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Edelmetall Marktbericht - Chartmuster gegen Momentum: Gold, Silber - Kurzfristig mit charttechnischem Gegenwind, Ausgangslage aber weiter explosiv!

Die Edelmetallwoche vom 12.05.2026 – 15.05.2026

NTG24 - Edelmetall Marktbericht - Chartmuster gegen Momentum: Gold, Silber - Kurzfristig mit charttechnischem Gegenwind, Ausgangslage aber weiter explosiv!

 

Die Edelmetalle leckten sich vor allem zum Ende der Handelswoche ihre Wunden, die ihnen das sich eintrübende Sentiment zugefügt hatte. Denn die neuesten Konjunkturzahlen in den USA lassen derzeit die von US-Präsident Trump erwarteten Zinssenkungen unwahrscheinlich erscheinen, und auch der hohe Ölpreis dämpft die Hoffnung auf fallende Zinsen. Der neue Chef der US-Notenbank, Kevin Warsh, könnte deshalb vor einem ruppigen Amtsantritt als 17. FED-Präsident stehen. Derweil steigen nicht nur die Zinsen weltweit, sondern auch der US-Dollar legte in der abgelaufenen Handelswoche wieder zu und drückte dabei die Rohstoffpreise. Dem konnten sich auch die Edelmetalle nicht entziehen.

Wer hätte zu Wochenbeginn gedacht, dass die Edelmetalle nach einem schwungvollen Wochenstart mit immer stärker werdendem Gegenwind zu kämpfen haben und die Handelswoche mit deutlichen Verlusten beenden werden? Aber wieder einmal war der Überraschungseffekt auf dem Vorzeichenauge blind.

Im Wochenvergleich verlor Gold (TVC:GOLD) 3,7 % auf 4.540,65 USD, Silber (TVC:SILVER) 5,4 % auf 76 USD, Platin (TVC:PLATINUM) 4 % auf 1.964,48 USD und Palladium (TVC:PALLADIUM) 4,8 % auf 1.414,94 USD.

 

Die Risse im Anleihemarkt werden tiefer

 

Hauptursache für das sich schnell eintrübende Sentiment im Edelmetallsektor waren die weltweit steigenden Zinsen. Die Zinserwartungen waren bislang vor allem in den USA durch die Hoffnung getragen, dass der neue US-Notenbankchef Warsh die Zinsen noch mindestens einmal in diesem Jahr senken würde. Doch es sollte anders kommen.

Die in dieser Woche veröffentlichten Daten zeigten, dass die Erzeugerpreise in den USA im April den stärksten jährlichen Anstieg seit vier Jahren verzeichneten, während auch die Verbraucherpreisinflation positiv überraschte. Die Einzelhandelsumsätze unterstrichen die robuste Verbrauchernachfrage trotz steigender Energiekosten. Die Rendite der von der US-Notenbank beachteten zweijährigen Staatsanleihe sprang in der Folge im Wochenvergleich von 3,889 % auf 4,079 %. Damit erwartet der Marktkonsens aktuell für die nächsten 24 Monate sogar eine oder mehrere Zinserhöhungen!

Der Zinsanstieg ist aber nicht auf die USA beschränkt, sondern zeigt sich weltweit und auch in längeren Laufzeiten. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe (TVC:DE10Y) stieg im Wochenvergleich von 4,37 % auf 4,59 %, und die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe sprang von 2,997 % auf 3,184 %.

Lohnenswert ist nun ein Blick auf die langfristige Entwicklung der deutschen Anleiherendite in Chart 1 seit 1980.

 

Deutsche Staatsanleihen 10 Jahre

 

Sie zeigt, dass sich die aktuelle Rendite auf dem Niveau der Finanzkrise 2007/2008 befindet, das sich durch die intensiv-medizinischen Maßnahmen der EZB-Geldpolitik bis zum Extremwert von -0,908 % im März 2020 zu Beginn der Coronakrise weiter verringerte. Die beiden langfristigen Abwärtstrends wurden im Zuge des Einmarsches russischer Truppen in die Ukraine im Frühjahr 2022 gebrochen und haben damit ein langfristiges Kaufsignal gegeben. Dieser Abwärtstrend lief von 1981 bis 2022 und damit 41 Jahre. Die enorme Länge lässt dabei auch das Aufwärtspotenzial der Rendite erahnen.

