheint Tesla davon auszugehen, dass in den USA sämtliche Fahrzeuge mit FSD ersetzt würden, darunter auch Lkw und Motorräder. Zugrunde gelegt wird dabei die Rechnung, dass ein Tesla-Auto im Vergleich zu einem menschlichen Fahrer die siebenfache Strecke zurücklegen könne, ehe es zu einem Unfall kommt. Vorgeworfen wird dem Unternehmen nicht nur hier vielleicht ein wenig zu viel Optimismus. Kritik gibt es auch beim Vergleich mit anderen Autoherstellern.
In der eigenen Statistik erfasst Tesla nur dann einen Vorfall als Unfall, wenn dabei auch Airbags ausgelöst wurden. Bei Unfällen anderer Hersteller mit menschlichen Fahrern fließen hingegen schon geringere Schäden mit in die Statistik ein. Darüber hinaus vergleiche Tesla seine Flotte mit durchschnittlich alten US-Autos. Solche sind deutlich älter als die Fahrzeuge von Tesla in der Statistik, sodass sie auch über weitaus weniger Sicherheitsfeatures verfügen. Selbstredend lassen sich Statistiken stets und immer unterschiedlich interpretieren. Der überbordende Optimismus seitens Tesla ist aber kaum zu übersehen.
Welche Auswirkungen dies auf weitere Zulassungen haben mag, bleibt abzuwarten. Die schwedische Verkehrsbehörde teilte gegenüber Reuters mit, dass eine Zulassungsentscheidung nicht nur anhand von Informationen erfolge, die vom Hersteller geliefert werden. Die nun vorliegenden Daten wollte man jedoch nicht weiter kommentieren. In Griechenland scheint man derweil schwer überzeugt von Teslas Statistiken zu sein. In Norwegen hingegen scheint es den Behörden schwerzufallen, die Angaben des Herstellers nachvollziehen zu können.
Herzensangelegenheit
Für Tesla geht es beim Thema FSD um viel. Denn nicht weniger als die Zukunft des Unternehmens ist auf autonomem Fahren aufgebaut. Der noch immer ansehnliche Aktienkurs fußt zu weiten Teilen auf dem Versprechen, dass eines Tages mit Robotaxis eine Revolution in der Mobilität losgetreten wird, bei der Tesla ganz vorne mit dabei sein wird. Möglich wird dies aber nur sein, wenn dafür auch entsprechende Zulassungen eingesammelt werden können.
Daher werden die Anleger das Thema zweifellos im Auge behalten. Beunruhigen ließen sie sich von den aufgetauchten Berichten allerdings nicht weiter. Der Aktienkurs kletterte am Montag um 1,2 Prozent auf 411,15 US-Dollar, bevor es nachbörslich ungefähr im gleichen Tempo wieder in Richtung Süden ging. Rekorde hat die Tesla-Aktie schon seit einer Weile nicht mehr geschrieben. Locker lassen wollen die Käufer aber offensichtlich auch nicht.
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16.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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