als .pdf Datei herunterladen

Euronext, Amazon, Intuit: Strategiedepot Aktien Konservativ

Update zum Strategiedepot Aktien Konservativ 11.10.2020

 

In der zurückliegenden Woche präsentierten sich die internationalen Aktienmärkte in einer sehr festen Verfassung. Der MSCI World (Euro) – Index stieg um + 2,7 %.

Dass die Aktienbörsen trotz starker weltweiter Zunahme der 2. Corona-Welle derart positiv tendierten, erklären wir uns vor allem mit Spekulationskäufen im Vorfeld der in den nächsten Woche im internationalen Standardwerte-Segment beginnenden Unternehmensberichtssaison zum 3. Quartal, wofür auch spricht, dass der Aktienanstieg in der letzten Woche nahezu alle Sektoren gleichermaßen umfasste.

Für die S&P 500-Konzerne erwarten die Analysten derzeit im Konsens unverändert zur Vorwoche weiterhin einen Rückgang des Nettogewinns im 3. Quartal um - 21 % gegenüber den Vorjahr (gegenüber dem 2. Quartal: + 17 %), die vergleichbaren Analystenschätzungen für Unternehmen des STOXX EUROPA 600 - Index verbesserten sich in der letzten Woche marginal um 1 %-Punkt auf einen erwarteten Einbruch des Nettogewinns um - 38 % gegenüber dem Vorjahr.

Den Auftakt zur kommenden Quartalsberichtssaison werden unter den weltführenden Blue Chip-Konzernen in den USA am 13.10. Blackrock, Citigroup, Johnson & Johnson, JP Morgan und Procter & Gamble machen, in Europa wird die Gewinnberichtsperiode der Blue Chip-Konzerne am 14.10. vom niederländischen Weltmarktführer in der Halbleiterlithographie, ASML, sowie dem britisch-australischen Basismetall-Konglomerat BHP Billiton eröffnet.

Die bemerkenswertesten Konjunkturdaten bestanden in der letzten Woche aus europäischer Sicht

darin, dass das Wachstum der Einzelhandelsumsätze in der Eurozone im September sowohl gegenüber dem Vorjahr (+ 3,7 %) wie auch dem Vormonat August (+ 4,4 %) die Analystenschätzungen deutlich übertraf, was ebenso auch für die industriellen Auftragseingänge in Deutschland im September galt (nur noch - 2,2 % ggü. dem Vorjahr und + 4,5 % gegenüber dem Vormonat August). Hier könnten sich also auch selbst innerhalb des europäischen Kontinents nun möglicherweise erste Silberstreifen am bis zuletzt noch düsteren Konjunkturhimmel andeuten.

In den USA war in der letzten Woche unter makroökonomischen Aspekten lediglich hervorzuheben, dass die Auftragseingänge im Dienstleistungssektor gemäß dem zugehörigen Einkaufsmanagerindex im September deutlich von 56,8 im August auf 61,5 anzogen (völlig entgegen dem Analystenkonsens, die von einem Rückgang auf 44,7 ausgegangen waren).

Die KGV-Bewertungen (Schätzungen für 2021) der internationalen MSCI-Aktienindizes bildeten sich per 07.10. weiter leicht zurück, liegen bis auf Japan aber noch immer auf den höchsten Niveaus seit 2002 (World: 18,9 / USA: 21,9 / Europa: 16,0 / Deutschland: 15,9 / Japan: 17,6).

Den Aktieninvestitionsgrad in unseren 5 Strategie- / Themendepots behalten wir weiterhin in einer Größenordnung von max. rd. 88 % bei.

 

Chart: MSCI World (Euro) – Index

 

 

Das vor allem auf defensive, jedoch dennoch besonders wachstumsstetige Titel ausgerichtete Strategiedepot AKTIEN KONSERVATIV konnte mit dem sehr risikofreudig geprägten Anstieg des MSCI WORLD (Euro)-Index in der letzten Woche zwar nicht mithalten, legte aber zumindest um + 1,3 % zu.

Hierdurch ergab sich seit Auflegung am 26.02.2019 per 11.10. auf Euro-Währungsbasis eine Nettoperformance des Depots (vor Dividenden) von + 20,6 %, womit die Outperformance gegenüber dem MSCI World (Euro) - Index nunmehr + 8,1 % beträgt.

Den mit Abstand größten Kursverlust im Depot verzeichnete in der zurückliegenden Woche die Aktie des multinationalen, pan-europäischen Börsenbetreibers EURONEXT (NL0006294274), die um - 7,3 % korrigierte, nachdem am 09.10. ihr Erwerb der Mailänder Börse (Borsa Italiana) von der London Stock Exchange Group nach zweiwöchigen Verhandlungen nun besiegelt wurde.