Die seit dem 4. Quartal 2022 laufende Konsolidierung dieses Trendbruches dürfte sich mit dem scharfen Anstieg in dieser Handelswoche dem Ende nähern. Ein mittelfristiger Anstieg bis in den Bereich von 4,7 % (gestrichelte Horizontale in Chart 1) ist nun sehr wahrscheinlich geworden.

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Kurzfristig weiter Druck auf das Sentiment im Edelmetallsektor

 

Die kurzfristigen Folgen dieser Entwicklung wirkt direkt und indirekt auf das Sentiment und die Entwicklung der Edelmetallpreise. Der US-Dollar legte gegen in der Handelswoche von 1,17844 USD je Euro um 1,36 % auf 1,1624 USD je Euro zu, was nicht nur, aber eben auch auf die Edelmetallpreise drückt, denn der Edelmetallkauf wird in anderen Währungen wie etwa Euro, indische Rupie oder japanischem Yen teurer. Zudem bleibt auch die realwirtschaftliche Differenz zwischen einem konjunkturlahmen Euroraum und den USA eine relative Stütze für den US-Dollar gegen den Euro. Ein Blick auf die Charttechnik des Euros gegen den Schweizer Franken wie auch den US-Dollar verstärkt zudem die Sorgen für eine sich verstärkende Abschwächung des Euros.

Für Investoren, welche nun mit einem stärkeren US-Dollar und mit steigenden Zinsen rechnen, dürfte das alte Argument, dass Edelmetalle keine Zinsen tragen, wieder schwerer wiegen. Da die Zinsdifferenz zwischen einjährigen deutschen Staatstiteln (2,542 %) und US-amerikanischen einjährigen Bonds (3,816 %) beachtliche 1,274 % beträgt, bleibt es diesbezüglich bei einer gewissen Magnetwirkung in US-amerikanische Geldmarktfonds hinein.

Und schließlich haben die geopolitischen Erschütterungen der letzten Wochen die Konkurrenten der USA wie etwa den Euroraum, Japan und Indien deutlich stärker getroffen und damit einen relativen Vorteil für Investments in den USA geschaffen.

 

Gold bleibt ein Fels in der Brandung

 

Unter den 4 großen Edelmetallen zeigt sich Gold auch in der abgelaufenen Handelswoche nicht nur am wenigsten volatil, sondern bastelte auch am leisesten an seiner Konsolidierung. Chart 2 zeigt dabei, dass Gold seine seit dem 02.03.2026 laufende Abwärtstrendlinie, die es zuvor am 06.05.2026 von unten nach oben gebrochen hatte, mit dem gestrigen Handelsschluss wieder unterschritten hat.

 

Gold Spot / US-Dollar

 

Fragt man sich aber, wie eigentlich ein kleiner Doppelboden seit Anfang Mai gebildet werden kann, so sieht man schnell, dass dies ein nochmaliges Unterschreiten des Zwischentiefs vom 04.05.2026 erfordern kann, ohne dass aus Muster-Sicht eine Entwertung folgen würde. Stattdessen zeigt sich, dass bei Annahme einer Bodenbildung in Form einer größeren umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation (S-K-S) die rechte Schulter noch tiefer liefen kann als das Zwischentief vom 04.05.2026 bei 4.501,04 USD. Das Tief der linken Schulter, welches am 02.02.2026 bei 4.402,38 USD erreicht wurde (untere rote gestrichelte Horizontale), liegt sogar noch knapp 100 USD tiefer. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob der Goldpreis oberhalb der Marke von 4.402,38 USD einen kleinen Boden zum Abschluss seiner rechten Schulter bilden kann, deren Bildung mit Überschreitung des Zwischenhochs vom 17.04.2026 bei 4.891,54 USD beendet ist (obere rote gestrichelte Horizontale).

Dies verdeutlicht, dass bei Gold charttechnisch derzeit kaum etwas angebrannt ist. Denn die letzten Monate haben gezeigt, dass die fundamentale Wertsicherungsfunktion von physischem Gold gerade bei zunehmendem System-Stress und vielfältigen Verbriefungskaskaden zu neuer Stärke erwacht. Dies zeigen anhaltende Goldkäufe der Notenbanken ebenso wie die Rückführung im Ausland liegender Goldreserven. Vor dem Hintergrund der laufenden Eskalation im Nahen Osten, der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine und den jüngsten Warnungen des chinesischen Präsidenten an US-Präsident Trump bei seiner China-Visite in dieser Woche in Bezug auf Taiwan braucht man wenig Fantasie, um sich einen auch kurzfristigen Abschluss der oben skizzierten Konsolidierung des Goldpreises vorzustellen.

