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Commerzbank muss den hohen Erwartungen gerecht werden

Kurz vor den Quartalszahlen steht die Aktie nahe ihrem Hoch – während UniCredit immer näher an die Kontrolle über die Frankfurter Bank rückt

NTG24 - Commerzbank muss den hohen Erwartungen gerecht werden

 

Für die Commerzbank wird der Donnerstag ungewöhnlich wichtig. Die Bank legt ihre Zahlen für das zweite Quartal vor, während die Aktie nahe ihren jüngsten Höchstständen notiert und die Übernahmefrage längst nicht mehr nur im Hintergrund läuft. Gute Ergebnisse allein dürften deshalb kaum genügen. Anleger wollen sehen, ob die operative Dynamik stark genug bleibt, um den hohen Kurs und die ambitionierten Langfristziele zu rechtfertigen.

Commerzbank (DE000CBK1001) geht aus einer Position der Stärke in den Bericht. Im ersten Quartal stieg das operative Ergebnis um 11 % auf den Rekordwert von 1,4 Mrd. Euro. Das Nettoergebnis legte um 9 % auf 913 Mio. Euro zu, während die Erträge um 5 % auf 3,2 Mrd. Euro wuchsen. Besonders wichtig war, dass der Zinsüberschuss trotz niedrigerer Leitzinsen mit rund 2 Mrd. Euro stabil blieb.

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Genau darin steckt vor den Q2-Zahlen aber auch das Problem. Die Messlatte liegt inzwischen deutlich höher. Am Mittwoch bewegte sich die Aktie zeitweise im Bereich von rund 39,50 Euro und damit nur knapp unter ihrem jüngsten 52-Wochen-Hoch. Nach der kräftigen Neubewertung der vergangenen Jahre handelt der Markt längst nicht mehr nur eine gelungene Sanierung der Bank. Er handelt weiteres Gewinnwachstum, hohe Ausschüttungen und strategische Eigenständigkeit.

 

Der Zinsüberschuss wird zum wichtigeren Test

 

Im ersten Quartal konnte die Commerzbank den Rückgang der Leitzinsen erstaunlich gut abfedern. Das war ein wichtiges Signal, denn der Zinsboom der vergangenen Jahre kann nicht dauerhaft als Wachstumsmotor dienen. Entscheidend wird deshalb, ob Einlagenmanagement, Kreditvolumen und Margen auch im zweiten Quartal genug Stabilität geliefert haben.

Daneben gewinnt das Provisionsgeschäft an Gewicht. Im ersten Quartal erreichte der Provisionsüberschuss mit 1,1 Mrd. Euro einen neuen Höchststand und lag 9 % über dem Vorjahreswert. Gerade dieses Wachstum ist strategisch interessant: Je stärker die Bank Gebühreneinnahmen aus Wertpapiergeschäft, Zahlungsverkehr und anderen Dienstleistungen ausbaut, desto weniger abhängig wird das Ergebnis von der nächsten Zinsentscheidung der EZB.

Die Q1-Zahlen der Commerzbank zeigen zugleich, wie hoch der Anspruch geworden ist. Die Cost-Income-Ratio verbesserte sich auf 53 %, ohne Pflichtbeiträge lag sie bei 50 %. Diese Effizienz muss nun auch dann halten, wenn Investitionen, Umbau und Wettbewerb um Personal die Kostenbasis belasten.

Hinzu kommt die Kreditqualität. Das Risikoergebnis lag im Auftaktquartal bei lediglich minus 142 Mio. Euro, die Quote notleidender Kredite blieb mit 1,1 % niedrig. In einem schwachen deutschen Konjunkturumfeld ist diese Stabilität keineswegs selbstverständlich. Gerade im Firmenkundengeschäft wird deshalb interessant, ob Insolvenzen und wirtschaftlicher Druck inzwischen sichtbarer in den Risikokosten auftauchen.

 

Die Aktie handelt längst mehr als Quartalsgewinne

 

Der Kursverlauf zeigt, wie viel Vertrauen bereits aufgebaut wurde. Die Commerzbank bewegte sich am Mittwoch nahe der Marke von 40 Euro und damit nur knapp unter ihrem jüngsten Jahreshoch. Exakte Intradaystände hängen von Zeitpunkt und Handelsplatz ab, doch das Bild ist eindeutig: Die Aktie geht nicht aus einer defensiven Position in die Zahlen, sondern aus einer Phase hoher Erwartungen.

Das unterscheidet die Situation deutlich von früheren Ergebnisvorlagen. Ein solides Quartal kann inzwischen zu wenig sein, wenn der Ausblick keine zusätzliche Fantasie liefert. Besonders sensibel dürfte der Markt auf Aussagen zum Zinsüberschuss, zur Kostenentwicklung und zur Kapitalrückgabe reagieren.