Dass hierauf nach einem freundlichen Aktienverlauf der Euronext in den vorangegangenen Wochen nun dieser harsche Kursrückschlag erfolgte, war nur folgerichtig, da zum einen der stolze Kaufpreis von 4,3 Mrd. Euro nun letztlich über der seit Wochen im Markt kolportierten vermeintlichen Kaufpreisspanne von ca. 3,5 - 4 Mrd. Euro gelandet ist und mit einer Kurs-Umsatz-Bewertung der Borsa Italiana per 30.06.2020 von 9,0 auch leicht über der aktuellen Kurs-Umsatz-Bewertung der Euronext-Aktie selbst (8,7) liegt, zum anderen, weil zur Finanzierung dieser strategisch hervorragenden, aber für Euronext-Verhältnisse sehr groß dimensionierten Übernahme in den nächsten Wochen nun eine Aktienkapitalerhöhung von nicht weniger als 2,4 Mrd. Euro (= 35 % der bisherigen Euronext-Marktkapitalisierung) sowie die Aufbringung der restlichen Kaufpreissumme von 1,9 Mrd. Euro über eine Fremdfinanzierung ansteht.

Da die Nettoverschuldung der Euronext-Gruppe bislang jedoch lediglich rd. 640 Mio. Euro betrug, werden sich mit dieser Mammut-Übernahme die bilanziellen Passiva-Strukturen der Euronext vorübergehend somit deutlich verschlechtern, was trotz einer rd. 700 Mio. Euro betragenden Finanzierungsbeteiligung ihrer italienischen Bietungs-Konsortialpartner CDP und Banca Intesa San Paolo nun eine temporäre Herabstufung ihres aktuellen A- Kreditratings in den BBB-Bereich (damit aber immer noch „Investment Grade“) nach sich ziehen dürfte.

Kurzfristig halten wir daher durchaus sogar noch einen weiteren rd. 8 %igen Kursdruck der Aktie bis auf rd. 90 Euro nicht für ausgeschlossen, behalten den Titel jedoch auch weiterhin angesichts seiner aktuell sehr attraktiven Aktienbewertung (KGV 2022e nur rd. 18) wie auch der hervorragenden Strategieabrundung der Euronext durch die Übernahme der Borsa Italiana (Konzernumsatzbeitrag künftig rd. 35 %) weiterhin in unserem Strategiedepot AKTIEN KONSERVATIV bei.

Zu den führenden Depotgewinnern zählte im Vorfeld ihrer am 13. und 14.10. stattfindenden preisvergünstigten „Prime Days“ mit einem Kursplus von + 5,2 % AMAZON.COM (US0231351067), nachdem eine Research-Studie von JP Morgan das Umsatzpotenzial der 2 Prime Days auf rd. 7,5 Mrd. USD bezifferte (Vorjahr 7,2 Mrd. USD) und auch ein glänzend verlaufendes weiteres Vorweihnachts-Geschäft von Amazon erwartet, dessen von JP Morgan gesehener gewaltiger Gewinnboom im 4. Quartal zusätzlich stark von den hierauf abgestellten zurückliegenden Kapazitätserweiterungen um 50 % sowie die Eröffnung 100 neuer Logistikzentren begünstigt würde. Ihre Kaufempfehlung für Amazon als „Top Pick“ bekräftigte JP Morgan daher, hob das mittelfristige Kursziel für die Aktie jedoch nun neu auf 4050 USD an.

Auch wir behalten die Position in unseren Strategiedepots AKTIEN KONSERVATIV und VERMÖGENSSTREUUNG wie auch im Themendepot ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN selbstverständlich bei.

Auch die Aktie des weltgrößten Steuer- und Finanzplanungssoftware-Konzerns INTUIT (US4612021034) profitierte bei ihrem 6,2 %igen Kurssprung stark von einer sehr positiven Analyse des Bankhauses Morgan Stanley, da der dortige Analyst die strategische Neufokussierung von Intuit auf die künftige Maximierung des Umsatzes je Kunden (bisheriges Kernziel: Maximierung des Kundenstamms) als hervorragend bewertete und diese neue Profitabilitätskonzentration längerfristig weit bessere Spielräume eröffnen würde, die Ende 2020 voraussichtlich bei 34,7 % liegende operative EBIT-Gewinnmarge anschließend von 2021 – 2023 hoch stabil um jeweils rd. 1,25 %-Punkte jährlich zu steigern. Auf Basis dieser Annahmen sprach Morgan Stanley daher nun eine neue Kaufempfehlung für die Aktie aus und hob ihr Kursziel zudem gleichzeitig von 315 USD auf 400 USD an.

Darüber hinaus stiegen auch die US-Aktien des weltgrößten Datencenter-Verwalters EQUINIX, des Speditionskonzerns OLD DOMINION FREIGHT LINE, des Versicherers PROGRESSIVE CORP. und des führenden italienischen Pharmakonzerns RECORDATI ohne fundamental neue kursrelevante Nachrichten im Wochenverlauf jeweils um über 6 %.

 

 

11.10.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de