Vielmehr deutet die Annahme einer gewissen Symmetrie zwischen linker und rechter Schulter der S-K-S-Formation darauf hin, dass die Bodenbildung bei Gold bis Ende Juni 2026 abgeschlossen sein könnte.

 

Silber ist nichts für Nervenschwache

 

Silber, der kleine Bruder des Goldes, machte in dieser Woche seinem Ruf als volatiles Asset wieder alle Ehre und verlor allein am Freitag 9,01 %. Allein schon diese typisch höhere Volatilität macht eine Investition für konservative Investoren schwer. Dies birgt aber für alle anderen wiederum die Chance auf überproportionale Performance, wenn sie die hohen Schwankungen aushalten! Umso wichtiger ist dafür die Antwort auf die Frage, ob es sich bei dem Ausbruch ab Oktober 2025 um ein charttechnisches Fehlsignal handelt oder nicht!

 

Silber / US-Dollar

 

Chart 3 zeigt die Ausgangslage. Silber hat im Oktober 2025 seine bisherigen Allzeithochs vom Januar 1980 und vom April 2011 mit den größten Quartalsumsätzen der letzten 45 Jahre überwunden und damit ein massives langfristiges Kaufsignal generiert. Aus dieser Perspektive wäre selbst ein Rückgang auf 55 USD noch kein Beinbruch, zumal praktisch alle Investoren, die vor Oktober 2025 Silber gekauft haben, auf mehr oder weniger hohen Buchgewinnen sitzen. Solange diese der Ansicht sind, dass es sich um einen neuen Bullenmarkt bei Silber handelt, gibt es für jene längerfristig orientierten Anleger wenig Gründe, sich von ihrem Silber zu trennen. Für sie relativiert sich auch die Argumentation eines stärkeren US-Dollars als Ursache kurzfristigen Verkaufsdruckes auf Silber. Denn allein die Performance-Rechnung in Euro würde zeigen, dass den potenziellen Verlusten des Silberpreises ein Währungsgewinn in USD und damit eine (Teil-)Kompensation gegenübersteht. Sollte aber, wie plausibel zu erwarten ist, sowohl der US-Dollar als auch Silber in nächster Zeit vor allem gegenüber dem Euro ihren Aufwärtstrend wieder aufnehmen, dürften sich die beiden Gewinne addieren und damit umso größer ausfallen.

Taktisch orientierte Trader kommen vielleicht zu einem anderen Ergebnis. Die Kalkulation der Finanzierungskosten ihrer Spekulation dürfte spürbar von den Refinanzierungskosten abhängen und deshalb sensibler auf einen Zinsanstieg reagieren. Zudem ist die kurzfristige Chartperspektive aktuell weniger stark als die langfristige, was Chart 4 verdeutlicht.

 

Silber / US-Dollar

 

Wie bei Gold ist auch Silber dabei, einen Boden in Form einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation zu bilden. Das Tief der linken Schulter (untere rote gestrichelte Horizontale) vom 06.02.2026 liegt bei 64,06 USD. Damit hat auch Silber für die Musterbildung noch rund 12 US-Dollar Puffer nach unten, ohne dass sich an der grundsätzlichen Interpretation eines weiteren potenziellen Kursrückganges irgendetwas Grundsätzliches ändern würde.

Silber hatte in der vergangenen Woche seinen seit dem 02.03.2026 laufenden kürzeren Abwärtstrend (orangene Abwärtstrendlinie) schon überwunden und konnte sich auch gestern noch darüber halten. Aber selbst ein Unterschreiten dieser und auch der steileren, seit dem Allzeithoch am 29.01.2026 laufenden Abwärtstrendlinie wäre charttechnisch kein Beinbruch. Solange der Silberpreis sich über der Marke von 64,06 USD halten kann, bleibt selbst für Trader die Ausgangslage attraktiv.

Dies gilt noch mehr für Investoren. Denn sollte sich bestätigen, dass der Ausbruch vom Oktober kein Fehlsignal war, sind die aktuellen Kurse Schnäppchen!

