Für den Moment scheint die Commerzbank sich ihre Eigenständigkeit bewahren zu können, doch UniCredit will mit Übernahmeplänen noch nicht lockerlassen
Das Übernahmepoker um die Commerzbank geht weiter
Es ist wahrlich keine Neuigkeit mehr, dass die italienische UniCredit die deutsche Commerzbank zu übernehmen gedenkt. Als die vorherige Bundesregierung im vergangenen Jahr ein größeres Aktienpaket an den Märkten platzierte, nutzte UniCredit diese Gelegenheit für einen kleinen Coup. Seither hält man bedeutende Anteile mit der Option, diese noch weiter in die Höhe zu treiben.
Die Commerzbank (DE000CBK1001) setzte bei der Verteidigung gegen die Übernahmepläne vor allem darauf, den Preis in die Höhe zu treiben. Mit guten Zahlen und allerlei Anlegergeschenken konnte dieses Ziel erreicht werden. Die Commerzbank-Aktie bewegte sich jüngst von einem 52-Wochen-Hoch zum nächsten. Am Mittwoch ging es mit 27,64 Euro aus dem Handel. Das entspricht einer Steigerung von 77,6 Prozent seit Jahresbeginn. UniCredit wird also deutlich mehr für sein Vorhaben zahlen müssen, so es denn in die Tat umgesetzt wird.
Der Ansatz scheint für den Moment erfolgreich zu sein. Gegenüber „CNBC“ ließ UniCredit-Chef Andrea Orcel wissen, dass er die Commerzbank aktuell für überbewertet halte. Der Anstieg des Aktienkurses sei mit fundamentalen Entwicklungen allein nicht zu erklären. Von einer Übernahmeofferte sei man nun weit entfernt, da sich eine solche angesichts der Kurssteigerungen der letzten Monate für die Aktionäre nicht lohnen würde. Gleichwohl betonte Orcel, an den Übernahmeplänen festhalten zu wollen.
Die Commerzbank ist noch nicht aus dem Schneider
Anders als noch im Januar scheint Orcel auch nicht mehr zwingend auf die Unterstützung der Bundesregierung für sein Vorhaben zu setzen. Vor den Wahlen hieß es noch, dass zunächst die Regierungsbildung vor weiteren Entscheidungen abgewartet werden soll und eine Übernahme in dieser Größe ohne politische Unterstützung schwer vorstellbar sei. Nachdem sich nun sowohl Vizekanzler Lars Klingbeil als auch Bundeskanzler Friedrich Merz kritisch gegenüber einer Commerzbank-Übernahme zeigten, schlägt Orcel andere Töne an.
UniCredit will nun selbst prüfen, ob und wann sich eine Übernahmeofferte lohnen könnte. Eilig hat man es damit nicht. Man könne sich im Zweifel bis 2027 Zeit lassen und werde in jedem Fall auf die eigenen Aktionäre hören. Im Sommer will das Institut nun erst einmal entscheiden, ob der eigene Anteil von aktuell rund 18 Prozent auf etwas weniger als 30 Prozent erhöht werden soll. Zugriff auf entsprechende Optionen sicherte sich UniCredit schon vor Monaten.
Die Commerzbank wird sich also auch weiterhin verteidigen müssen, hat sich mit ihrer bisherigen Strategie aber zunächst Zeit erkauft. Für die Anleger ist die Ausgangslage recht bequem. Der anhaltende Druck aus Italien sorgt dafür, dass hohe Aktienkurse weiterhin die vielleicht höchste Priorität des Managements bleiben dürften. Denn bei einem möglichen Einknicken dürften die Überlegungen von UniCredit schnell in eine andere Richtung gehen und die Geduld bezüglich einer Übernahme könnte schnell erodieren.
Eine spannende Angelegenheit
Hinter den Aussagen des UniCredit-Chefs versteckt sich aber mindestens eine Anspielung darauf, dass man viel mehr als den aktuellen Kurs für die Commerzbank wohl nicht zu zahlen bereit ist. Das Hoffen auf ein Übernahmeangebot wird daher in Zukunft eher nicht mehr kurssteigernd wirken. Umso mehr wird die Commerzbank mit Zahlen und Prognosen punkten müssen, um die Bullen bei Laune zu halten. Darüber hinaus nehmen Faktoren Einfluss auf den Kurs, bei denen das Unternehmen selbst nur zuschauen kann.
Dazu gehört die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland und Europa, von wo aus es zuletzt allerdings freundliche Vorgaben gab. Bis zum Jahr 2027 kann sich aber noch einiges tun und es wird wohl bis zuletzt spannend bleiben. Für die Anleger ist es eine hochspannende Angelegenheit und von Anteilsscheinen verabschieden will sich bisher offenbar kaum jemand. Sollte UniCredit seine Pläne jedoch eines Tages vollständig absagen, könnte dies eine veritable Korrektur auslösen. Wirklich ausruhen können die Investoren sich daher kaum.
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12.06.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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