Die Bundesregierung positioniert sich weiterhin klar gegen eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit
Nachlassen wird UniCredit bei der Commerzbank dennoch nicht
Gestern endete die Annahmefrist für das bereits im Mai vorgelegte freiwillige Übernahmeangebot für die Commerzbank der UniCredit. Medienberichten zufolge konnten die Italiener im Rahmen dessen wohl über zwölf Prozent an Anteilen einsammeln, was den Anteil auf etwas mehr als 39 Prozent heben dürfte. Angedient wurden die Aktien allem Anschein nach vor allem von Banken, die bereits zuvor recht eng mit UniCredit zusammenarbeiteten.
Weiterhin auf Granit beißt man hingegen bei der Bundesregierung, welche sich erneut klar gegen die geplante Übernahme der Commerzbank (DE000CBK1001) aussprach und stattdessen auf die Eigenständigkeit des Instituts pochte. Im Normalfall hat die Politik sich bei Übernahmen nicht weiter einzumischen. Allenfalls den Kartellbehörden obliegt es, ein Wörtchen mitzureden. Im Falle der Commerzbank ist die Bundesregierung mit einem Anteil von 13 Prozent aber noch immer der zweitgrößte Aktionär. Die Annahme des Übernahmeangebots sei aber schon allein aus ökonomischen Gründen nicht sinnvoll, heißt es aus Berlin.
Geboten werden 0,485 neue Aktien von UniCredit je Commerzbank-Aktie. Die meiste Zeit über war das für Anleger tatsächlich ein Verlustgeschäft. Genau das änderte sich aber zwischenzeitlich. Dank Kursgewinnen seitens UniCredit belief das Angebot sich gestern rechnerisch auf 37,67 Euro. Die Aktie der Commerzbank landete hingegen zu Handelsschluss bei 36,30 Euro. Anleger konnten also einen kleinen Gewinn bei der Annahme der Offerte einstreichen.
Die Commerzbank sorgt sich um Arbeitsplätze
Für die Bundesregierung ist die Commerzbank eine wichtige Säule für die Finanzierung des deutschen Mittelstandes. Außerdem wird sie auch als bedeutender Arbeitgeber und zentraler Faktor für den Finanzstandort Frankfurt angesehen. All das soll auch in Zukunft so bleiben. Rückendeckung erhält die Bundesregierung von der Gewerkschaft Verdi und dem Betriebsrat. Auch dort spricht man sich klar gegen eine Übernahme aus und warnt, dass andernfalls bis zu 10.000 Stellen wegrationalisiert werden könnten.
Dass UniCredit sich nun von seinen Plänen abbringen lassen wird, damit ist eher nicht zu rechnen. Stattdessen soll die Annahmefrist nach aktuellen Plänen noch einmal vom 20. Juni bis zum 3. Juli verlängert werden. Sollte die UniCredit-Aktie in dieser Zeit stärker als die Anteilsscheine der Commerzbank zulegen können, würde das rechnerische Angebot weiter zulegen. Damit würde eine Annahme des Angebots auch für Kleinanleger etwas interessanter werden. Bei einem Anteil von 40 Prozent könnten die Italiener indes bereits eine Mehrheit bei der Hauptversammlung erreichen. Zu Wochenbeginn gab es auch schon indirekte Drohungen, Aufsichtsrat und Vorstand austauschen zu wollen.
Das aktuelle Management wehrt sich weiterhin und schaltete zuletzt auch die Finanzaufsicht Bafin ein. Jene soll sich mit der Frage beschäftigen, ob UniCredit die eigene Position vielleicht etwas künstlich aufgebläht haben mag, indem Aktienanteile und Derivate zum Teil addiert wurden. Der Gesamtbetriebsrat stellte zudem Strafanzeige gegen Unbekannt aufgrund des Verdachts einer Marktmanipulation. Die UniCredit hingegen weist solche und andere Vorwürfe klar zurück und fordert ihrerseits eine Überprüfung, da der Commerzbank eine Beeinträchtigung des Übernahmeverfahrens vorgeworfen wird.
Verhärtete Fronten
Anfreunden werden sich Commerzbank-Management und UniCredit in diesem Leben wohl nicht mehr. Es läuft damit der Versuch einer feindlichen Übernahme, und das mit immer größeren Fortschritten. Die Worte werden deutlicher und die Bandagen härter. Wer sich am Ende durchsetzen mag und welche Rolle die Behörden dabei noch spielen könnten, bleibt abzuwarten.
Die Spannung steigt auch auf Seiten der Anleger. Jene waren bisher die größten Gewinner der andauernden Schlammschlacht. Die Commerzbank setzte von Anfang an auf eine Verteidigung über einen möglichst hohen Börsenkurs, um UniCredit eine Übernahme so teuer und unangenehm wie möglich zu machen. Allerdings scheint diese Strategie langsam an ihre Grenzen zu kommen. Als wahrscheinlich gilt, dass UniCredit in Zukunft noch einmal nachlegen dürfte, um auch bisher noch skeptische Anleger überzeugen zu können. Eine entsprechende Ankündigung wird es während eines laufenden Angebots aber natürlich nicht geben.
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17.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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