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Platin, der Backgroundsänger

 

Platin verlor im Wochenvergleich 4 % und generierte dabei keine mittelfristig bedeutungsvollen Signale. Wie Chart 5 zeigt, konnte es sich allerdings über seiner kurzfristigen Abwärtstrendlinie halten, der aber wie auch bei Gold und Silber für die Bewertung des Konsolidierungsmusters wenig Bedeutung zukommt. Die Umsätze waren durchschnittlich, der RSI zwischen 45 und 50 befindet sich weit von der überkauften Zone entfernt und mit einem Momentum-Indikator von aktuell praktisch null hängt Platin charttechnisch-dynamischer Sicht in der Hängematte. Dies war aber nicht immer so, weshalb die aktuelle Lage eher positiv zu werten ist.

 

Platin / US-Dollar

 

Erwähnenswert ist allerdings, dass auch Platin im Dezember 2025 und dann nochmals im Januar 2026 ein neues Allzeithoch markiert hat, danach aber wieder unter das alte Allzeithoch vom März 2008 bei 2.299 USD zurückgefallen ist und auch aktuell mit 1.964,48 USD darunter liegt.

Der Markt hat also noch nicht signifikant deutlich gemacht, ob Platin in einen neuen langfristigen Bullenmarkt eingetreten ist oder nicht. Dies ist das beachtenswerte Risiko der aktuellen Chartstruktur bei Platin. Positiv ist hierbei allerdings der massive Umsatzanstieg seit Oktober 2025 zu bewerten, was zeigt, dass es auch bei Platin einen ,,Game Changer‘‘ gegeben haben könnte. Bis darüber mehr charttechnische Klarheit herrscht bleibt Platin im Vergleich zu Gold und Silber ein ,,guter Background-Sänger‘‘.

 

Palladium und die Suche nach Kursfantasie

 

Palladium verlor in dieser Handelswoche 4,8 % und schloss mit 1.414,94 USD in einem charttechnischen Bereich ohne Signalcharakter (siehe Chart 6).

 

Palladium / US-Dollar

 

Der Preischart wird aktuell auf Tagesbasis von einem flachen mittelfristigen Aufwärtstrend nach unten dynamisch abgestützt. Von oben ist Palladium in dieser Woche an seinem mittelfristigen, seit dem 26.01.2026 laufenden Abwärtstrend abgeprallt. Kurzfristig ist die charttechnische Lage neutral, aber auch nicht stabil. Die Distributionsphase ist an den Umsätzen gut zu erkennen, gleichwohl dürften die aktuellen Chartmuster wenig Halt bieten, sollte es an den Kapitalmärkten zu neuen Turbulenzen kommen.

Ein Blick auf die langfristige Kursentwicklung in Chart 7 zeigt jedoch, dass Palladium bei seiner mehrjährigen Bodenbildung auch im Zyklustief vom August 2024 bei 809,23 USD seinen langfristigen Aufwärtstrend nicht verletzt hat.

 

Palladium / US-Dollar

 

Die sich anschließende Aufwärtsbewegung lief bis auf 2.169,73 USD am 26.01.2026, dann jedoch verließen Palladium die Kräfte. Hierzu dürfte auch die massive Widerstandszone vom November und Dezember 2021 beigetragen haben. Langfristig befindet sich Palladium damit in einem Aufwärtstrend.

Wie auch bei Platin bleibt aber aktuell offen, ob die seit Mitte 2025 laufende Aufwärtsbewegung mehr ist als eine Gegenbewegung nach dem Katalysator-Schock ab 2021. Sollten neue Trends bei Hybridfahrzeugen oder neue Technologien bei Wasserstoff-Brennstoffzellen die Nachfrage wieder beleben, dürfte auch aufgrund der geringen jährlichen Fördermenge von aktuell 180 Tonnen neuen Höchstkursen nicht viel entgegenstehen. Die geringe Angebotselastizität wird zudem noch dadurch verstärkt, dass Russland und Südafrika praktisch den Markt dominieren. Für viele Marktteilnehmer stellt dies ein erhöhtes Lieferkettenrisiko dar. Für strategische Investoren erhöht es jedoch die Chancen, gerade, wenn die industrielle Nachfrage wieder ansteigen sollte.

 

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16.05.2026 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 

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