 

 

 

3,4 Milliarden Euro sind die neue Untergrenze

 

Das Management hatte nach dem starken Jahresauftakt sein Nettoergebnisziel für 2026 auf mindestens 3,4 Mrd. Euro angehoben. Gleichzeitig soll die Cost-Income-Ratio für das Gesamtjahr bei rund 53 % liegen. Schon deshalb wird der Halbjahresstand am Donnerstag besonders aufmerksam gelesen werden.

Die langfristigen Ziele gehen deutlich weiter. Mit der Strategie „Momentum 2030“ strebt die Commerzbank bis 2030 eine Nettoeigenkapitalrendite von 21 % und eine Cost-Income-Ratio von 43 % an. Das ist mehr als eine Fortschreibung der bisherigen Sanierung. Die Bank verspricht damit ein dauerhaft höheres Profitabilitätsniveau.

Für Anleger bedeutet das eine Verschiebung der Perspektive. Früher ging es darum, ob Commerzbank wieder verlässlich Geld verdienen kann. Heute geht es darum, wie profitabel die Bank trotz sinkender Zinsen, Umbaukosten und eines anspruchsvollen deutschen Heimatmarktes werden kann.

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UniCredit verändert inzwischen jeden Blick auf die Zahlen

 

Über dem operativen Geschäft liegt inzwischen eine zweite Ebene. Nach Abschluss ihres öffentlichen Angebots kommt UniCredit auf eine Position von 47,59 % des Commerzbank-Kapitals. Wegen der nicht stimmberechtigten eigenen Aktien der Commerzbank entspricht dies nach Angaben der italienischen Bank derzeit rund 49,65 % der Stimmrechte.

Damit ist die Übernahmefrage sehr viel konkreter als noch vor wenigen Monaten. Ende Juli erklärte CEO Bettina Orlopp gegenüber den Beschäftigten, dass weitere Gespräche zwischen beiden Häusern stattfinden sollen. Der jüngste Bericht über die Gespräche mit UniCredit markiert damit einen bemerkenswerten Wandel: Aus dem weitgehend konfrontativen Verhältnis wird zumindest ein Dialog über das weitere Vorgehen.

Das macht die morgigen Zahlen politischer und strategischer als einen gewöhnlichen Quartalsbericht. Je profitabler Commerzbank aus eigener Kraft wird, desto stärker kann das Management für den Wert der Eigenständigkeit argumentieren. Gleichzeitig erhöht jedes gute Quartal auch den wirtschaftlichen Wert des Instituts für UniCredit.

Für die Aktionäre entsteht daraus eine ungewöhnliche Situation. Ein Teil der Bewertung beruht auf der operativen Verbesserung, ein anderer auf der strategischen Spannung rund um UniCredit. Die Grenzen lassen sich kaum sauber trennen. Genau deshalb könnte die Aktie selbst auf ordentliche Q2-Zahlen empfindlich reagieren, falls wichtige operative Kennzahlen hinter den inzwischen hohen Erwartungen zurückbleiben.

 

Kapitalrückgabe wird zum Argument für Eigenständigkeit

 

Auch die Ausschüttungspolitik spielt in diesem Konflikt eine zentrale Rolle. Commerzbank hatte im Frühjahr einen weiteren Aktienrückkauf abgeschlossen und dabei rund 15,7 Mio. eigene Aktien für gut 524 Mio. Euro erworben. Seit 2023 summieren sich die sechs abgeschlossenen Rückkaufprogramme auf mehr als 3,2 Mrd. Euro.

Im Rahmen der neuen Strategie strebt die Bank eine Ausschüttungsquote von 100 % an, solange die eigene CET1-Zielquote von 13,5 % erreicht beziehungsweise eingehalten wird. Für Aktionäre ist das attraktiv. Strategisch ist es zugleich eine Botschaft: Commerzbank will zeigen, dass sie überschüssiges Kapital selbst effizient verwenden und an ihre Eigentümer zurückgeben kann.

 

Am Donnerstag zählt die Qualität des Gewinns

 

Der Q2-Bericht kommt deshalb zu einem Zeitpunkt, an dem einfache Rekordmeldungen kaum noch reichen. Entscheidend wird sein, wo der Gewinn herkommt. Stabiler Zinsüberschuss trotz veränderter Geldpolitik wäre wertvoll. Weiter wachsender Provisionsüberschuss würde die Ertragsbasis verbreitern. Kontrollierte Kosten und niedrige Risikovorsorge würden zeigen, dass die Profitabilität nicht auf außergewöhnlich günstigen Bedingungen beruht.

Gelingt diese Kombination erneut, dürfte Commerzbank ihren Anspruch untermauern, aus eigener Kraft erheblich wertvoller geworden zu sein. Enttäuscht dagegen einer dieser Bausteine, trifft das auf eine Aktie, die nahe ihren Hochs längst viel Optimismus eingepreist hat. Der Donnerstag entscheidet damit nicht über die Existenz der Commerzbank-Story – wohl aber darüber, ob ihr nächstes Kapitel weiterhin von operativer Stärke geschrieben wird oder immer stärker von UniCredit.

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05.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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